Apr
01

Fritz J. Raddatz – Jahre mit Ledig

Der fulminante Schluss:
Kurz nach Raddatz’ Freitod publizierte Rowohlt das Erinnerungsbuch
© Rowohlt Verlag 2015

 

 

 

Fritz J. Raddatz, Jahre mit Ledig.
Eine Erinnerung.
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2015, 159 Seiten, geb. in Leinen, Leseband, 16,95 Euro (D).

 

 

Fritz J. Raddatz beendet sein Gesamtkunstwerk namens Leben mit einem Erinnerungsbuch an seinen langjährigen Verleger und Seelen-Freund Heinrich Maria Ledig-Rowohlt. Jahre mit Ledig – Ein Erinnerungsbuch ist dabei viel mehr als das. Es ist deutsche Nachkriegsgeschichte, die emphatisch erzählte Geschichte zweier Männer, deren Freundschaft durch viele Umstände grausam scheiterte. Und es ist – ein wahrhaft grandioses Büchlein.

 


Wie kann man ein Buch, ein Leben mehr adeln als durch einen bewusst gewählten Freitod? Das meint nicht eine effekthascherische Marketing-Handlung, sondern die essenzielle, die letztgültige Tat. Das muss man heute leider wohl dazusagen. Unweigerlich muss man an zwei Bücher denken, die auch noch nicht so furchtbar als sind, jedoch vergessen scheinen. 1976 veröffentlichte Jean Améry sein ungeheures Buch Hand an sich legen – Diskurs über den Freitod. Sein späterer Suizid lässt den Leser noch stärker erschauern, wenn er nur die erste Kapitelüberschrift liest: Vor dem Absprung. 1988 dann Hermann Burgers Tractatus logico-suicidales, das genauso eine Logik aufbaut, die keinen anderen Entschluss mehr zulässt.

 

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Mrz
30

Beau Brummell – 175. Todestag

Beau Brummell. Portrait von Dighton, 1805

 

 

 

Wir erinnern an den Ur-Dandy, Beau Brummell, zu dessen 175. Todestag am 30. März 1840 in Caen.

 

 

 

 

1. Der Dandy ist ein Sozialtypus, wie es auch andere gibt: den Bohème, den Flaneur und den Snob beispielsweise. Dem Dandy näher ist der Punk als der Playboy. Denn im Gegensatz zu dem Frauenvernascher, der keinerlei Geist benötigt, ist auch Punk zu sein eine Lebenseinstellung. Diese wird nach außen kundgetan durch die zerrissene und schwarze Kleidung. Sie entspringt kultur-historisch dem britischen Zwang, Schuluniform zu tragen.

 

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Mrz
27

Karl Lagerfeld. Modemethode

CHANEL Ready-to-Wear
Frühling/Sommer 2011
Photo © Karl Lagerfeld

 

 

 

Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt vom 28. März 2015 an die Ausstellung Karl Lagerfeld. Modemethode.

Die Schau beschränkt sich auf Karl Lagerfeld als Modemacher, ist der Arbietr elegantiarum doch viel mehr als das: Photograph, Verleger, Buchgestalter, Designer, Provokateur…. Seit nunmehr 60 Jahren prägt er mit seiner Mode den Stil der Zeit maßgeblich mit. Ob in Haute couture und Prêt-à-porter für die Luxusmodehäuser Balmain, Patou, Fendi, Chloé, Karl Lagerfeld und Chanel oder der erschwinglichen Kollektion der Marke H&M – stets sind seine Entwürfe von klassischer Eleganz, die er in ihrem Geiste erneuert und an den jeweiligen Zeitgeist anpasst.

Die Ausstellung geht bis zum 13. September 2015.

 

 

CHANEL Studio Chanel
Pre-Collection
Frühling/Sommer 2012
Zeichnung © Karl Lagerfeld

 

 

 

Skizze von Karl Lagerfeld für FENDI
Frühling/Sommer 2012
Courtesy Fendi Archives, © Fendi Archives

 

 

 

 

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn

Information
T +49 228 9171–200
F +49 228 234154

 

 

 

Mrz
23

Johanna Breede Photokunst – Das Fenster

Ein Photo der Ausstellung: © Herbert List, Blick aus dem Fenster, Via Lungarina 65, Rom 1953
Courtesy Johanna Breede Photokunst

 

 

Die kleine und feine Gallerie Johanna Breede Photokunst im alten Westen Berlins zeigt eine ganz besondere Ausstellung: Das Fenster präsentiert Photos durch das Fenster, aus dem Fenster…

 

Dem Betrachter dieser wunderbaren Auswahl wird deutlich, wie übervoll die Geschichte der Photographie ist von Fenster-Bildern. Über 60 Aufnahmen von 24 Photographen umfasst diese Zeitreise mit Arbeiten von Stefan Moses, Robert Lebeck, Barbara Klemm, Sybille Bergemann, Donata Wenders, Kurt Wyss und anderen.

 

Der Betrachter darf teilhaben an dem Blick des Photographen. Am Durchblick, am Voyeurismus, an seiner Beobachtung. Für Johanna Breedes Gruppenausstellung öffneten die bedeutendsten Photographen der vergangenen Jahrzehnte ihre Archive.

 

DAS FENSTER

Kate Baker » Sibylle Bergemann » Lilian Birnbaum » Elmer de Haas » Heinz Hajek-Halke » Monique Jacot » Hannes Kilian » Birgit Kleber » Barbara Klemm » Jens Knigge » Robert Lebeck » Herbert List » Stefan Moses » Rita Ostrowskaja » Ulrike Ottinger » Marek Pozniak » Beat Presser » Sheila Rock » Michael Ruetz » Max Scheler » Liselotte Strelow » Karin Székessy » Donata Wenders » Kurt Wyss »

21. März bis 13. Juni 2015

 

Johanna Breede PHOTOKUNST

Fasanenstr. 69, 10719 Berlin
T +49 (0)30-889 13 590
kunsthandel@breede.de
www.facebook.com/Johanna-Breede
Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr
Johanna Breede PHOTOKUNST

Mrz
20

Ulrich Klieber – Künstlerbücher

Eine Doppelseite aus Ulrich Klieber – Künstlerbücher
© Photo: Nikolaus Brade
VG-Bildkunst, Bonn 2014

 

 

 

Ulrich Klieber, Künstlerbücher.
112 Seiten mit ca. 200 Farbabbildungen auf Profisilk, 170g-Papier.
Hirmer Verlag München 2015, 29,90 Euro (D).

 

 

Ulrich Klieber macht Künstlerbücher. Das bedeutet: Er schafft eine ganz eigene Kunstgattung. Individuell, traditionsbezogen und dabei dem gierigen Markt ent-zogen. Alle Bücher sind Unikate. Ein schönes Kunstbuch aus dem Hirmer Verlag präsentiert nun erstmalig einen profunden Überblick über diese Kunst im Schatten des merkantilen Kunstbetriebs.

 

 


Künstlerbücher. Zu klären ist zuerst die Gattung. Was ist das denn überhaupt, ein Künstlerbuch? Ulrich Klieber gestaltet Bücher. Das heißt, er füllt weißes Papier mit Bildern und Texten von Eindrücken, Reisen, Erlebnissen… Wenn man seine Künstlerbücher als eine Art von Tagebuch eines Künstlers sieht, liegt man sicher nicht so falsch. Diese Bücher des 1953 in Göppingen Geborenen seien nicht linear lesbar, schreibt Ulrike Golde in dem hier vorgestellten Buch über die Bücher. Ob das so ist, wissen wir nicht.

 

 

 

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Mrz
16

55 Jahre Außer Atem

Das verliebte Pärchen im anarchistischen Sommer auf der Champs Elyseés. Gespielt von Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg.

 

 

Heute vor 55 Jahren, am 16. März 1960, hatte der französische Film Außer Atem (Im Original À bout de souffle) Premiere.

Der erste Spielfilm von Jean-Luc Godard machte seinen Hauptdarsteller Jean-Paul Belmondo schlagartig berühmt.

Heute ist der Film längst ein absoluter Klassiker der Nouvelle Vague.

Hier ein kurzer Ausschnitt mit unserer Empfehlung, sich den ganzen Film wieder einmal anzusehen.

 

 






Mrz
14

Grogor von Rezzori – Aphorismen des Dandys

Gregor von Rezzoris Männerfibel
© Photo: DANDY-CLUB

 

 

 

Wenn du Charakter und ein Schicksal haben willst, wenn du nicht kriechen willst unter der Bürde der Lebenden und Toten, so wirst du als ein Dandy leben müssen bis zur Verwechslung. Du wirst für einen Nichtsnutz und Müßiggänger gelten, denn du wirst dir die Zeit mit vielerlei Beschäftigung vertreiben und jene Arbeit meiden, unter der die Zeitgenossen stöhnen: die Arbeit des Atlas, die ganze Welt auf den Schultern zu tragen. Du wirst dich nicht – wie sie alle – überheben.

 

 

Sei lässig! Die Prophezeiung, daß es in hundert Jahren nur noch Verbrecher und Mönche geben wird, soll dich nicht anfechten: du wirst dann weder zu diesen noch zu jenen gehören. In der Weise, auf die du dich der Alternative entziehen wirst, liegt eine Ironie, die du zum Grundgefühl deines Lebens machen sollst.

 

 

Du wirst dich als ein Individualist gebärden müssen, obwohl es dir barock vorkommt, eine Selbstverständlichkeit zu unterstreichen. Aber alles Aufzeichenbare will stilisiert sein.

 

 

Dein Geschmack wird dir den Ruf eines Menschen eintragen, der nach ästhetischen Maßstäben lebt. Achte mit Vorsicht auf derartige Versuche, dich in Komlicenschaften hineinzuziehen. Man lebt ästhetisch in unserer Zeit, wenn man den lächerlichen Bibelot- und Whisky-Soda-Ästhetizismus der emporgekommenen Kolonialwarenhändler vermeidet.

 

 

Aus: Gregor von Rezzori, Männerfibel, Auszüge.

 

 

Mrz
11

Ernst Jünger – Gläserne Bienen

In neuem Gewand: Ernst Jüngers Gläserne Bienen
© Klett-Cotta 2014

 

 

Ernst Jünger, Gläserne Bienen. Roman.
Paperback, 147 Seiten, Klett-Cotta Verlag 2014, 14,95 Euro (D).

 

 

Ernst Jüngers Roman Gläserne Bienen ist in einer Neuausgabe als bibliophiler Paperback-Band erschienen. Ein schöner Grund der (Re-)Lektüre.


Richard ist eigentlich Rittmeister. Eigentlich weil er noch die Ehre hatte, in der Kaiserlichen Armee ausgebildet zu werden. Hier war das Regiment wesentlich strenger. Aber was man lernte, lernte man tatsächlich für das ganze Leben. Tugenden wie Zuverlässigkeit und Kameradschaft wurden einem eingebrannt. Das prägt für immer. Auch für das Leben außerhalb der Armee.

 

Eigentlich aber vor allem, weil es damit nun vorbei ist. All das romantisierende Erinnern bringt nichts. Denn nun ist Richard längst aus der Armee ausgeschieden – und sucht seit längerem Arbeit.  Doch ist dies nicht das einzige Problem, dass der Reaktionär (im Sinne Nicolás Gómez Dávilas) mit der neuen Zeit hat. Botho Strauß würde ihn einen Aus-der-Zeit-Gefallenen nennen.

 

Ein alter Kamerad der Leichten Reiter, Twinnings, empfiehlt ihn dem Unternehmer Zapparoni. Der ist ein ungeheuer erfolgreicher Geschäftsmann, Besitzer von riesigen Fabriken und Filmstudios. Bei ihm soll er arbeiten. Seine Charakterzüge könnten dem modernen Milliardär nützlich und willkommen sein.

 

Die Handlung der Erzählung ist nur der weite und dünne Rahmen. Die längste Strecke des Textes sitzt Richard im Garten von Zapparonis Privatvilla und sinniert über die neue Zeit, die da angebrochen ist. Es sind Reflexionen von großem Tiefgang, auf philosophischem Niveau. So überlegt Richard, der sich die ganze Zeit von Zapparoni beobachtet fühlt, welche Erwartungen dieser so ungeheuer erfolgreiche und vermögende Fabrikant an ihn wohl haben würde. Viele Gedanken spiegeln dabei eine Form von vorauseilendem Gehorsam, was Richard selbst sogleich merkt.

 

Die gläsernen Bienen sind maschinell hergestellte Roboter-Bienen, die die Arbeit der Tiere erledigen – nur wesentlich effektiver. So stellt Richard sich die Frage, ob nicht in absehbarer Zukunft alle Tiere und Pflanzen durch ‚effektivere‘ Maschinen ersetzt werden würden.

 

Die Erzählung kam erstmals heraus 1957 im Ernst Klett Verlag. Interessanterweise erschien die erste Taschenbuch-Ausgabe 1960 als rororo-Bändchen Nummer 385. In drei Auflagen brachte es diese Ausgabe damals auf stattliche 60.000 Exemplare.  Rowohlt zum Inhalt: »Die Auseinandersetzung des Individuums mit jener neuen, inhumanen Ordnung stößt über die kühle Diagnose hinaus zu einem visionär deutenden Entwurf der Welt von morgen vor.«

 

 

 





Mrz
01

An Gabriele d’Annunzio von Paul Valéry

Photokarte d’Annunzios mit eigenhändiger Widmung

 

 

Der DANDY-CLUB erinnert an Gabriele d’Annunzio (12. März 1863 in Pescara; † 1. März 1938 in Gardone) zu seienm 77. Todestag mit einem Brief-Auszug von seinem Freund und Schriftsteller-Kollegen Paul Valéry nach einem Besuch im Vittoriale, dem herrschaftlichen Refugium am Gardasee von d’Annunzio.

 

 

20. April 1924

»Lieber Du,

ich habe eine Art Flackern in der Seele, und dieses flüchtige Verweilen in Deiner Freundschaft ist jetzt ein terzo luogo für mich, der sich zwischen das Leben und die Sicht schiebt – der ein Gedanke und eine Empfindung, eine Vergangenheit und eine Gegenwart ist – der mir plötzlich die Dinge verhüllt, und der plötzlich von ihnen verhüllt wird (…)

 

Wir haben uns ein wenig berauscht daran, einander zu begegnen. Gibt es irgendetwas Süßeres, Bittereres, Tieferes, auch Wirklicheres? Das Wirkliche ist für mich immer das, dessen Bedeutungskraft sich niemeals erschöpft (…)

 

Laß mich, Bruder, vor Müdigkeit auf mein Bett fallen. Ich kann Dir nicht sagen, wie ich Deinen Empfang liebe, Deine ungeheure Kraft, Deine Person in ihrer Unbegrenztheit. Ich umarme Dich von ganzem Herzen (…)«

 

Dieser Brief ist erstmals in Deutsch veröffentlicht worden in Der Pfahl, Jahrbuch aus dem Niemandsland zwischen Kunst und Wissenschaft III, Matthes & Seitz Verlag, München 1989.





Feb
28

Rainer König – Berlinische Fragmente

Rainer König, Berlin-Charlottenburg, S-Bahnhof Savignyplatz 1966
© Rainer König

 

 

 

Die Berliner Collection Regard präsentiert als ihre 10. Ausstellung Berlinische Fragmente – Fotografien von Rainer König.

 

 

Der 1926 in Berlin geborene Rainer König studierte zwischen 1945 und 1952 an der damaligen Hochschule für bildende Künste Architektur. Während seiner anschließenden Tätigkeit als Architekt brachte er sich das Photographieren bei. Dieses Interesse wurde später auch ein Schwerpunkt seines Berufes als Professor für Ausstellungsgestaltung und Fotografie.

 

 

Seine Photos zeichnen sich aus durch äußerst klar komponierten Ausschnitt und Blickwinkel. Beeindruckend dokumentiert sein umfangreiches Werk die Veränderung des urbanen Raumes – vor allem in West-Berlin.

 

 

Rainer König, Berlin-Charlottenburg, Block 118 1975
© Rainer König

 

 


Die Aufnahmen, die noch nie zuvor öffentlich gezeigt worden sind, sind noch bis zum 23. April 2015 in Berlin-Mitte zu sehen.

 

 

Am 19.03.2015 um 19:30 Uhr wird ein Gespräch zwischen Rainer König und dem Fotohistoriker und  Kurator Janos Frecot stattfinden. Um Voranmeldung wird gebeten: info@collectionregard.com

 

 

Rainer König, Berlin-Schulzendorf, Haus Hannah Höch, „Rari“ 1978
© Rainer König

 

 

Collection Regard
Marc Baebey
Steinstraße 12
10119 Berlin
Tel: +49 (0)30 847 11 947 – Fax: +49 (0)30 847 11 948
Email: info@collectionregard.com – News and Press on Facebook

 

 

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