Jan
20

Pierre Drieu la Rochelle – Die Unzulänglichen

Der politische Visionär Pierre Drieu la Rochelle (1893-1945)

 

 

 

Pierre Drieu la Rochelle, Die Unzulänglichen.
Aus dem Französischen von Gerhard Heller.
Mit einem Essay von Pierre Andreu und einem Vorwort von Benedikt Kaiser.
Jungeuropa Verlag, Dresden 2016, 556 Seiten, geb., 24 €.

 

 

Pierre Drieu la Rochelles Roman Die Unzulänglichen ist nach genau 50 Jahren endlich wiederveröffentlicht worden. Das Buch gilt bei Eingeschworenen als einer der besten Romane des 20. Jahrhunderts. Es könnte den Anstoß geben für eine Debatte, wie es mit Europa weitergehen soll.



Wer war Pierre Drieu la Rochelle (1893-1945)? Dieser schillernde Schriftsteller, politische Akteur, Dandy, der noch heute, über siebzig Jahre nach seinem Freitod, frenetische Verehrer hat wie gleichzeitig ungefiltert gehaßt wird. Es gab wohl so einige große Abenteuer in seinem an Exzessen reichen Leben. Seine Eltern stammten aus der Bretagne und der Normandie. Geboren wurde er in Paris. Sein Vater soll ein Waschlappen gewesen sein, seine Mutter habe das Geld durchgebracht, so berichteten die Biographen. Erzogen wurde er von der Großmutter. Das Fehlen eines maskulinen Vorbildes führte ihn bereits in jungen Jahren zu einem Vorbild aus der Literatur: Julien Sorel ist der junge Dandy in dem großen Entwicklungsroman Rot und Schwarz von Stendhal. Der kommt aus einfachen Verhältnissen, liebt die Frauen und merkt früh, daß er als gutaussehender Mann die Damen der Gesellschaft für seinen sozialen Aufstieg nutzen kann. Drieu sollte sich ein Leben lang auf dieses Buch berufen.

 

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Jan
07

Robert Haas – Der Blick auf zwei Welten

Robert Haas, Straßenszene, USA 1940
© Wien Museum/Sammlung Robert Haas

 

 

 

 

Robert Haas – Der Blick auf zwei Welten.
Ausstellung im Wien Museum
noch bis 26. Februar 2017.
Katalog im Hatje Cantz Verlag,
200 Seiten mit 219 Abbildungen, 35 €.

 

 

 

Die Stadt Wien ehrt ihren 1938 vertriebenen Photographen und Graphiker Robert Haas. In der ersten umfangreichen Retrospektive präsentiert das Wien Museum 250 Aufnahmen des bislang vergessenen Künstlers.



»Ein Meisterfotograf kehrt zurück«, schrieb die Wiener Presse über die Ausstellung und traf damit den Nagel auf den Kopf. Denn Robert Haas (1898-1997) mußte 1938 über London nach Amerika emigrieren, weil er Jude war. Jahrzehntelang erinnerte man sich in seiner Heimatstadt Wien nicht an das facettenreiche Werk des Sohnes – bis eine Mitarbeiterin des Wien Museums vor zwei Jahren mit den beiden in den USA lebenden Töchtern sprach. Im Rahmen von Recherchen zu der ebenfalls zur Emigration gezwungenen Wiener Photographin Trude Fleischmann, sprach sie auch mit den beiden Frauen, die dem Museum in der Folge den Nachlaß von Robert Haas übergaben. Nicht nur hunderte von Photos konnten so für die Nachwelt gerettet und erstmalig wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Auch hatten die Töchter mit ihrem Vater stundenlange Gespräche geführt als Bausteine einer Biographie, deren Tonbänder sie ebenfalls dem Museum übergaben.

 

 

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Dez
31

Thomas Bernhard – Städtebeschimpfungen

Die Städtebeschimpfungen von Thomas Bernhard konzentriert in einem Band
© Suhrkamp Verlag 2016

 

 

 

Thomas Bernhard, Städtebeschimpfungen.
Herausgegeben von Raimund Fellinger,
178 Seiten, Paperback, Suhrkamp Verlag 2016, 9,90 Euro.

 

 

Die Haßtiraden von Thomas Bernhard sind Legende. Menschen, Meinungen, Städte: nichts war vor den wüsten Beschimpfungen des österreichischen Schriftstellers sicher. Nun bringt Bernhards Verlag Suhrkamp ein Bändchen mit den gesammelten Beschimpfungen von Städten aus dem Gesamtwerk.


Traunstein? »Ein paar Schritte in diese Stadt hinein, und man sei schon beschmutzt, ein paar Wörter mit einem ihrer Einwohner gesprochen, und man müsse erbrechen«, schreibt Thomas Bernhard. Wien sei heute eine »durch und durch proletarisierte Stadt, für welche ein anständiger Mensch nurmehr noch Spott und Hohn und die tiefste Verachtung übrig haben kann«, resümiert der in Österreich lebende Bernhard. Mit Verve drüpiert er die Hauptstadt seiner Heimat: »Was in ihr groß oder auch nur beachtenswert gewesen ist, verglichen mit der übrigen Welt, ist längst tot, die Gemeinheit und die Dummheit und die mit diesen beiden gemeinsame Sache machende Scharlatanerie beherrschen heute die Szene«, diagnostiziert der in Holland geborene Künstler.

 

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Dez
20

Hamid Sardar – Dark Heavens

Hamid Sardar, Taipak’s wolves, Deloun Highlands, Olgii Province, Mongolia, 2009
Photo © 2016 Hamid Sardar. All rights reserved. www.hamidsardarphoto.com

 

 

 

Hamid Sardar – Dark Heavens.
Die Schamanen und Jäger in der Mongolei.
272 Seiten mit 121 Farb- und 26 Schwarz-Weiß-Photographien, gebunden mit Schutzumschlag, teNeues Verlag 2016, 79,90 Euro.

 

 

Seit dem Jahr 2000 begleitet der Photograph und Dokumentarfilmer Hamid Sardar Stämme bei ihren Wanderungen durch die Mongolei. Nach vier in der angelsächsischen Welt bewunderten Filmen veröffentlicht der teNeues Verlag nun zum ersten Mal ein Buch mit Photos der Mongolen.

 


Eigentlich wollte Hamid Sardar einen Katalog erstellen über die verschiedenen Arten der Menschen, die in der Mongolei noch nach jahrhundetalten Traditionen leben: Ihm schwebte eine Typologie vor der Schamanen, Geweihsammler und Eisangler. Doch dann erfasste ihn das spirituelle Einssein dieser Menschen mit der Natur und den Tieren.

 

 

Er spürte, wie wir Konsumbürger der Moderne von der Einheit mit dem Leben um uns herum völlig entkoppelt sind. So zog er in die Mongolei, um mit den Menschen ihr Leben tatsächlich teilen zu können und mit ihnen zu leben. Entstanden sind in diesen Jahren vier Dokumentarfilme, die vielfach preisgekrönt wurden und hunderte von Photos. Eine Auswahl von ihnen präsentiert nun das berührende Buch Dark Heavens.

 

 

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Dez
17

Armin-Mueller-Stahl – Die blaue Kuh

Zum ersten Mal als Buch: Die blaue Kuh
© Hatje Cantz 2016

 

 

 

Armin-Mueller-Stahl, Die blaue Kuh
48 Seiten mit 19 ganzseitigen Zeichnungen,
Hatje Cantz Verlag 2016, 19,80 Euro.

 

 

Armin Mueller-Stahl ist einer der wenigen echten Weltstars, die Deutschland hat. Dabei ist der weltweit angesehene Schauspieler vielmehr als das: Ausgebildeter Musiker, Komponist, Sänger, Schriftsteller und Maler. Zu seinem 86. Geburtstag am 17. Dezember 2016 erscheint ein Liebhaberdruck seiner Lied-Fabel Die blaue Kuh.


Geschrieben hat Armin Mueller-Stahl das Lied bereits 1952. Da lebte er noch in der DDR und besuchte die Schauspielschule. Die Ballade handelt von einer blauen Kuh, die sich irgendwann weigert zu fressen und immer Milch zu geben. Letztlich verschwindet sie einfach. Die sarkastische Ironie gipfelt in der Zeile: »Da wurde sie ganz mager, ganz klein, ganz hager.« Von den Zensoren wurde dies wohl nicht ganz zu unrecht interpretiert als Anspielung auf das damalige Politibüro-Mitglied Kurt Hager, – zuständig für die Kultur.

 

Gegenüber dem NDR erinnert sich Armin Mueller-Stahl: »Ich habe gedacht, dieses Lied will ich gerne komponieren. Ich will gerne eine Melodie dazu finden. Die Vorlage dafür, dass etwas verschwindet, ist einfach für eine Komposition ganz aufregend, ganz schön.«


Der kurze Text ist eigentlich nichts weiter als eine sprachlich leichte Fabel, – wie ein Kinderlied. Typisch für den Gentleman in der Revolte Mueller-Stahl: Anstatt das Lied umzudichten, wie man es ihm empfohlen hatte, legte er noch nach und sang bei Live-Auftritten: »Da wurde sie ganz mager und klein wie Hager.«


Der süffisante Text wurde jetzt vom Autoren selbst liebevoll bebildert. Der Liebhaberdruck erscheint in zwei verschiedenen Fassungen in Deutsch und Englisch.

 

 


Dez
12

We are Dandy

We are Dandy aus dem Gestalten Verlag
© Gestalten 2016

 

 

 

Rose Callahan, Nathaniel Adams, We are Dandy.
The Elegant Gentleman Around the World.
Gebunden, 304 Seiten mit zahlreichen Farbphotos, Gestalten Verlag 2016, 39,90 Euro.

 

 

Rose Callahan und Nathaniel Adams setzen ihre Portraits von außergewöhnlichen Gentlemen fort. Mit dem Bild- und Textband We are Dandy – The Elegant Gentleman Around the World erscheint die Fortsetzung von I am Dandy. Eine willkommene Nachhilfe für den ästhetisch orientierungslosen Mann in Zeiten allgemein akzeptierter Geld- und Karriere-Sucht.


Eine Warnung gehört an den Anfang. Bereits die großen Theoretiker des Dantytums wie Barbey d’Aurevilly und Charles Baudelaire haben betont, dass die Kleidung einen Dandy nicht ausmache. Gut oder gar auffällig gekleidet ist auch der Snob. Doch im Unterschied zu diesem ist der Dandy ein hochgradiger Individualist. Ihre Eleganz beruht auf einem geistigen Fundament.

 

Der Dandy lebt das Gentleman-Ideal mit jeder Faser seines Körpers. Deswegen kleidet er sich anspruchsvoll, individualistisch und geschmackvoll. Er will nicht auffallen. Er will sich nur von den Mediokren absetzen. Von den Karrieristen, Angestellten, von den Strebern, Politikern und all den anderen, die die Gesellschaft nicht bereichern, sondern nur benutzen.

 

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Dez
09

Total Records – Vinyl & Fotografie

Iain Macmillan, The Beatles, Abbey Road, 1969
© Apple Records

 

 

 

C/O Berlin zeigt ab dem 9. Dezember 2016 die Ausstellung Total Records – Vinyl & Fotografie mit etwa 500 LP-Covern und Vinyl-Schallplatten.

 

Präsentiert wird ein Querschnitt von den 1960er bis in die 2000 Jahre mit legendär gewordenen Plattenvovern, die Generationen von Musik-Fans begeistert und geprägt haben. Interessant dabei ist, dass viele zwar das Cover-Photo kennen, es schon unzählige Male gesehen haben, – aber nicht wissen, wer es photographiert hat. So staunt man in der wohl kuratierten Schau manches Mal, wessen Name auf dem Ausstellungs-Schild prangt.

 

 

 

Brian Duffy, David Bowie, aus Fashions, 1982
© BOW 100

 

 

C/O Berlin Foundation
Amerika Haus, Hardenbergstraße 22-24
10623 Berlin
Tel: (030) 284 44 16-0
www.co-berlin.org

 

 

Nov
28

Paul Klee und die Surrealisten

Giorgio de Chirico, Ritratto [premonitore] di Guillaume Apollinaire, 1914
© 2015, ProLitteris, Zurich

 

 

 

Paul Klee und die Surrealisten
Ausstellung im Zentrum Paul Klee, Bern
noch bis 12. März 2017.
Katalog im Hatje Cantz Verlag
400 Seiten mit ca. 380 Abbildungen, gebunden, 49,80 Euro (D.).

 

 

Die Beziehung des Malers Paul Klee zu den Surrealisten ist neu erforscht worden: Eine fulminante Ausstellung im Zentrum Paul Klee in Bern und das begleitende Katalogbuch leuchten bislang dunkle Ecken dieser schillernden gegenseitigen Befruchtung aus.

 


Am 14. September 1922 schrieb der französische Schriftsteller Louis Aragon, der später zu Weltruhm gelangen sollte, aus Berlin einen Brief an André Breton: »Ich werde vielleicht doch Klee sehen…«. Damit wollte er gegenüber dem Chef der französischen Surrealisten seine Hoffnung zum Ausdruck bringen, trotz einiger Widrigkeiten doch Werke des von ihm bewunderten Malers und Bauhaus-Künstlers sehen zu können.

 

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Nov
17

Michael Ruetz – The Family of Dog

© 2016 Michael Ruetz, Romeo und Julia
Book published by Steidl 2016

 

 

Michael Ruetz, The Family of Dog
144 Seiten, gebunden in Halbleinen, Deutsch/Englisch, Steidl Verlag 2016, 38,- Euro.

 

 

Michael Ruetz gehört in die Riege der großen deutschen Photographen. Bekannt geworden als Presse-Photograph, widmet er sich inzwischen intensiven Langzeit-Projekten. Jetzt erscheint bei Steidl The Family of Dog, – ein photo-ästhetisches Denkmal für seine und andere Hunde und vielleicht sein intimstes Buch.

 


Betrachtet man retrospektiv das bisherige Werk von Michael Ruetz, so ergibt sich eine Entwicklung vom eher Journalistisch-Dokumentarischen zum Grundsätzlichen. Allgemein bekannt wurde der 1940 in Berlin geborene Künstler durch seine Aufnahmen der Berliner APO. In den 1960er und 1970er Jahren bereiste er im Auftrag der Illustrierten Stern die DDR. Er war life beim Prager Frühling und dessen Niederschlagung dabei. Seine Photos aus Griechenland während der Militärdiktatur und aus Chile nach dem Wahlsieg Salvador Allendes prägten das kollektive Gedächtnis der alten Bundesrepublik.

 

 

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Nov
10

Vincent Peters – Personal

Photo © 2016 Vincent Peters. All rights reserved.

 

 

Vincent Peters, Personal.
240 Seiten, Hardcover
15 Farb- und 235 Duplex-Photographien
Text in Englisch, Deutsch und Französisch. teNeues 2016, 98 Euro.

 

 

Er spielt in der ersten Liga der Fashion- und Celebrity-Photographen. Und obwohl er ein Freelancer ist, lehnt er so manchen Auftrag ab, wenn er denkt seinem Anspruch dabei nicht gerecht zu werden. Vincent Peters arbeitet für die Sunday Times, Vogue und GQ. Große Marken wie Louis Vuitton, Miu Miu und Yves Saint Laurent gehören zu seinen Auftraggebern. Nun hat Vincent Peters mit Personal sein zweites Photobuch veröffentlicht.

 


Das trauen sich wirklich nicht viele freiberuflich tätige Photographen: Einen Auftrag nicht anzunehmen, weil sie von vornherein glauben, ihr selbst gestecktes Ziel nicht halten zu können. Vincent Peters benötigt einen Tag für ein gutes Portrait. Hat ein Super-Promi diese Zeit nicht, sondern wie die meisten nur maximal 45 Minuten, wird er wohl nicht von dem in Bremen Geborenen abgelichtet werden.

 

 

Photo © 2016 Vincent Peters. All rights reserved.

 

 

Personal ist sein zweites Buch. Es versammelt im Großformat 235 artifizielle Duplex-Aufnahmen und 15 Farb-Photographien. Die meisten sind noch nie zuvor veröffentlicht worden. Es macht Spaß, sie zu betrachten, kann man doch viele liebevolle Details finden. Der Betrachter fühlt sich wie ein verwöhnter Voyeur, für den die schönsten Models der Welt von sich eine intime, eine eher unbekannte Seite zeigen. Diese bettet Vincent Peters in ein kunstvolles Arrangement ein. Szenen, wie Filmstills aus Schwarz-Weiß-Filmen der 1960er Jahre.

 

 

Ein Buch zum sich Verlieben. Nicht nur in die Frauen, denen der Photograph eine Hommage widmet.

© Personal von Vincent Peters, erschienen bei teNeues, € 98,
auch als Collector’s Edition erhältlich

 

 
Zum Buch geht’s hier.
 


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