Mrz
16

55 Jahre Außer Atem

Das verliebte Pärchen im anarchistischen Sommer auf der Champs Elyseés. Gespielt von Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg.

 

 

Heute vor 55 Jahren, am 16. März 1960, hatte der französische Film Außer Atem (Im Original À bout de souffle) Premiere.

Der erste Spielfilm von Jean-Luc Godard machte seinen Hauptdarsteller Jean-Paul Belmondo schlagartig berühmt.

Heute ist der Film längst ein absoluter Klassiker der Nouvelle Vague.

Hier ein kurzer Ausschnitt mit unserer Empfehlung, sich den ganzen Film wieder einmal anzusehen.

 

 






Mrz
14

Grogor von Rezzori – Aphorismen des Dandys

Gregor von Rezzoris Männerfibel
© Photo: DANDY-CLUB

 

 

 

Wenn du Charakter und ein Schicksal haben willst, wenn du nicht kriechen willst unter der Bürde der Lebenden und Toten, so wirst du als ein Dandy leben müssen bis zur Verwechslung. Du wirst für einen Nichtsnutz und Müßiggänger gelten, denn du wirst dir die Zeit mit vielerlei Beschäftigung vertreiben und jene Arbeit meiden, unter der die Zeitgenossen stöhnen: die Arbeit des Atlas, die ganze Welt auf den Schultern zu tragen. Du wirst dich nicht – wie sie alle – überheben.

 

 

Sei lässig! Die Prophezeiung, daß es in hundert Jahren nur noch Verbrecher und Mönche geben wird, soll dich nicht anfechten: du wirst dann weder zu diesen noch zu jenen gehören. In der Weise, auf die du dich der Alternative entziehen wirst, liegt eine Ironie, die du zum Grundgefühl deines Lebens machen sollst.

 

 

Du wirst dich als ein Individualist gebärden müssen, obwohl es dir barock vorkommt, eine Selbstverständlichkeit zu unterstreichen. Aber alles Aufzeichenbare will stilisiert sein.

 

 

Dein Geschmack wird dir den Ruf eines Menschen eintragen, der nach ästhetischen Maßstäben lebt. Achte mit Vorsicht auf derartige Versuche, dich in Komlicenschaften hineinzuziehen. Man lebt ästhetisch in unserer Zeit, wenn man den lächerlichen Bibelot- und Whisky-Soda-Ästhetizismus der emporgekommenen Kolonialwarenhändler vermeidet.

 

 

Aus: Gregor von Rezzori, Männerfibel, Auszüge.

 

 

Mrz
11

Ernst Jünger – Gläserne Bienen

In neuem Gewand: Ernst Jüngers Gläserne Bienen
© Klett-Cotta 2014

 

 

Ernst Jünger, Gläserne Bienen. Roman.
Paperback, 147 Seiten, Klett-Cotta Verlag 2014, 14,95 Euro (D).

 

 

Ernst Jüngers Roman Gläserne Bienen ist in einer Neuausgabe als bibliophiler Paperback-Band erschienen. Ein schöner Grund der (Re-)Lektüre.


Richard ist eigentlich Rittmeister. Eigentlich weil er noch die Ehre hatte, in der Kaiserlichen Armee ausgebildet zu werden. Hier war das Regiment wesentlich strenger. Aber was man lernte, lernte man tatsächlich für das ganze Leben. Tugenden wie Zuverlässigkeit und Kameradschaft wurden einem eingebrannt. Das prägt für immer. Auch für das Leben außerhalb der Armee.

 

Eigentlich aber vor allem, weil es damit nun vorbei ist. All das romantisierende Erinnern bringt nichts. Denn nun ist Richard längst aus der Armee ausgeschieden – und sucht seit längerem Arbeit.  Doch ist dies nicht das einzige Problem, dass der Reaktionär (im Sinne Nicolás Gómez Dávilas) mit der neuen Zeit hat. Botho Strauß würde ihn einen Aus-der-Zeit-Gefallenen nennen.

 

Ein alter Kamerad der Leichten Reiter, Twinnings, empfiehlt ihn dem Unternehmer Zapparoni. Der ist ein ungeheuer erfolgreicher Geschäftsmann, Besitzer von riesigen Fabriken und Filmstudios. Bei ihm soll er arbeiten. Seine Charakterzüge könnten dem modernen Milliardär nützlich und willkommen sein.

 

Die Handlung der Erzählung ist nur der weite und dünne Rahmen. Die längste Strecke des Textes sitzt Richard im Garten von Zapparonis Privatvilla und sinniert über die neue Zeit, die da angebrochen ist. Es sind Reflexionen von großem Tiefgang, auf philosophischem Niveau. So überlegt Richard, der sich die ganze Zeit von Zapparoni beobachtet fühlt, welche Erwartungen dieser so ungeheuer erfolgreiche und vermögende Fabrikant an ihn wohl haben würde. Viele Gedanken spiegeln dabei eine Form von vorauseilendem Gehorsam, was Richard selbst sogleich merkt.

 

Die gläsernen Bienen sind maschinell hergestellte Roboter-Bienen, die die Arbeit der Tiere erledigen – nur wesentlich effektiver. So stellt Richard sich die Frage, ob nicht in absehbarer Zukunft alle Tiere und Pflanzen durch ‚effektivere‘ Maschinen ersetzt werden würden.

 

Die Erzählung kam erstmals heraus 1957 im Ernst Klett Verlag. Interessanterweise erschien die erste Taschenbuch-Ausgabe 1960 als rororo-Bändchen Nummer 385. In drei Auflagen brachte es diese Ausgabe damals auf stattliche 60.000 Exemplare.  Rowohlt zum Inhalt: »Die Auseinandersetzung des Individuums mit jener neuen, inhumanen Ordnung stößt über die kühle Diagnose hinaus zu einem visionär deutenden Entwurf der Welt von morgen vor.«

 

 

 





Mrz
01

An Gabriele d’Annunzio von Paul Valéry

Photokarte d’Annunzios mit eigenhändiger Widmung

 

 

Der DANDY-CLUB erinnert an Gabriele d’Annunzio (12. März 1863 in Pescara; † 1. März 1938 in Gardone) zu seienm 77. Todestag mit einem Brief-Auszug von seinem Freund und Schriftsteller-Kollegen Paul Valéry nach einem Besuch im Vittoriale, dem herrschaftlichen Refugium am Gardasee von d’Annunzio.

 

 

20. April 1924

»Lieber Du,

ich habe eine Art Flackern in der Seele, und dieses flüchtige Verweilen in Deiner Freundschaft ist jetzt ein terzo luogo für mich, der sich zwischen das Leben und die Sicht schiebt – der ein Gedanke und eine Empfindung, eine Vergangenheit und eine Gegenwart ist – der mir plötzlich die Dinge verhüllt, und der plötzlich von ihnen verhüllt wird (…)

 

Wir haben uns ein wenig berauscht daran, einander zu begegnen. Gibt es irgendetwas Süßeres, Bittereres, Tieferes, auch Wirklicheres? Das Wirkliche ist für mich immer das, dessen Bedeutungskraft sich niemeals erschöpft (…)

 

Laß mich, Bruder, vor Müdigkeit auf mein Bett fallen. Ich kann Dir nicht sagen, wie ich Deinen Empfang liebe, Deine ungeheure Kraft, Deine Person in ihrer Unbegrenztheit. Ich umarme Dich von ganzem Herzen (…)«

 

Dieser Brief ist erstmals in Deutsch veröffentlicht worden in Der Pfahl, Jahrbuch aus dem Niemandsland zwischen Kunst und Wissenschaft III, Matthes & Seitz Verlag, München 1989.





Feb
28

Rainer König – Berlinische Fragmente

Rainer König, Berlin-Charlottenburg, S-Bahnhof Savignyplatz 1966
© Rainer König

 

 

 

Die Berliner Collection Regard präsentiert als ihre 10. Ausstellung Berlinische Fragmente – Fotografien von Rainer König.

 

 

Der 1926 in Berlin geborene Rainer König studierte zwischen 1945 und 1952 an der damaligen Hochschule für bildende Künste Architektur. Während seiner anschließenden Tätigkeit als Architekt brachte er sich das Photographieren bei. Dieses Interesse wurde später auch ein Schwerpunkt seines Berufes als Professor für Ausstellungsgestaltung und Fotografie.

 

 

Seine Photos zeichnen sich aus durch äußerst klar komponierten Ausschnitt und Blickwinkel. Beeindruckend dokumentiert sein umfangreiches Werk die Veränderung des urbanen Raumes – vor allem in West-Berlin.

 

 

Rainer König, Berlin-Charlottenburg, Block 118 1975
© Rainer König

 

 


Die Aufnahmen, die noch nie zuvor öffentlich gezeigt worden sind, sind noch bis zum 23. April 2015 in Berlin-Mitte zu sehen.

 

 

Am 19.03.2015 um 19:30 Uhr wird ein Gespräch zwischen Rainer König und dem Fotohistoriker und  Kurator Janos Frecot stattfinden. Um Voranmeldung wird gebeten: info@collectionregard.com

 

 

Rainer König, Berlin-Schulzendorf, Haus Hannah Höch, „Rari“ 1978
© Rainer König

 

 

Collection Regard
Marc Baebey
Steinstraße 12
10119 Berlin
Tel: +49 (0)30 847 11 947 – Fax: +49 (0)30 847 11 948
Email: info@collectionregard.com – News and Press on Facebook

 

 

Feb
21

Robert Polidori

© Robert Polidori, Salle de L’Assemblé Constituante,
Salles des Peintures XIXE
Attique Chimay, Corps Central – Attique Chateau de Versailles, 2002

 

 

 

Eine Einzelausstellung mit großformatigen Werken von Robert Polidori präsentiert die Berliner Galerie Camera Work. Sämtliche beeindruckenden Photos werden zum erstenmal gezeigt.

 

Der Schwerpunkt der über 20 Photos liegt auf Robert Polidoris umfangreicher Dokumentation  der  Umbau-  und Restaurationsarbeiten im Schloss Versailles,  die er über einen Zeitraum von 25  Jahren intensiv photographisch begleitet hat.

 

Die Schau am Bahnhof Zoo präsentiert auch vier Unikate des Künstlers. Sie läuft bis 18. Apeil 2015.

 

Erst in der hier gezeigten wandfüllenden Größe offenbart sich Robert Polidoris Formensprache.  Der Betrachter kann sich verlieren in den dokumentierten Räumen, ob in Versailles oder Havanna. Sie sprechen von ihrer Vergangenheit, ihre Spuren zeugen von Geschichte an diesem Ort.

 

Der 1951 im kanadischen Montreal geborene Polidori ist ein Meister der dokumentarischen Photo-Poesie.

 

 

© Robert Polidori, Musée de Moulages Grandes Écuries – R.D.C.
Chateu de Versailles, 2007

 

 

 

© Robert Polidori, Havana Car Garage,
157 Avenida Brazil, Havana Vieja, Havana, Cuba, 1997

 

 

 

CAMERA WORK

Kantstr. 149, 10623 Berlin
T +49 (0)30 3100773
info@camerawork.de
www.camerawork.de
Di-Sa 11-18 Uhr CAMERA WORK

 

 

 

 

 

 

 






Feb
18

The Mini Story

Mini von Paul Smith, 1999
© BMW AG, München

 

 

The Mini Story.
Deutsch/ Englisch, 236 Seiten mit 332 Farb-Abbildungen, gebunden in schwarzes Leinen mit Schutzumschlag, Hirmer Verlag, München 2015, 49,90 Euro (D).

 

 

Der Mini ist nicht nur ein Auto. Er ist ein Lebensgefühl. Ein Bild- und Textband aus dem Hirmer Verlag feiert nun in großformatigen Tafeln und unendlich vielen Photos und Zeichnungen den kleinen Kultflitzer.

 


Die Übernahme von Rover, MG, Mini und Land Rover durch BMW im Jahr 1994 war keine Erfolgsgeschichte. Zu veraltet waren die britischen Autowerke, zu lange hatten die Traditionsmarken Autos gebaut, die ihren Ruf so stark beschädigten, dass mit diesen Namen kein Blumentopf mehr zu gewinnen war.

 

 

Weiterlesen »

Feb
12

Lenny Kravitz – Flash

© Flash by Lenny Kravitz, published by teNeues, www.teneues.com.
Photo © 2014 Lenny Kravitz. All rights reserved.

 

 

 

Lenny Kravitz, Flash.
96 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, ca. 50 Duplex-Photographien, teNeues 2015, 34,90 Euro (D).

 

 

Was macht man, wenn man durch seine Kunst das Interesse der Öffentlichkeit auf sich zieht? Dermaßen auf sich zieht, dass man sein Haus oder das Hotelzimmer nicht mehr verlassen kann, ohne von einer Meute Neugieriger bedrängt und photographiert zu werden? Mit seinem ersten Photo-Buch gibt der Rockstar Lenny Kravitz die Antwort: Man photographiert zurück.

 


Ganz neu ist die Idee nicht. Insbesondere Künstler, die sich in ihrem Werk auch mit den Medien und der durch sie geschaffenen Realität auseinandersetzen, haben irgendwann damit begonnen, zurückzuschießen. Wir denken zuerst natürlich an den großen Erneuerer und Provokateur der modernen Kunst, Andy Warhol. Aber auch Rainald Goetz: vor Lesungen, vor öffentlichen Auftritten, wenn die Journalisten ihn belagern, hat er es sich zum Ritual gemacht, einen Schritt zurückzutreten und den Photographen den Spiegel vorzuhalten, indem er sie portraitiert.

 

 

Lenny Kravitz ist ein Weltstar: ein Vierteljahrhundert im Musikbusiness, zehn Studioalben, insgesamt 38 Millionen verkaufte Tonträger. Buff. So einer wird bei Wetten daß… eingeladen. So einer kann nicht mehr unerkannt auf die Straße gehen.

 

 

© Flash by Lenny Kravitz, published by teNeues, www.teneues.com.
Photo © 2014 Lenny Kravitz. All rights reserved.

 

 

So hat er vielleicht aus einer gewissen Genervtheit ein Stilmittel gemacht. Er selbst nennt es in seinem Photo-Buch Flash so: »Through turning the lens back on them, I have indirectly taken a deeper look at myself and the surreal world that I live in when on the road.«

 


Flash versammelt knapp 50 Schnappschüsse, die Lenny Kravitz von ihn photographierenden Leuten auf Tour machen konnte. Er photographierte sie mit einer Leica. Dass die Photos ausschließlich in Schwarz-Weiß sind, verleiht den Aufnahmen und dem Buch eine Ästhetik fern von jeder Effekthascherei.

 

 

 


Feb
07

Man Ray – Human Equations

Arnold Newman, Man Ray, Vine Street,
Hollywood, June 13, 1948.
Arnold Newman Archive, Harry Ransom
Center, The University of Texas at Austin

 

 

Man Ray – Human Equations.
A Journey from Mathematics to Shakespeare.
Ausstellung The Phillips Collection Washington D.C. 7. Februar – 10. Mai 2015.
Katalog Hatje Cantz 2015, 238 Seiten mit 248 Abbildungen, Englisch, 39,80 Euro (D).

 

 

Dass Man Ray nicht nur surrealistischer Photograph war, sondern auch Filmregisseur, Maler und Objektkünstler, ist mittlerweile bekannt. Eine Ausstellung in Washington zeigt den Anstoßgeber der Moderne nun als Suchenden, der inspiriert von Shakespeare und mathematischen Modellen ein Leben lang experimentierte und keinerlei Genregrenzen kannte.


Man Ray (1890-1976) gilt heute als bekanntester, vielleicht sogar bedeutendster surrealistischer Photograph. Schon in den 1920er Jahren sah der 1921 nach Paris gezogene Amerikaner das neue Medium in anderen Facetten denn als reines wissenschaftliches oder journalistisches Dokumentationsmittel. Durch seine Experimentierfreude und seinen künstlerischen Mut wurde er immer häufiger mit Portraits beauftragt. So schuf er im doppelten Wortsinn ein Bild des mondänen Paris der Zwanzigerjahre.

 

Weiterlesen »

Feb
07

Hiroshi Sugimoto -Conceptual Forms

Hiroshi Sugimoto, Surface of Revolution with
Constant Negative Curvature
(Conceptual Form
0010), 2004.
Collection of the Artist, New York

 

 

Hiroshi Sugimoto -Conceptual Forms and Mathematical Models.
Ausstellung The Phillips Collecton Washington D.C. 7. Februar – 10. Mai 2015.
Katalog Hatje Cantz 2015, Einleitung von Hiroshi Sugimoto, Englisch, 96 Seiten mit 48 Abbildungen, 35 Euro (D).

 

 

Hiroshi Sugimoto ist einer der weltweit stilprägenden Photokünstler. Seine enigmatischen Photo-Kunstwerke beeindrucken durch ihre radikale Einfachheit und Klarheit. Am 7. Februar 2015 eröffnet in der Washingtoner Phillips Collection eine Ausstellung mit seinen Aufnahmen von mathematischen Modellen, die begleitet wird von einem Katalogbuch, das diese Serie in ihren kunsthistorischen Kontext stellt.


Der 1948 in Tokio geborene Photograph gilt schon lange als Meiser der photographischen Essenz. Seine Werke gelten als Ikonen der Verkörperung eines angestrebten Ideals, des Strebens den physikalischen Grundlagen des Raumes auf die Schliche zu kommen. Bereits Sugimotos Serien von Wachsfiguren erschütterten in ihrer realistischen Präsenz und ließen unsere Wahrnehmung fragil werden. In der Serie Theaters schuf Sugimoto weiß strahlende Kinoleinwände, die wirkten wie Abbilder von Altaren. Die Dioramas waren Photos von Schaukästen aus naturwissenschaftlichen Sammlungen und vor Jahrtausenden ausgestorbener Tierarten in unwirklicher Natur. Ihre extreme Belichtung verbunden mit dem hochwertigen Schwarz-Weiß-Druck lassen die Vergangenheit real werden und uns Heutige erschaudern. Was ist der Schoß der Welt?

 

 

Weiterlesen »

Ältere Beiträge «

» Neuere Beiträge