«

Aug
05

Aleksandr Puškin – Ibrahim und Zar Peter der Große

Pyotr Sokolov: Aleksandr Puškin





Aleksandr Puškin – Ibrahim und Zar Peter der Große
Vormals: Der Mohr Peters des Großen
Friedenauer Presse, Wolffs Broschur, 95 S., 2021, 18 Euro.





Aleksandr Puškin (1799-1837), posthum zum russischen Nationaldichter ernannter Autor von Weltrang, hatte einen afrikanischen Urgroßvater. Hannibal wurde als Achtjähriger verschleppt und nach Konstantinopel gebracht. Puškin widmete ihm einen Roman – der allerdings ein Fragment blieb.



Dass sich Puškin für seinen Urgroßvater interessierte, kann nicht verwundern. Schließlich war sein eigenes recht kurzes Leben ebenfalls reich an Abenteuern und heute skurril wirkenden Verwicklungen. Und über Hannibals Schutzpatron Peter I. verfasste er mehrere ausführliche Versdichtungen und eine historisch genaue Chronologie, die jedoch nie in Deutsch erschien.


Abram Petrovic Hannibal wurde mit acht Jahren aus Afrika verschleppt und nach Konstantinopel verbracht. Dort wurde er vom russischen Gesandten freigekauft und Zar Peter I. als Geschenk geschickt. Peter der Große nahm ihn als Patensohn an und ließ ihn taufen. Als Hannibal 18 Jahre alt ist, schickt ihn der Zar nach Frankreich, um dort eine militärische Ausbildung zu absolvieren. Dort geht Hannibal eine Beziehung zu einer Gräfin ein, aus der ein Kind entsteht. Um keine Probleme zu bekommen, lässt die Adlige das Baby gegen ein weißes austauschen. Im Rang eines Leutnants der französischen Armee kehrt er an den Zarenhof zurück.


Hannibal verlässt Paris und seine Geliebte, ohne sich von ihr zu verabschieden. Er sieht in dieser Beziehung keine Zukunft und gibt dem Drängen des Zaren nach, der ihn bei sich wünscht. Wieder zurück in St. Petersburg will ihn Peter der Große mit der Tochter eines Bojaren vermählen. Die junge Frau weigert sich und lässt verkünden, sie würde lieber sterben, als mit einem „Mohr“ vermählt zu werden.


In Puškins Romanfragment wird aus Hannibal Ibrahim. Ansonsten hält sich der Nachfahre wohl weitgehend an die historischen Gegebenheiten. Einem Freund gegenüber äußerte Puškin, die Hauptperson des Romans solle sein Urgroßvater Hannibal sein. Die wesentliche Handlung sollte die Intrige um die Verleugnung seines Kindes durch die Mutter darstellen.


Die Friedenauer Presse wiederveröffentlicht Ibrahim und Zar Peter der Große, das vormals im Deutschen nach dem Original-Manuskript betitelt wurde als Der Mohr Peters des Großen in der erstmals 1999 erschienenen Übersetzung von Peter Urban in bibliophiler Wolffs Broschur. Hilfreich sind die Anmerkungen des Übersetzers nebst einer kurzen Historie der Veröffentlichungs-Geschichte.

© Matthias Pierre Lubinsky 2022