Sep
02

Andreas von Maltzan – Licht

Andreas von Maltzan, Red Bavaria, Munich, 2010
Photo © 2015 Andreas von Maltzan. All rights reserved. www.maltzan.de
Aus dem Buch Licht, teNeues Verlag 2015

 

 

Andreas von Maltzan, Licht.
192 Seiten mit 130 Farbphotographien, teNeues Verlag 2015, 98 Euro (D.).

 

 

Andreas von Maltzan ist ein erfolgreicher Werber. Um dies sein zu können, muss er die Welt in ihrer vielfältigen Schönheit wahrnehmen – und darstellen können. Nun erscheint ein Photoband mit beeindruckenden Photographien: Licht.

 

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Aug
29

Toulouse-Lautrec und die Photographie

Maurice Guibert, Lautrec porträtiert Lautrec, um 1894
© Beaute, Réalmont; Photographe David Milh

 

 

 

 

Toulouse-Lautrec und die Photographie
Ausstellung im Kunstmuseum Bern 28. August – 13. Dezember 2015.
Katalog im Hirmer Verlag, 280 Seiten mit 300 Abbildungen, geb., 49,90 Euro (D).

 

 

Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901) gilt heute als einer der bedeutendsten Künstler am Ende des 19. Jahrhunderts. Bisher wenig berücksichtigt wurde, wie stark die Photographie sein Werk beeinflusste. Eine Ausstellung im Kunstmuseum Bern fokussiert nun erstmals Toulouse-Lautrec und die Photographie.


Das ist schon erstaunlich. Der kleinwüchsige Maler, der nur zehn Jahre Zeit hatte, professionell zu malen, gehört heute zu den teuersten der Welt. Seine Bilder erzielen Rekorderlöse, Ausstellungen seiner Werke sind in Museumskreisen als sogenannte Blockbuster bekannt.

 

Dennoch hat man sich bislang kaum mit seinem Verhältnis zur Photographie, dem damals noch recht neuen Medium beschäftigt. Dabei hat das Nutzen der Photographie des Kleinwüchsigen zwei für sein gesamtes Œuvre essentielle Seiten gehabt. Zum einen hat er Photos genau studiert und häufig als Vorlagen für seine Gemälde gewählt. Die Ausstellung in Bern zeigt erstmals umfassend anhand von vielen Beispielen, welche photographischen Motive Lautrec inspirierten und was er daraus machte. Wirklich faszinierend ist es zu betrachten, wie aus der Photovorlage von seinem Modell Carmen, die den Blick nach rechts wendet und dem Photographen so ihr Profil zeigt, das Gemälde-Portrait Rothaariges Mädchen, Carmen wird. – Das Gesicht ist identisch; nur die Haare sind voller und die Körperhaltung anders.

 

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Aug
28

Cocteau trifft Picasso

Jean Cocteau, Profil mit Eiffelturm, 1958,
Collection Ioannis Kontaxopoulos © Comité Cocteau/VG Bild-Kunst, Bonn 2015

 

 

 

Cocteau trifft Picasso.
Ausstellung im Picasso-Museum Münster bis 18. Oktober 2015.
Katalog im Hirmer Verlag, 240 Seiten mit 250 Abbildungen, geb., 45 Euro (D).

 

 

Pablo Picasso und Jean Cocteau verband eine gegenseitig befruchtende, 50 Jahre währende Freundschaft. Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums ihres Kennenlernens zeigt das Picasso-Museum in Münster bis zum 18. Oktober 2015 eine furiose Ausstellung, die diese Beziehung thematisiert.


Der Multikünstler Cocteau war auf Picasso neugierig. Er besuchte den spanischen Maler im Herbst 1915 in seinem Pariser Atelier. Dies sollte ab sofort das Schaffen der beiden Ausnahmetalente beeinflussen. Sie tauschten sich intensiv aus, reisten zusammen und arbeiteten gemeinsam. Bereits im Mai 1917 wurde das Ballett Parade in Paris uraufgeführt: Cocteau hatte das Libretto geschrieben und Picasso kubistisch inspirierte Kostüme und das Bühnendekor entworfen. Das völlig neuartige Stück wirkte auf das Publikum befremdlich und sorgte so – sicher nicht ohne Berechnung seiner Schöpfer – für einen Skandalerfolg.

 

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Aug
23

Karl Lagerfeld – Casa Malaparte

Karl Lagerfeld, Casa Malaparte
© Karl Lagerfeld 2015. Book published by Steidl

 

 

 

Karl Lagerfeld, Casa Malaparte.
56 Seiten, geb. in Leinen mit Leseband und Schutzumschlag, Steidl Verlag, Göttingen 2015, 2. Auflage, 34 Euro (D).

 

 

Ein Photo-Buch der Superlative ist wieder lieferbar. Karl Lagerfeld photographierte im November 1997 die Casa Malaparte. Die Villa hatte sich der Schriftsteller Curzio Malaparte entworfen. An einem Ort, an dem sonst niemand eine Baugenehmigung bekam. Das legendäre Photo-Buch ist bei Sammlern so begehrt, dass es kaum in Antiquariaten auftaucht. Nun bringt der Steidl-Verlag eine Neuausgabe heraus.

 

Casa Malaparte. Allein das Objekt der Photos ist eine Legende. Der italienische Schriftsteller Curzio Malaparte (1898-1957) entwarf sich eine Villa, die aufgrund des Grades ihrer Ästhetik als zeitlos-schön bezeichnet werden kann. Inspiriert von der architektonischen Moderne und dem Bauhaus, hat sie dennoch ihren ganz eigenen Stil. Sie ist großzügig, lichtdurchflutet und vermittelt Bewohnern wie Besuchern Kontakt zur rauen Natur, in die sie gestellt ist. Allein das Wohnzimmer hat etwa 100 Quadratmeter und lässt so kein Gefühl von Enge aufkommen. Die Dachterrasse vermittelt einen atemberaubenden Blick auf die stürmische See. Ihr Betreten flößt Respekt ein, verfügt sie doch über keinerlei Geländer.

 

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Aug
16

Muhammad Ali

© Thomas Hoepker, Ali praying in the ring, London 1966

 

 

 

Die Berliner Photogalerie Camera Work zeigt die Ausstellung Muhammad  Ali. Die Gruppenausstellung präsentiert 70 der berühmtesten Aufnahmen aus der gesamten Karriere von Cassius Clay, der seinen Namen 1964 änderte.

 

Vom 15. August bis zum 10. Oktober 2015 sind die Photos von Elliott  Erwitt,  Volker  Hinz, Thomas Hoepker, Carl Fischer, Neil Leifer, Flip Schulke, Steve Schapiro, Albert Watson und anderen weltbekannten Photographen zu sehen.

 

»Ich weiß nicht immer, wovon ich rede. Aber ich weiß, dass ich recht habe.«
Muhammad Ali

 

CAMERA WORK ⋅ Kantstraße 149 ⋅ 10623 Berlin
Öffnungszeiten: Dienstag – Samstag ⋅ 11 – 18 Uh.

 

 

 

© Thomas Hoepker, Ali walking in gym, Chicago, 1966




Aug
14

Wim Wenders – Happy Birthday!

Wim Wenders 2008
© Thiago Piccoli/ Flickr

 

 

Der DANDY-CLUB gratuliert Wim Wenders zum Geburtstag. Der genialische Filmemacher und Photograph wurde am 14. August 2015 in Düsseldorf geboren und hat seitdem mit seinen herausragenden Filmen die Welt erobert.

Ob Paris – Texas, Der Himmel über Berlin oder Buona Vista Social Club, die meisten seiner mittlerweile 30 Filme sind wahrhafte Meisterwerke, in denen das Kino und seine grandiosen Regisseure jeweils eine Hauptrolle spielen.

 

Chapeau & merci beaucoup, Wim Wenders!

 

‘Wim Wenders in 4 Minuten’ von arte:



Aug
08

Sepp Werkmeister – New York 60s

Sepp Werkmeister, Times Square, 1967
© Kulturkontor/Sepp Werkmeister

 

 

 

Sepp Werkmeister – New York 60s
Ausstellung des Münchner Stadtmuseums
31. Juli bis 27. September 2015.
Katalog im Hirmer Verlag, 128 Seiten mit 60 Abbildungen, geb., Leseband, München 2015, 24,90 Euro (D).

 

 

Sepp Werkmeister war über Jahrzehnte einer der bedeutendsten Jazz-Photographen aus Deutschland. Unzählige Platten-Cover, Bücher und Plakate erhielten ihr Gesicht durch seine Aufnahmen. Das Münchner Stadtmuseum zeigt nun in einer Ausstellung die Street Photography des 1931 in München Geborenen aus dem New York der 1960er und 70er Jahre.


Sepp Werkmeister hatte zwei Leidenschaften – und verstand es, sie miteinander zu verbinden. Er war leidenschaftlich an der Photographie interessiert. Und er hatte eine ebenso große Liebe zum Jazz. Da er sich als Musiker nicht als talentiert genug ansah, konzentrierte er sich nach einem kurzen Versuch am Kornett aufs Photomachen.

 

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Jul
27

Alvin Langdon Coburn – Auf der Suche nach der Schönheit

Alvin Langdon Coburn, Selbstportrait 1905

 

 

 

Alvin Langdon Coburn, Auf der Suche nach der Schönheit.
Schriften zur Photographie.
Wilhelm Fink Verlag, München 2015, 379 Seiten, Ppb., 49,90 Euro (D).

 

 

Alvin Langdon Coburn (1882-1966) ist in der Photographie-Geschichte ein großer Name. Mit sieben Jahren begann er zu photographieren. In den 1920er Jahren war er bedeutender Mitstreiter von Alfred Stieglitz‘ epochaler Zeitschrift Camera Work. Er portraitierte berühmte Künstler dieser Zeit und setzte sich dafür ein, die Photographie als eigenständige Kunstform anzusehen. Sein Gesamtwerk erscheint nun erstmals in Deutsch in einem Band.


Für Alvin Langdon Coburn schien es eine Familiensache zu sein. Einer seiner Vorfahren stammte aus Lacock, just dem kleinen englischen Ort, in dem 200 Jahre später die Papierphotographie erfunden wurde. Und die Geburt in eine vermögende Familie verbunden mit dem frühen Tod seines Vaters gab Coburn die Freiheit, seinen Interessen zu folgen.

  

Dabei half dem jungen Mann sein Geschick, an die Menschen heranzukommen, die er portraitieren wollte und auch sein Talent der Selbstvermarktung. Für die Photographie waren es Photokünstler wie Stieglitz und Coburn, die zum einen mit künstlerischem Anspruch photographierten. Zum anderen gaben sie dieser neuen Technik ein Theorie-Gerüst durch eigene Zeitschriften, Bücher und Aufsätze, in denen sie sich auf kunst-philosophischer und historischer Ebene mit dem revolutionären Medium auseinandersetzten.

  

1913, als die Photographie allgemein noch längst nicht als Kunst angesehen wurde, schrieb Coburn in einem Aufsatz: »Heutzutage verfügen wir über ein Instrument, das eine perfekte Darstellung der Natur ermöglicht, und das in einem Grad, der einem primitiven Menschen wie übernatürliche Kräfte erscheinen mag. In Gegenwart der Kamera werden wir Zeugen der Angst, welche die amerikanischen Indianer, die Wasserträger der Wüsten Nordafrikas und andere unzivilisierte Völker im Angesicht der Kamera empfinden. Sie fürchten den bösen Blick oder ängstigen sich gar, der magische Kasten könnte ihre Seele einfangen, oder sie entwickeln andere äußerst phantasievolle Vorstellungen […] Denn die Kamera hat wirklich etwas Magisches an sich, und wie vertraut man auch mit ihrer inneren Arbeitsweise sein mag, erscheint es einem doch immer ein wenig unverständlich, wie sie einen Teil der Natur, dessen Abbild durch das dem Auge nachempfundene Objektiv huscht, dauerhaft auf eine empfindliche Oberfläche einzuprägen vermag«.

  

Der Wilhelm Fink Verlag bringt in seiner niveauvollen Reihe Photogramme unter dem Titel Auf der Suche nach der Schönheit sämtliche Texte von Alvin Langdon Coburn zur Photographie erstmals in deutscher Sprache. Reizvoll allein ist die Autobiographie Coburns, in der er auf charmant-selbstbewusste Art sein Leben mit dem Großwerden der Photographie verbindet. Das stattliche Paperback enthält auch die bislang schwer zugänglichen Aufsätze Coburns, in denen er sich mit Facetten der Photographie beschäftigt. Dutzende von Photos runden das gelungene Buch ab, für das durchaus ein höherer Preis gerechtfertigt gewesen wäre.

  

 

 

 


Jul
22

Georg-Büchner-Preis für Rainald Goetz

Rainald Goetz nach seiner Antrittsvorlesung für den Heiner-Müller-Lehrstuhl 2012
© DANDY-CLUB 2012

 

 

Wir gratulieren dem Schriftsteller Rainald Goetz zum Georg-Büchner-Preis 2015!

 

Auch wenn der DANDY-CLUB von der Flut der Literaturpreise nicht überzeugt ist: Der Georg-Büchner-Preis von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung gilt als höchste Auszeichnung in deutscher Sprache.

 

Und Rainald Goetz hat ihn verdient. Congratulations und weiter so, Beobachter des tagtäglichen Wahnsinns!

 

Die Zeit hat dazu einen schönen Satz aus seinem Werk zitiert, der die gegenwärtigen Philister charakterisiert:

»Diese rattig auf Schläue angelegten Typen entwickeln eine besonders effektive Wendigkeit am Arbeitsplatz, machen Karriere, weil sie die Regeln des Sozialen auf ihren eigenen Vorteil hin kalt belauern und unirritiert von allem Seelischen, Meschlichen und Zwischenmenschlichen nur für sich selbst ausnützen und ihre eigene Tiefenamputiertheit und Hohlheit, ihren perfekten Zynismus als Professionalität bezeichnen.«

 


 





Jul
19

Jón Gnarr – Indianer und Pirat

Der erste Teil der Autobiografie des ehemaligen Bürgermeistres von Reyjkjavik
© Tropen 2015

 

 

 

Jón Gnarr, Indianer und Pirat. Kindheit eines begabten Störenfrieds.
253 Seiten, gebunden, Tropen 2015, 18,95 Euro (D.).

 

 

Jón Gnarr ist bekennender Anarchist, hat keinen Schulabschluss und es trotzdem zum Bürgermeister von Reykjavik geschafft. Sein Bericht darüber hat der DANDY-CLUB ausführlich gewürdigt. Nun legt Jón Gnarr den ersten Teil seiner Autobiografie vor.


Das Buch beginnt so: »Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Die Erde aber war wüst und leer. Finsternis lag über dem Abgrund, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Da sprach Gott: ‚Es werde Licht!‘ Und es ward Licht. Das war am 2. Januar 1967, mittags kurz nach zwölf.«


Es war die Geburtsstunde von - Jón Gnarr. In berührender Offenheit schildert der rothaarige Anarchist seine Kindheit, die alles andere als lustig war. Wie andere begabte und grundehrliche Naturen, wurde der junge Jón in der Schule vor allem eines: drangsaliert. So ist es sicher kein Zufall, dass Jón Gnarrs Bücher in Deutsch bei Klett-Cotta (Tropen) erscheinen, dem Verlag von Ernst Jünger. Jünger, einer der bedeutendsten deutschen Chronisten des 20. Jahrhunderts, hatte ebenfalls in der Schule ungeheure Probleme.  Wir alle wurden dem Mittelmaß der Lehrer ausgeliefert.

 

Jón Gnarr entdeckte in sich früh den Punk. Punk als konsequente Revolte gegen die verlogene und falsche Welt der Erwachsenen. »Ich glaubte nicht mal die Hälfte von dem Schwachsinn, den sie uns erzählten. Ich sah keinerlei Sinn darin, Mathematik oder Dänisch zu lernen. Und mir war scheißegal, was die anderen von mir dachten. Ich hatte beschlossen, mich nicht mehr von anderen definieren zu lassen. Der Punk befreite mich von all diesen überhöhten Erwartungen, mit denen die Schule und meine Eltern mich konfrontierten.«


So verlief seine Schullaufbahn wenig erfreulich. Letztlich waren die Lehrer eher froh, wenn Jón gar nicht erst auftauchte, dann konnten sie ihren Unsinn ungestört von sich geben. Häufiger sei er aus dem Unterricht schlichtweg rausgeflogen. Süffisant ist eine Anekdote aus dem Religionsunterricht. Als seine Klasse einen neuen Religionslehrer bekommen habe, »ein arroganter, unsympathischer Typ«, setzte sich der Nachwuchspunk zu Wehr, indem er die Schöpfungsgeschichte in Frage stellte und auf den Biologie-Unterricht verwies, wo nur wenige Stunden zuvor die Abstammung des Menschen vom Affen nach Darwins Evolutionstheorie gelehrt worden war. Jón Gnarr erzählt: »Als ich wissen wollte, ob Hitler an Jesus geglaubt habe, musste ich zum Rektor.«


»Jón zog es dann über mehrere Jahre zum Bahnhof, wo er sich mit anderen jungen Punks und einer Reihe von Obdachlosen eine bestimmte Ecke teilte.

 

Doch auch hier war Jóns Problem, dass keiner von den anderen Pseudopunks seinen  Anspruch an intellektueller Auseinandersetzung teilte. Sie gaben sich zwar äußerlich als Punks, berichtet Jón Gnarr, er aber sei der einzige gewesen, der Bücher dabei gehabt hätte und mit ihnen über Punk als Lebenseinstellung habe sprechen wollen.

 

Jón Gnarrs Erinnerungen sind in ihrer grundehrlichen Offenheit ein erschütterndes Dokument darüber, wie eine Gesellschaft uns alle einnordet und letztlich klein macht. So lange, bis wir funktionieren.

 

 




 

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