Aug
12

Hans Christian Andersen – Reise im Ballon

Andersens schöne Gedichte auf vorgegebene Reime zum ersten Mal in Deutsch





Hans Christian Andersen: Reise im Ballon
Übersetzt durch Peter Urban-Halle.
128 Seiten, gebunden, L.S.D. Verlag 2019, 14,80 €.




Hans Christian Andersen verfasste Dutzende von Bouts-rimés, Gedichte nach vorgegebenen Endreimen. Nach der Entdeckung von Karl Lagerfeld (ⴕ) erscheinen sie nun erstmals auf Deutsch.




Bouts-rimés, also Gedichte, die nach vorgegebenen Endreimen geschrieben wurden, waren in den gebildeten Kreisen Europas im 17., 18. und 19. Jahrhundert ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Insbesondere bei gesellschaftlichen Anlässen wurden Poeten oder andere belesene Adlige dazu aufgefordert, innerhalb kürzester Zeit auf vorgegebene Endreime intelligent und unterhaltsam zu reimen.



Hans Christian Andersen (1805-1875) ist noch heute der bekannteste Schriftsteller Dänemarks. Doch neben seinen berühmten Märchen verfasste er auch Dutzende Bouts-rimés, die bislang allerdings einer breiteren Öffentlichkeit verborgen blieben. Gern luden die dänischen Adligen Andersen ein, um sich von seinen Reimen nach ihren Vorgaben köstlich unterhalten zu lassen. Jedoch ging es den Gastgebern – anders als diese Aufgabe in Frankreich zelebriert wurde – nicht nur um Unterhaltung. So erwartete der Herzog von Augustenburg, der ein aktiver Förderer des Dänentums in Nordschleswig war, von Andersen, dass er die Gegend als dänisch beschreibt und in seinem Gedicht die Dänen dazu auffordert, sie zu besuchen.



Zu verdanken sind siebzig der knapp neunzig in Reise im Ballon gedruckten Gedichte dem Andersen-Enthusiasten Jørgen Skjerk, der sie im Rahmen einer zwanzigjährigen Durchforstung der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen fand. Ein weiteres kleines und feines bibliophiles Sahnestück des L.S.D. Verlags!



Als Kostprobe das Gedicht, das dem wohlfeilen Büchlein seinen Titel gab:


REISE IM BALLON

Er flog im Ballon mit seinem Hund,
Über die Stadt und bewaldeten Grund,
Im Schlossturm saß sein Schatz auf dem Quivive,
Sein Fallschirm sank zu ihr mit einem Brief,
Und oben im Korb klang es in seinem Ohr,
Flieg, Engel, flieg! Wie süß kam’s ihm vor.

Aug
05

J. M. W. Turner – Skizzenbuch Wolken

Die originalgetreue Reproduktion von Turners Skizzenbuch erscheint anlässlich der Ausstellung im Kunstmuseum Luzern









J.M.W. Turner: Wolken
Das Skizzenbuch „Skies“
Mit einer Einleitung von David Blayney Brown.
152 Seiten mit 144 farbigen Abbildungen,
gebunden in Leinen mit eingelassenem Frontbild,
Hirmer Verlag 2019, 29,90 €.





J. M. W. Turners Wolken – Das Skizzenbuch Skies ist die originalgetreue Reproduktion eines graphischen Notizbuches des bedeutenden englischen Malers. Es erscheint im Rahmen der grandiosen Ausstellung Turner – Das Meer und die Alpen, die noch bis zum 13. Oktober 2019 läuft.




Die außergewöhnliche Ausstellung Turner – Das Meer und die Alpen im Kunstmuseum Luzern wird von gleich drei bibliophilen und sehr gelungenen Büchern aus dem Münchner Hirmer Verlag begleitet. Für Kunstliebhaber, Büchersammler und Connaisseurs, die stets auf der Suche nach dem Besonderen sind, sind die beiden Skizzenbücher ein bibliophiler Hochgenuss. Neben dem hier bereits vorgestellten Luzerner Skizzenbuch gibt nun auch das Skizzenbuch SkiesWolken einen authentischen Einblick in das Schaffen eines der größten Maler der Moderne.




Die Reproduktion dieser Skizzenbücher ist aufschlussreich. Denn durch sie lässt sich nachvollziehen, wie Turner seine Sujets entwickelte, Motive sammelte und Gesehenes und Wahrgenommenes für sein weiteres Werk nutzbar machte.




Die genaue Entstehungszeit des Skizzenbuchs Skies ist nicht überliefert. Der Maler ordnete es mit dem Vermerk der Nummer 79 direkt hinter einem anderen ein, das er im Jahr 1816 gefüllt hatte. Indes scheint das tatsächliche Entstehungsjahr von sekundärer Bedeutung. David Blayney Brown erläutert in seiner der Reproduktion vorangestellten Einleitung, wie sich Techniken der Himmelsskizzierung aus diesen Entwürfen in späteren – teils bahnbrechenden – Bildern des Meisters wiederfinden.




So lässt diese äußerst gelungene Reproduktion den Interessierten 200 Jahre später nachverfolgen, wie der später weltberühmte Turner, der nicht nur von den Romantikern seiner Epoche hoch verehrt worden ist, seine sublime Wahrnehmung in subtile Gemälde transformieren konnte.




Das wunderschöne Buch enthält auf 152 Seiten 144 farbige Abbildungen. Das schwere beigefarbene Papier, die hochwertige Bindung und nicht zuletzt der Leineneinband mit eingelassenem Frontbild machen es nicht nur für Liebhaber der klassischen Malerei zu einem wohlfeilen Sammlerstück, das man an langen Winterabenden genussvoll zur Hand nehmen wird.




Jul
29

Matteo Neri – Baudelaire

Matteo Neris Studie ist nun das Standardwerk über Baudelaire






Matteo Neri: Baudelaire – Die Legende
342 Seiten mit Abbildungen, Paperback.
Verlag Königshausen & Neumann 2019, 34,80 €.






Matteo Neris Buch Baudelaire – Die Legende kommt bescheiden daher. Auch der Untertitel sorgt eher für Verwirrung. Dabei handelt es sich bei dem umfangreichen Werk um nichts Geringeres als das nun bestimmende Standardwerk der Sekundärliteratur zu dem französischen Dichter.





Die Deutschen haben offenbar ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Charles Baudelaire (1821-1867). Zwar ist sein Name allgemein bekannt. Walter Benjamin hat von ihm geschwärmt, Texte erstmalig ins Deutsche übertragen. Ernst Jünger hielt ihn für den wichtigsten Erneuerer der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Es dauerte hingegen bis 1975, als der kleine Heimeran Verlag mit der ersten vollständigen Werkausgabe in Deutsch begann. Diese war auf acht Bände geplant, wobei chronologisch Briefe integriert wurden. Allerdings ging der Verlag zwischenzeitlich Konkurs; Hanser hat das große Vorhaben dann zu Ende geführt.





Inzwischen sieht es etwas besser aus: Die achtbändige Werkausgabe hat auflagenstarke und preisgünstige Nachdrucke erfahren. Die Blumen des Bösen, Der Spleen von Paris und eine Essay-Sammlung unter dem Titel Wein und Haschisch liegen seit Kurzem in grandiosen Neuübersetzungen vor. Verwunderlich jedoch, dass erst im Jahr 2019 Matteo Neri mit Baudelaire – Die Legende nach einzelnen biographischen Studien die erste Biographie vorlegt.





Matteo Neris Buch ist gelungen, weil der Privatdozent Baudelaires Werk innerhalb seines Lebens aufscheinen lässt. Nur durch diese enge Verschränkung von Baudelaires Biographie, der ein lebenslang Getriebener war, mit seinen Texten, kann überhaupt verständlich werden, woher der Dichter seine Motive nahm. Neri erzählt von einem jungen Mann, der von der so innig geliebten Mutter nicht verstanden und weggeschickt wird. Die Beziehung zum Stiefvater General Aupick, der später bis zum Botschafter in Madrid aufstieg, endete rasch im Fiasko.





Neri beschreibt den Dandy Baudelaire detailliert in all seinen Exzessen und in seinem hemmungslosen Geldausgeben. Allerdings sollte man das im Falle Baudelaires nicht als Verschwendungssucht bezeichnen, was Neri auch dankenswerterweise unterläßt. Denn Baudelaire suchte, einem Dandy gemäß zu leben. So listet Neri die abenteuerlichen Summen auf, die der werdende Dichter vor allem für Kleidung und die Einrichtung seiner Wohnungen ausgab. Der bis dahin noch völlig unbekannte Nachwuchsdichter hatte Stil: Er gab den Schneidern genaue Anweisungen, wie die Anzüge auszusehen hatten. Der junge Baudelaire, der als Mitte Zwanzigjähriger noch keinen einzigen Francs selbst verdient hatte, bat in flehentlichen Briefen seine Mutter, die horrenden Rechnungen für Schneider, Hutmacher, Hemdenfabrikanten, Handschuhmacher und Buchdrucker zu begleichen. Alles Dinge, die ein Dandy tatsächlich benötigt.





»Seine Höflichkeit war so überspitzt, daß sie manieriert anmutete. Wenn er redete, bemaß er die Sätze; er verwendete nur die gewähltesten Worte; manche Worte betonte er, um ihnen eine geheimnisvolle Bedeutung zu verleihen. Mit einer distanzierten Miene brachte er ungeheure Axiome vor oder vertrat irgendwelche Theorien, die auf einer wunderlichen Logik beruhten.«





Doch Matteo Neri belässt es nicht bei den Äußerlichkeiten. Er sieht genau die geistige Disposition seines Subjekts. So kontextiert Neri den Dandy Baudelaire, dessen Entwicklung 1848 abgeschlossen gewesen sei, mit dem Provokateur und zitiert gekonnt einige entsprechende Sätze aus dem umfangreichen Œvre des radikalen Autoren. Ein Beispiel: »Die Päderastie ist das einzige Band, das den Richterstand mit der Menschheit verbindet.« Neri sieht die selbst stilisierte Märtyrer-Rolle des heranreifenden Schriftstellers ebenso wie die enge Verbindung des Dandys zum Geistlichen, der sein Leben in Zurückgezogenheit verbringt.





Unendlich viele weitere Beispiele für Neris kluge Verzahnung von Baudelaires Werk mit dessen Leben ließen sich anführen. Sie zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung des Biographen und Interpreten. Wir Leser dürfen nun die Ernte genießen. Ein recht preisgünstiges Paperback – das im Moment DAS Standardwerk der Sekundärliteratur über den wohl bedeutendsten französischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts und großen Theoretiker des dandysme ist. Chapeau!



© Matthias Pierre Lubinsky 2019




Jul
05

Turner – Das Meer und die Alpen

Joseph Mallord William Turner, The Blue Rigi, Sunrise, 1842
Aquarell auf Papier, 29.7 x 45 cm, © Tate, London, 2019





Turner – Das Meer und die Alpen ist eines der Ausstellungs-Highlights 2019. Das Kunstmuseum Luzern feiert mit dieser grandiosen Schau eines der angesehensten britischen Maler das 200-jährige Bestehen seines Kunstvereins. Begleitet wird die Ausstellung von drei bibliophilen Büchern aus dem Münchner Hirmer Verlag.



Turner – Das Meer und die Alpen

Ausstellung im Kunstmuseum Luzern 6. Juli – 13. Oktober 2019.

Katalog im Hirmer Verlag: 180 Seiten mit 100 Farbabbildungen auf Kunstdruckpapier, 34,90 €.

J. M. W. Turner: Luzerner Skizzenbuch. 64 Seiten mit 31 Farbabbildungen, gebunden in Leinen mit eingelassenem Frontbild, Hirmer Verlag 2019, 22 €.

J. M. W. Turner: Skizzenbuch Wolken. 152 Seiten mit 144 Farbabbildungen, gebunden in Leinen mit eingelassenem Frontbild, 29,90 €.





William Turner (1775-1851) gilt heute als einer der wichtigsten Wegbereiter der Moderne in der Malerei. Das ist Fluch und Segen zugleich. Segen insoweit, als es nicht falsch ist. Fluch, weil es die Sicht auf die tatsächliche Genialität seiner Malerei verengt. Turner hatte das Glück, daß seine große Begabung bereits früh von seinem Vater gesehen und gefördert worden ist.




Der vorläufige Frieden auf dem Kontinent erlaubte es dem neugierigen und aufstrebenden Künstler, 1802 zum ersten Mal in die Schweiz zu reisen. Dem sollten bis 1844 fünf weitere Aufenthalte folgen. Für seine Ausflüge favorisiert er die Stadt Luzern, die zu Anfang des 19. Jahrhunderts touristisch noch nicht erschlossen gewesen ist. Turner sucht dabei insbesondere die Lichtverhältnisse und Natureindrücke zwischen dem die Sonne spiegelnden Wasser und den bedrohlich wirkenden Bergen. Das Luzerner Skizzenbuch und das Skizzenbuch Wolken sind originalgetreue Reproduktionen der Skizzenbücher, die der englische Maler mit sich führte und die für eine Vielzahl späterer Werke die Vorlage und Inspirationsquelle werden sollten.




Die umfangreiche Ausstellung des Kunstmuseums Luzern präsentiert über 100 Werke. Sie wurde nur möglich durch die Kooperation mit der Tate London, die viele der Bilder zur Verfügung gestellt hat. Der Nachlaß Turners umfaßt 30.000 Werke auf Papier, 300 Ölgemälde und ganze 280 Skizzenbücher, die allesamt von der Tate Britain bewahrt werden. Unbedingt empfehlenswert sind alle drei Begleit-Bücher, die die Ausstellung durch ihre Beiträge vertiefen und an langen Winterabenden stilvoll rekapitulieren lassen. Der Katalog mit dem Titel der Ausstellung präsentiert sämtliche ausgestellten Werke großformatig auf Kunstdruckpapier. Neben anderen Textbeiträgen schwärmt der Schriftsteller Cees Nootebohm fulminant von Turner. Eine Biographie und Bibliographie ergänzen den wohlfeilen Kunstband. Die beiden bereits erwähnten Skizzenbücher sind ein Genuß für Freunde der Malerei; für Fans von Turner ein Muß; für Bücherliebhaber etwas Besonderes, sind doch in Format und Papier originalgetreue Reproduktionen der Skizzenbücher, die der schrullige Brite in der Schweiz füllte.




Ein großes Verdienst der außergewöhnlichen Ausstellung ist, Turner vom Sockel eines der ersten Künstler der Moderne insoweit zu entheben, als daß er im Kontext seiner Zeit präsentiert wird. Er selbst wußte wohl am besten, welche Rolle er schon zu Lebzeiten spielte. Als John Ruskin ihn im Frühjahr 1844 in seiner Turner Gallery besuchte und ihn auf die spezielle Atmosphäre seiner Bilder ansprach, soll Turner geantwortet haben: »Yes, atmosphere is my style.«


Jul
01

Karl Lagerfeld – Karlikaturen





Karl Lagerfeld – Karlikaturen
Herausgegeben von Alfons Kaiser.
160 Seiten mit 75 Farbabbildungen.
Gebunden, Steidl Verlag 2019, 34 €.




Karl Lagerfeld, der am 19. Februar 2019 gestorben ist, war nicht nur ein begnadeter Modemacher, Photograph, Designer und Verleger. In den letzten Jahren seines Lebens fügte er seinem kreativen Wirken eine weitere Facette hinzu, der des Karikaturisten. Karl Lagerfeld – Karlikaturen versammelt alle für die Frankfurter Allgemeine Zeitung angefertigten Karikaturen.




Karl Lagerfeld (1933-2019) schien sein Ruhm als bedeutendster Deutscher, als einflußreichster Modeschöpfer, gar als arbiter elegantiarum nicht genügt zu haben. Deshalb schickte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) im Jahr 2012 eine Karikatur und schrieb dazu, wenn die Zeitung Interesse hätte, könne sie diese gern drucken. Sie hatte. Und damit nicht genug. Die FAZ bot Lagerfeld an, wenn er denn möge, würde man gern regelmäßig seine Karikaturen drucken. So entstand eine Kooperation, die von 2012 bis kurz vor seinem Tod Anfang dieses Jahres dauerte.




Das nun erschienene Buch Karl Lagerfeld – Karlikaturen versammelt alle 75 für die FAZ und das FAZ-Magazin angefertigten Karlikaturen, wie Lagerfeld, um findige Wortspiele niemals verlegen, seine gezeichneten Kommentare zum politischen Geschehen nannte.




Karl Lagerfelds Karikaturen sind nicht nur zeichnerisch von hoher Qualität. Der große deutsche Dandy maßte sich auch den Luxus einer eigenen Meinung jenseits des deutschen Mainstreams an. So kritisierte er mehrmals vehement die Flüchtlingspolitik Merkels. Lagerfeld war einer der ersten, der deutlich äußerte, Deutschland werde sich durch die Aufnahme von einer Million Muslime (Stand 2015) deutlich verändern. Auch wies der Modezar auf den Zusammenhang der muslimischen Massenaufnahme mit der Explosion des Antisemitismus hin.




In vielen seiner Karlikaturen zeigt sich Lagerfeld als aufmerksamer und gebildeter Beobachter seiner Zeit. So manche seiner Karikaturen ist denen seiner Kollegen an visionärer Weitsicht überlegen.



Jun
27

Serge Ramelli – Paris (Farbe)

Photo © 2019 Serge Ramelli. All rights reserved.

 

 

 

 

Serge Ramelli: Paris (Farbe)
176 Seiten mit ca. 80 Farbphotographien
Texte in Deutsch, Englisch und Französisch.
teNeues Verlag 2019, 39,90 €.

 

 

Serge Ramelli ist wohl einer der erfolgreichsten Photographen der Welt. Bei seinen Photo-Kunstwerken setzt er Digitaltechnik ein und bearbeitet sie mit Photoshop. Nun erscheint sein großformatiges Buch mit Farbbildern von Paris.

 

 

 

Serge Ramelli setzt die aktuelle Technik exzessiv ein. Er photographiert digital und bearbeitet die Bilddateien anschließend. Bei manchen Aufnahmen, wie sie dann letztlich veröffentlicht werden, hat er eine mehrfache Zeit der Nachbearbeitung gewidmet im Verhältnis zur Dauer der Aufnahme.

 

 

 

 

Weiterlesen »

Jun
19

Simon Strauß – Römische Tage

Rom, Piazza del Popolo, Gemälde von Caspar van Wittel, 1718

 

 

 

 

Simon Strauß, Römische Tage
142 Seiten, gebunden mit Lesebändchen, 18 €,
Tropen Verlag
Erscheint am 22. Juni 2019.

 

 

 

Das neue Buch von Simon Strauß, Römische Tage, erzählt vom zweimonatigen Rom-Aufenthalt des Theaterkritikers im vergangenen Jahr. Es ist eine beschwingte Eloge der italienischen Hauptstadt. Die Buchvorstellung geriet aufgrund römischer Temperaturen am italienischsten Platz Berlins zu einer adäquaten Präsentation.

 

 

 

Die Schizophrenie eines Landes zeigt sich am Umgang mit seinen Intellektuellen. Simon Strauß‘ erster Roman Sieben Nächte, 2017 erschienen, war eine zeitgemäße Bibel des dandysme: Der vor dem Erwachsenenleben stehende Ich-Erzähler will der Langeweile des politisch und sozial überkorrekten Erwerbslebens entfliehen, indem er in sieben Nächten die sieben Todsünden absolviert. Eine Reihe von Kritikern warf dem 1988 geborenen Autoren vor, mit seinem Ästhetizismus und Gefahrenkult protofaschistisch zu sein. Kleiner ging’s wohl nicht.

 

 

 

Man war unweigerlich erinnert an die Kampagne, die die Zeitschrift Theater Heute 25 Jahre zuvor initiiert hatte: Nachdem der Vater, Botho Strauß, einer der bedeutendsten Intellektuellen Deutschlands, in einem konservativen Buch seinen Essay Anschwellender Bocksgesang publiziert hatte, forderte die Fachzeitschrift allen Ernstes ein Spielverbot seiner Stücke. Dieser Zensur-Vorstoß ging damals gründlich nach hinten los. Viele Autoren und Regisseure solidarisierten sich mit Botho strauß

 

 

 

Römische Tage ist ein autobiographischer Reisebericht. Simon Strauß erkundet die italienische Metropole auf den Spuren seiner Literatur-Vorgänger von Goethe bis Ingeborg Bachmann. Zugleich ist das nur gute 100 Seiten schmale Buch eine Art Selbstsuche. Besonders interessierte Strauß, der Theaterkritiker bei der Frankfurter Allgemeinen ist, die Allgegenwärtigkeit des Gewesenen und der selbstverständliche Umgang der Römer damit. Rom repräsentiere für ihn, »das gelassene Nachdenken über Vergangenheit und Gegenwart«. Entstanden ist eine Melange aus Reportage, Essay und Empfindungsbericht, wie sie im 19. Jahrhundert üblich war.

 

 

 

Die Buchvorstellung hätte an keinem passenderen Platz stattfinden können. Die Buchhandlung Geistesblüten, die die erste Vorstellung des Buches in Deutschland ausrichtete, liegt am Walter-Benjamin-Platz in unmittelbarer Nähe zum Kurfürstendamm. Es ist wohl der am stärksten italienisches Lebensgefühl vermittelnde Ort Berlins. Die Mischung aus Restaurants, Cafés, die zum Draußensitzen einladen und ein begehbarer Springbrunnen boten das passende Ambiente für die dandyeske Lesung bei authentisch römischem Wetter.

 

© Matthias Pierre Lubinsky 2019

Jun
11

Sheila Rock – The Floating World

© Sheila Rock, Yukihiro Takahashi Ymo, London 1981

 

 

 

Die Berliner Photogallerie Johanna Breede Photokunst präsentiert Sheila Rock in einer Einzelausstellung. Sheila Rock war eine der bedeutendsten Dokumentarfilmerinnen der britischen Punk-Ära der 1970er Jahre. Ihr internationaler Durchbruch geschah durch ihren Photo-Essay Tough and Tender über die englische Küste.

 

 

Sie arbeitete unter anderen für das Magazin The Face, Vogue, Elle, Glamour und Architectural  Digest. Auch  die Sunday Times, das Telegraph Magazine, Time Magazine und Rolling Stone publizierten ihre Photos.

 

 

Johanna Breede Photokunst schließt Deutschland mit dieser kleinen, hochkarätigen Ausstellung an internationales Weltniveau an, – an Schauen in London, Turin, New York und Asien von Sheila Rock.

 

 

 

Sheila Rock – The Floating World
noch bis 30. August 2019

Johanna Breede PHOTOKUNST

Fasanenstr. 69, 10719 Berlin
T +49 (0)30-889 13 590
www.johanna-breede.com
Di-Fr 11-18 Uhr + n.V.
Johanna Breede PHOTOKUNST

 

 

 

 

 

Mai
22

Gerard Hoffnung – Vögel, Bienen, Klapperstörche

Dank des L.S.D. Verlags ist das ironische Büchlein wieder erhältlich
© L.S.D. Verlag 2019

 

 

 

 

Gerard Hoffnung: Vögel, Bienen, Klapperstörche
64 Seiten mit 47 Illustrationen
L.S.D. Verlag 2019, gebunden, 14 €.

 

 

 

 

Gerard Hoffnung hatte viele Talente. Er war nicht nur Karikaturist und Journalist. Noch heute ist sein Name in England bekannt für das von ihm organisierte Musikfestival, das jährlich in der Londoner Royal Festival Hall stattfand. Sein kleines Cartoon-Büchlein über das heikle Thema Wie bringe ich als Vater meinem Sohne bei, woher die Kinder kommen? ist seit vielen Jahren in den Antiquariaten so gut wie verschollen. Nun hat es der L.S.D. Verlag wieder publiziert.

 

 

 

 

Das Problem kannte in der Vergangenheit wohl jeder Vater: Wie bringe ich meinen Kindern möglichst schonend und dabei gleichzeitig plausibel bei, wie die Menschenkinder entstehen? Gerard Hoffnung hat dem ein kleines Büchlein gewidmet mit 46 Cartoons. Sie erzählen in gezeichneten Schnappschüssen vom Versuch eines Vaters, seinem Sohn die Wahrheit über das Entstehen von Babys zu vermitteln. Das witzige Büchlein erschien im Original 1960 in Großbritannien. Die deutsche Ausgabe erschien zwei Jahre später. Sie ist heute antiquarisch praktisch nicht mehr zu bekommen.

 

 

 

Der Leser wird Zeuge, wie ein Vater souverän anfängt, seinem Sohn etwas Bedeutendes erzählen zu wollen. Auf jeder Seite des kleinen Büchleins ist ein Cartoon gedruckt. Doch so recht kommt er nicht zum Ziele…

 

 

 

Gerard Hoffnung (1925-1959) wurde in Berlin geboren und ein Jahr vor Kriegsausbruch mit einem Kindertransport nach London geschickt. Er arbeitete als Rundfunkredakteur für die BBC und schuf ab 1956 das Hoffnung Music Festival. Die meisten seiner Cartoons karikieren so nicht zufällig Orchester und Musiker.

 

 

 

Ein schönes, ironisches Geschenk für Eltern, deren Kinder in die Pubertät kommen; – trotz des Internet-Zeitalters.

 

 

Mai
16

William Turner – Luzerner Skizzenbuch

Das bibliophile Luzerner Skizzenbuch ist dem Original nachempfunden
© Hirmer Verlag 2019

 

 

 

 

William Turner: Luzerner Skizzenbuch
Mit einer Einführung von David Blaney Brown
64 Seiten, 31 Abbildungen in Farbe,
gebunden in Leinen mit eingesetztem Titelbild,
Hirmer Verlag 2019, 22 €.

 

 

 

Im kommenden Sommer wird in der Schweiz ein Kunst-Superlativ stattfinden: Das Kunstmuseum Luzern wird eine außergewöhnliche Ausstellung von William Turner zeigen – dem bekanntesten Maler der englischen Romantik. Zur Vorfreude erscheint nun – zwei Monate zuvor – im Münchner Hirmer Verlag Turners Luzerner Skizzenbuch.

 

 

 

 

William Turner (1775-1851) gilt heute als der bekannteste, vielleicht gar bedeutendste Maler der Romantik in England. Doch zu seinen Lebzeiten war der Revolutionär der Malerei alles andere als akzeptiert. Als er vor 200 Jahren seine Vorlesungen über Perspektive an der Londoner Royal Academy aufnahm, hatte er viele Feinde, die seinen bis dato unüblichen Stil nicht verstehen wollten. Selbst als Turner in den 1820er Jahren schon berühmt und finanziell abgesichert war, verstörte seine dann noch weitergehende Hinwendung zur Abstraktion das Publikum, das ihm gar unterstellte, bald zu erblinden. Turner war seiner Zeit weit voraus.

 

 

 

 

Das Kunstmuseum Luzern und die sie tragende Kunstgesellschaft feiern 2019 ihren 200. Geburtstag. Und dazu haben sie sich wahrlich etwas einfallen lassen. Es bot sich an, dies Ereignis mit einer Turner-Ausstellung zu feiern, hielt sich doch der exzentrische englische Maler just in der Schweiz auf, als die Luzerner ihre Kunstgesellschaft aus der Taufe hoben.

 

 

 

 

Weiterlesen »

Ältere Beiträge «