Jul
31

Kathy Benjamin – Begräbnisse zum Totlachen

Kathy Benjamin sammelte 100 skurrile Begräbnisse
© Klett-Cotta 2014

 

 

 

Kathy Benjamin, Begräbnisse zum Totlachen.
Die durchgeknalltesten Bestattungen aller Zeiten.
206 Seiten, Flexcover, mit Illustrationen von Mario Zucca,Tropen Verlag, 16,95 Euro, auch als E-Book.

 

 

Sterben hat viele Facetten. Einige der skurrilsten hat die US-amerikanische Autorin Kathy Benjamin in ihrem Buch Begräbnisse zum Totlachen – Die durchgeknalltesten Begräbnisse aller Zeiten zusammengetragen.

 


Sie berichtet von einer der seltsamsten Grabraub-Serien, die sich vielleicht jemals zugetragen hat. Sie geschah über drei Jahre in den 1860ern in Salt Lake City. Im Jahr 1862 erschoss ein Polizist drei Verbrecher auf frischer Tat. Zwei wurden von ihren Familien beigesetzt, doch für den dritten fühlte sich niemand zuständig. Ein großzügiger Bürger der Stadt finanzierte die Beerdigung auf dem Städtischen Friedhof von Salt Lake City.

 

 

Einige Monate nach der Beisetzung erfuhr der Bruder des Vergrabenen davon und wollte den umbetten lassen. Als der Sarg geöffnet wurde, staunten die Anwesenden nicht schlecht: Die Leiche war vollständig unbekleidet. Die Polizei bekam einen Tipp: Sie solle mal bei Jean Baptiste nachfragen, der an der Beisetzung als Bestattungshelfer beteiligt gewesen war. In der Wohnung entdeckten die Polizisten dann überall Säcke und Kisten mit gebrauchter Kleidung: Jean Baptiste wurde angeklagt, mehr als 300 Leichen ausgegraben und entkleidet – sprich geschändet zu haben.

 

 

Doch das Skurrilste an der Geschicht: Der damalige Gouverneur von Utah, zugleich Oberhaupt der Mormonen, organisierte die Beisetzung aller Kleidungsstücke in einem einzigen Grab, um noch größeres Aufsehen zu vermeiden. Er versicherte den Angehörigen, dass durch diese Art der Bestattung der gesammelten Kleidung alle betroffenen Toten trotzdem vollständig bekleidet wiederauferstehen würden.

 

 

Kathy Benjamin schreibt für verschiedene Humor-Webseiten im Netz. Ihr kleines süffisantes Büchlein versammelt Geschichten über den längsten Leichenzug, den größten Grabstein, den größten Sarg oder wie eine Beerdigung noch schlimmer gemacht werden kann…

 

 

Insgesamt 100 solcher freakigen Begräbnisse hat die Texanerin ausgegraben. – Immerhin ist es ein probater Versuch, dem für uns alle Unausweichlichen mit ein wenig Humor entgegenzusehen.




Jul
29

Walker Evans im Martin-Gropius-Bau Berlin

Walker Evans, Pabst Blue Ribbon Sign, Chicago, Illinois, 1946
Collection of Clark and Joan Worswick
© Walker Evans Archive, The Metropolitan Museum of Art

 

 

Walker Evans, Ein Lebenswerk.
Ausstellung im Martin-Gropius-Bau Berlin noch bis 9. November 2014.
Walker Evans, Decade by Decade, Hatje Cantz Verlag 2010, nicht mehr lieferbar.

 

 

 

 

Walker Evans (1903 – 1975) ist einer der stilprägedsten Photographen der USA. Seine photographische Dokumentation  der Großen Depression, die am 29. Oktober 1929 mit dem sogenannten Schwarzen Freitag begann und die folgenden 1930er Jahre prägte, machte ihn berühmt.

 

 

Der Martin-Gropius-Bau in Berlin präsentiert noch bis zum 9. November 2014 die große Werschau, die zuvor an verschiedenen Stationen zu sehen war, zuerst im Jahr 2010 Cincinnati. Die Ausstellung umfasst über 200 Photographien. Es sind Originalabzüge aus den Jahren 1928 bis 1974.

 

 

 

Walker Evans, Crowd In Public Square, 1930er,
Lunn Gallery Stamp (1975)
© Walker Evans Archive, The Metropolitan Museum of Art

 

 

 

Walker evans gehört zu den einflussreichsten Photographen der USA. Sein Stil wird heute subsumiert unter dokumentarischer Stil. Über Jahrzehnte hinweg bis in die Gegenwart gewann das umfangreiche fotografische Werk von Walker Evans zunehmend Vorbildcharakter. Mit seinen nüchtern registrierenden Aufnahmen hat er ein einzigartig authentisches Bild seines Landes festgehalten – wie kein anderer vor ihm mit einem Empfinden für das Subtile in den alltäglichen Momenten. Sein Werk veränderte das Bewusstsein Amerikas.

 

 

Das Buch Decade by Decade vom Hatje Cantz Verlag erschien 2010 zur ersten Schau in Cincinnati. Das gesuchte Standardwerk ist leider längst vergriffen.

 

 

 

Walker Evans, Young Women Outside Clothing Store, 1934–35
Lunn Gallery Stamp (1975)
© Walker Evans Archive, The Metropolitan Museum of Art

 

 

 

 

Jul
25

Richard Avedon – Wandbilder und Porträts

Richard Avedon, Samuel Beckett, Schriftsteller, Paris, Frankreich, 13. April 1979,
Sammlung Udo und Anette Brandhorst
© THE RICHARD AVEDON FOUNDATION

 

 

 

Richard Avedon – Wandbilder und Porträts.
Ausstellung im Museum Brandhorst, München noch bis 9. November 2014.
Katalog-Buch im Hirmer Verlag, 262 Seiten mit 125 Abbildungen in Duplex auf Photo-Papier und 4 Klapptafeln im Überformat, 59,- Euro.

 

 

Richard Avedon (1923-2004) ist einer der bekanntesten US-amerikanischen Mode-Photographen. Eine Ausstellung in München und ein sammelwürdiger Katalog zeigen, dass er noch viel mehr konnte.

 


Bereits Avedons Fashion-Aufnahmen zeigen, dass er mehr konnte – und mehr wollte, als nur das neueste Kleid, den neuesten Mantel abzulichten. Seine Photos – zuerst für große Zeitschriften wie Vogue oder Harper’s Bazar, später auch für große Modehäuser – zeugen von Phantasie und einem Blick für das Besondere. Ob ein Model mit dem Abendkleid lasziv an einen Billardtisch lehnt (1957) oder ein über eine Pfütze springendes Model mit einem Mantel von Cardin: Diese frühen Mode-Bilder haben neben der Präsentation des Kleidungsstücks einen ästhetischen Mehr-Wert.

 

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Jul
22

Max Liebermann und die Schweiz

Max Liebermann, Strandterrasse in Noordwijk/Huis ter Duin, Noordwijk, 1913
Privatsammlung (Kat. 59)

 

 

 

Max Liebermann und die Schweiz.
Ausstellung im Museum Oskar Reinhart, Winterthur noch bis 19. Oktober 2014
Katalog im Hirmer Verlag, 248 Seiten mit 128 überwiegend farbigen Abbildungen, 39,90 Euro.

 

 

Max Liebermann (1847–1935) und die Schweiz verbindet eine besondere Beziehung. Zum einen waren es schon früh Schweizer Sammler, die seine Werke erworben und seinen Ruf als herausragenden deutschen Maler der Moderne förderten. Zum anderen schickte Liebermann 14 Werke seiner umfangreichen Sammlung ab Mai 1933 zum Zürcher Kunsthaus, um sie hier in Sicherheit zu wissen.

 

 

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Jul
20

20. Juli 1944

Stefan George mit Claus und Berthold Graf Stauffenberg, Berlin 1924
© Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin

 

 

Heute jährt sich zum 70. Mal das Attentat von Claus Schenck Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler.

 

Es misslang, doch rettete die Tat Deutschland so etwas wie einen Rest von Anstand. Dies wurde noch Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg anders gesehen: Viele Deutsche hielten die Verschwörer, die größtenteils aus der Wehrmacht kamen, für Verräter.

 

Bis heute ist der geistige Hintergrund Claus von Stauffenbergs nicht vollständig erforscht. Er gehörte in jungen Jahren mit seinem Bruder Berthold zum Kreis um den Schriftsteller Stefan George.

 

Die Welt zur Tat hier.

 

Bundespräsident Gauck sieht in den Widerständlern Vorbilder für heutige Deutsche.

 

 

 

 

 

Jul
11

Irina Werning’s Back to the Future

© Irina Werning’s Back to the Future, Tomasz and Mira, Sosnowiec, Poland, 1980 and 2013
Photo © 2014 Irina Werning. All rights reserved

 

 

 

Irina Werning’s Back to the Future.
160 Seiten, Hardcover mit 126 Farb- und 36 Schwarz-Weiß-Photographien.
Texte in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. teNeues Verlag 2014, 39,90 Euro.

 

 

Allein die Idee ist brillant: Irina Werning geht zu Menschen nach Haus, lässt sich dort alte Photos zeigen – und stellt dann eines heute nach.

 


Was so einfach klingt, ist in der Umsetzung alles andere als das. Nachdem die argentinische Photographin sich mit ihrem Protagonisten auf ein Motiv aus der Vergangenheit geeinigt hat, beginnen die Schwierigkeiten oft erst. Denn selten ist die Aufnahme – beispielsweise aus einem Familienalbum – auf der heimischen Couch der Eltern entstanden, wo das Wohnzimmer in den vergangenen 30 Jahren keine Veränderung erfahren hat.  So muss der Ort des alten Bildes wieder gefunden werden. Oder die Künstlerin stellt ihn nach.

 

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Jul
06

Harry Graf Kessler – Feldpostbriefe

Der schmucke Schuber enthält ein Faksimile der seltenen Felpostbriefe von Harry Graf Kessler nebst einem Begleitband
© edition.K

 

 

 

Felix Brusberg und Sabine Carbon (Hg.)
Krieg und Zusammenbruch 1914/18

Aus den Feldpostbriefen von Harry Graf Kessler
Schuber mit Faksimile und Begleitband mit Beiträgen von Felix Brusberg, Sabine Carbon, Peter Grupp und Florian Illies.
Broschiert im Schuber, 140 Seiten/40 Seiten, edition.K,  29,90 Euro.

 

 

Harry Graf Kessler ist – endlich – einem größeren Publikum bekannt geworden durch die vollständige Veröffentlichung seiner Tagebücher. Diese umfassen einen Zeitraum von sage und schreibe 57 Jahren: 1880-1937. Von den geplanten neun dicken Bänden liegen seit 2004 nun acht vor. Die Faksimile-Ausgabe eines seltenen Briefbandes über den Ersten Weltkrieg will zum 100. Jahrestag seines Beginns, Kesslers Briefe in die Debatten um den Krieg einführen.

 


Krieg und Zusammenbruch 1914-1918. Aus den Feldpostbriefen von Harry Graf Kessler hieß das Buch, dass Kessler auf eigene Kosten drucken ließ und in einer winzigen Auflage von insgesamt 130 bibliophilen Exemplaren 1921 an handverlesene Freunde verteilte.

 

 

Da es so selten ist, ist es heute selbst antiquarisch kaum erhältlich und so praktisch unbekannt. In 35 Briefen an enge Freunde und Kriegskameraden schildert der Adlige seine Eindrücke und Einschätzungen. Anfänglich von der allgemeinen Kriegsbegeisterung an die Front getrieben, verachtet er später die sinnlosen Kampfhandlungen. Nach dem Krieg wurde er gar zum Pazifisten. Es spricht für seine Offenheit und Ehrlichkeit, dass er drei Jahre nach dem Ende des Gemetzels seine anfängliche Euphorie und seinen Nationalismus nicht selbst zensiert hat.

 

 

In einem letzten der abgedruckten Briefe schildert Kessler Berlin in den Wirren der Revolution von 1918. Im Reichstag bekommt er ohne Probleme einen Ausweis ausgestellt, mit dem er »den Ordnungs- und Sicherheitsdienst in den Strassen der Stadt« versehen soll. Das erlaubt ihm, »der Revolution wieder auf der Strasse zuzuschauen«, wie er selbst cool notiert.

 

 

Die Wieder-Edition dieses so raren Brief-Buches soll nach dem Willen der Herausgeber die Gesamt-Edition der Feldpost-Briefe Kesslers anstoßen. »Auch wäre es reizvoll«, schreiben Felix Brusberg und Sabine Carbon in ihrem Vorwort zum kleinen Begleitband, »die Reaktionen seiner Zeitgenossen auf die Feldpostbriefe zu sichten und beizufügen«.

 

 

Eine hehre Absicht, der wir vollen Erfolg wünschen. Denn die Sichtweise und das Engagement von Harry Graf Kessler waren derart umfangreich und auf dem Niveau von internationalem Parkett, dass sie eine Einzelstellung haben. Kessler war Kosmopolit, versuchte sich als Diplomat und förderte gleichzeitig in erheblichem Umfang Kunst und Kultur. Ach – was ließe sich noch alles aufzählen?

 

 

Wir werden die Bemühungen nach Kräften unterstützen; einen ästhetischen Anfang macht dieser schöne Schuber mit den zwei Büchern.




Jul
03

Christine Turnauer – Presence

© Christine Turnauer, Abil, 80 Jahre,
kasachischer Nomade, Viehzüchter und Jäger, Bayanzurh-Tal,Nordwest-Mongolei, 2013

 

 

Christine Turnauer, Presence.
Texte von Frank Horvat und Christine Turnauer.
Deutsch, Englisch, Französisch. 188 Seiten mit 182 Duplex-Abbildungen auf Photopapier.
Hatje Cantz Verlag 2014, 58 Euro.

 

 

Menschen wirklich frei zu begegnen ist eine Kunst. Zu oft verhindern tradierte Gewohnheiten und gelernte Vor-Urteile, den anderen wahrhaft wahrzunehmen. Christine Turnauer hat diesen freien Blick. Ihr Photo-Band Presence mit Schwarz-Weiß-Portraits aus verschiedenen Kulturkreisen ist ein ästhetisches Groß-Ereignis.

 


Die Photographin Christine Turnauer reiste über viele Jahre in die entlegensten Winkel der Welt, um Menschen mit ihrer Kamera zu portraitieren. Ihr atemberaubendes Projekt war ursprünglich keines. Sie verfolgte kein explizites Ziel. Rückblickend gleicht es eher einem Lebensplan, der erst im Ergebnis seinen Spirit offenbart.

 

 

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Jun
28

Supermodels – Then and Now

© Michel Comte, Iman, 1992

 

 

 

Die Berliner Photogallerie CWC zeigt noch bis 6. September 2014 die Ausstellung Supermodels – Then and Now: Die berühmtesten Fashion-Photographen steuerten 100 Arbeiten bei. Von den 1960er Jahren bis heute reicht der präsentierte Überblick.

 

Zu erfahren ist wie Supermodels wie Naomi Campbell, Claudia Schiffer oder Kate Moss aus sich eine Marke kreiert haben. Jeder Photograph hat die Möglichkeit, aus ihnen eine andere Facette herauszuholen. Dabei bleiben die Models ihrem eigenen Image treu.

 

 

© Albert Watson, Kate Moss with hat,
Marakesh, 1993

 

 

 

 

© Brian Duffy, Jean Shrimpton

 

 

 

CWC GALLERY

Camera Work Contemporary
Auguststr. 11, 10117 Berlin
T +49 (0)30 24048614
info@camerawork.de
www.camerawork.de
Di-Sa 11-19 Uhr

 

 

 

Jun
25

Ute Mahler – Zusammenleben

Ute Mahler, unbekannt, Aue, 1972.
Aus der Werkgruppe Zusammenleben, 1972-1984
© Ute Mahler

 

 

Ute Mahler, Zusammenleben. Mit einem Text von Sibylle Berg.
144 Seiten mit 78 Duplex-Abbildungen.
Hatje Cantz Verlag 2014, 35 Euro.

 

 

Die Photographin Ute Mahler dokumentierte über vier Jahrzehnte das Leben in der DDR: lebensnah, ungeschönt und ungestellt. Ein Buch präsentiert ihre Serie Zusammenleben erstmals vollständig.

 


Der Verdienst von Photographinnen und Photographen der damaligen DDR ist, uns heute noch ein Gefühl für das Leben in diesem nun seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr bestehenden Staat zu geben. Die Schwarz-Weiß-Photographien von Ute Mahler haben dabei einen ganz eigenen Stand. Sie beschönigen nichts, wie die offiziellen, die Propaganda-Photos. Sie sind noch nicht einmal gestellt, weil sie die Protagonisten nicht aufforderte, so oder so zu posieren.

 

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