In momoriam Alexander McQueen

Website-Screen Alexander McQueen

Romantische Anklänge ans 19. Jahrhundert. Aesthetische Post-postmoderne bestimmte den Ton der Herbst-Winter-Kollektion 09/ 10 von Alexander McQueen:



Fall/ Winter-Prospekt 09/ 10


Mehr zu Alexander McQueens Dandytum:
Alle Bilder: Copyright Alexander McQueen. All rights reserved.

Dandy-Maharadscha

Yeshwant Rao Holkar II. von Indoreliess sich 1929 im Frack portraitieren 
– als englischer Dandy


Maharaja – Pracht der indischen Fürstenhöfe heißt eine Ausstellung, die heute in München eröffnet. Sie wird neben dem Victoria and Albert Museum in London nur in der Münchner Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung präsentiert.

Gezeigt wird, wie aufgeschlossen die Inder – trotz Verwurzelung in jahrtausendealter Hochkultur – westliche Lebensart und Design aufnahmen. Ein knallroter Art-Deco-Sessel zitiert sowohl den indischen Thron wie auch Londoner Club-Möbel.
Yeshwant Rao Holkar II. von Indore lässt sich 1929 nicht in Landestracht, sondern im Frack portraitieren. „Ein Maharaja als Dandy“, schreibt das Museum.

Hypo-Kunsthalle
Theatinerstraße 8, Telephon (089) 22 44 12.
Öffnungszeiten: 12. Februar bis 24. Mai täglich von 10 bis 20 Uhr.

http://www.hypo-kunsthalle.de

Danke auch Oliver!
Bild: Copyright Hypo-Kunsthalle München. All rights reserved.




Alexander McQueen ist tot

Uns erreicht aus den Staaten die Nachricht vom Tode des genialisch-verzweifelten Alexander McQueens.  Über seine Verdienste, die Anlehnungen seiner Entwürfe an historische Bezüge wie den Dandy oder Jack the Ripper wollen wir nun keine Worte verlieren. Für ihn war das Erreichte nicht das Ende der Fahnenstange….


 
Dandyesker Entwurf Alexander McQueens für die Herbst-Winter Kollektion 2009


Everything’s just dandy, schrieb tmagazine zu einer der letzten Präsentationen, wo McQueen an Jack the Ripper erinnerte.

http://tmagazine.blogs.nytimes.com/2009/01/21/mens-fashion-where-everythings-just-dandy/

Statt aller: http://nydandy.blogspot.com/  And thank you!

Photo: http://huebschdichauf.blogspot.com/2009_01_01_archive.html


Anke Engelke von Carsten Sander

 
Anke Engelke in Szene gesetzt von dem Photokünstler Carsten Sander
Copyright Carsten Sander. All rights reserved.


Zu den 60. Internationalen Filmfestspielen zeigt die Galerie Berlin Art Projects in Berlin großformatige Portraitphotographien bekannter Film- und Showgrößen des Fotokünstlers Carsten Sander. Unter dem Titel to surface werden die Werke gezeigt, die räumliche Bedingung und Zeitgeist hinter sich lassen.

to surface Carsten Sander – Photografie
Eröffnung: 19. Februar 2010, ab 18 Uhr

Galerie Berlin Art Projects
Under den Linden 40
10117 Berlin

Anke Engelke als Dandy mit Schnauzbart ist neben Schauspieler Rufus Beck als märchenhafte Sagenfigur oder Kult-Barkeeper Charles Schumann als einsamer Seemann nur eine der interessanten Inszenierungen.

Der 1965 in Neuss geborene Carsten Sander arbeitete zunächst freiberuflich für verschiedene Magazine, bevor er sich mit Ausstellungen einen Namen machen konnte. Carsten Sander lebt und arbeitet in Berlin und Düsseldorf.

http://www.berlinartprojects.de


Oscar Wildes Salomé

 
Oscar Wilde selbst als Salomé



Salomé, die Tragödie in einem Akt von Oscar Wilde, wurde am 11. Februar 1896 in Paris uraufgeführt. In England war das Stück durch die Zensur zuvor teilweise verboten worden. Oscar Wilde greift eine Geschichte aus dem Neuen Testament auf. Das kurze Stück spielt auf der Terrasse des judäischen Tetrarchen Herodes Antipas zur Zeit der römischen Besatzung Palästinas. 
Salomé ist die schöne Nichte von Herodes Antipas und gleichzeitig seine Stieftochter. Sie wird von einem der Wachmänner zutiefst begehrt. Heute zählt Oscar Wildes Tragödie zu den Klassikern, – wegen seiner Kürze jedoch selten gespielt.

 
Die englische Erstausgabe des Stücks war eine Übersetzung Wildes aus dem Französischen


US-amerikanisches Filmplakat von 1922



Manschettenknöpfe

Der einzige Schmuck des Gentleman: Seine handgefertigte Armbanduhr und die Manschettenknöpfe. Diese dürfen durchaus ein wenig spleenig sein.
Wir zeigen hier welche für die Generation Web2.0, welche mit drehendem Kompass und mit klassischem Tacho und Tankanzeige. Für die dandyeske Orientierung.

Photos: http://www.lilela.net/tagegories/elegance/
http://www.pro-manschettenknöpfe.de

Dandy-Label

Das US-Label mit dem Namen ‚Dandy‘ wurde etwa 1933 gegründet von Emerson und Grey Gull und bestand wohl nur kurze Zeit. 
Die Internet-Discographie mgthomas, von der wir das Photo haben, hält es für ein wenig geheimnisvoll („a rare and rather mysterious label“).

http://www.mgthomas.co.uk/dancebands/IndexPages/labelindex-RestoftheWorld.htm 

Photo: mgthomas.co.uk. All rights reserved.


Dandyeske Verbrecherjagd

Der frühe James Bond, verkörpert von Sean Connery: Leicht fließender, perfekt sitzender Anzug.
Lässig gelehnt an seinen Aston Martin DB5.



Früher war alles besser. Nein, – das stimmt so sicher nicht. Aber einiges vielleicht doch. So schreibt Jay auf seinem exzellenten Kultur-Blog zur Agentenmode: „Als das Empire im Film noch von Gentleman Agenten gerettet wird (und das Böse noch nicht von Bruce Willis im Unterhemd bekämpft wird), tragen die selbstverständlich erstklassige Anzüge, um den Bösewichten dieser Welt entgegen zu treten.“


Sean Connery: Die souveräne Haltung des Gentleman.


Wir erfahren, warum es sich heute noch lohnt, die frühen James Bond-Filme anzusehen, von welchem Schneider Sean Connery seine Maßanzüge bezog und warum es besser ist, eine Rolex wegzuwerfen.



http://loomings-jay.blogspot.com/2010/02/agentenmode.html

Huysmans‘ Geburtstag

Der französische Schriftsteller Joris Karl Huysmans

Heute vor 162 Jahren wurde Joris Karl Huysmans geboren, am 5. Februar 1848. Er ist der Autor von À rebours (Gegen den Strich), der Bibel der Décadence (Paul Valéry) und des dandysme. Er hieß eigentlich Georges Marie Charles Huysmans und war trotz seines holländischen Namens Pariser. Hier starb er auch am 12. Mai 1907.

 

Á rebours schildert den exzentrischen jungen Adligen Jean Floressas Duc des Esseintes der, angeödet von seinen mediokren Mitmenschen, das pulsierende Paris verläßt, um sich inkognito sein Refugium außerhalb der Kapitale einzurichten. Dieser Roman, dessen französische Erstausgabe 1884 erschien, hatte mehr Einfluß auf Generationen junger Gentlemen, als wahrscheinlich sämtliche Stil- und Benimmführer jemals zusammen.

 
„Es war das merkwürdigste Buch, das er je gelesen hatte. Es war ihm, als ob darin in zierlichen Gewändern, beim Klang lieblicher Flöten, die Sünden der ganzen Welt in stummer Schau an ihm vorüberglitten“, schrieb Oscar Wilde sechs Jahre später in Das Bildnis des Dorian Gray.

Französische Huysmans-Biographie

 

Ein anderer Dandy, Jules-Amédée Barbey d’Aurevilly, schrieb in seiner Rezension des Romans: „Nach einem solchen Buch bleibt dem Verfasser nur noch die Wahl zwischen der Mündung einer Pistole und den Füßen des Kreuzes.“

Enzensbergers dandyeske Freiheitsrede


Das Cover des aktuellen Buches von Hans Magnus Enzensberger



Hans Magnus Enzensberger ist am gestrigen Dienstagabend in Kopenhagen mit der bedeutendsten dänischen Kultur-Auszeichnung geerhrt worden: dem Sonning-Preis. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung dokumentiert Enzensbergers Dankesrede in einer leicht gekürzten Fassung:

http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~ECC789B864DC04CDAAD5D4010430CC316~ATpl~Ecommon~Scontent.html



Der bedeutende deutsche Schriftsteller und Geistesdandy nahm die Preisverleihung zum Anlass für eine vernichtende Stellungnahme zur EU.

Enzensberger nennt das Demokratiedefizit der EU „eine chronische und offenbar schwer zu behandelnde Mangelkrankheit“. Als habe es die Verfassungskämpfe des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts nie gegeben, wurde sich „von Anfang an auf eine Kabinettspolitik verständigt, die alles Wesentliche im Hinterzimmer aushandelt“

.

Enzensbergers Bücher sind Seismographen und zugleich subversiver Widerstand



Enzensbergers Kritik kommt einer Abrechnung über ein Gebilde gleich, dass niemand mehr versteht, verstehen soll: „Die Kommission hat praktisch ein Monopol für die Gesetzesinitiative. Sie verhandelt und entwirft ihre Richtlinien hinter geschlossenen Türen.“ „Die über fünfzehntausend Lobbyisten, die in Brüssel tätig sind, haben mehr Einfluss auf die Entscheidungen der Kommission als alle Abgeordneten (…)



Was aber die Bewohner unseres Erdteils am meisten nervt, ist der Regelungswahn der Brüsseler Behörden. Ihre Kompetenzgier ist nicht schwer zu erklären. Wie Robert Conquest einmal bemerkt hat, verhält jede Großorganisation sich so, als würde sie von den Geheimagenten ihrer Gegner geleitet. Diese Form der Selbstsabotage ist kein Zufall; denn jede Ausdehnung ihrer Befugnisse verspricht der Organisation mehr Macht, mehr Geld und mehr Planstellen. Hannah Arendt hat vor fünfundvierzig Jahren dazu das Nötige gesagt. Sie sprach damals in Kopenhagen vom ‚Druck einer sich abzeichnenden Veränderung aller Staatsformen, die sich zu Bürokratien entwickeln, das heißt, zu einer Herrschaft weder von Gesetzen noch von Menschen, sondern von anonymen Büros oder Computern, deren völlig entpersönlichte Übermacht für die Freiheit und für jenes Minimum an Zivilität, ohne das ein gemeinschaftliches Leben nicht vorstellbar ist, bedrohlicher sein mag als die empörendste Willkür von Tyranneien in der Vergangenheit‘.

Am Ende seiner essayistischen Hinrichtung zitiert Enzensberger den deutschen Philosophen Odo Marquard: „Es kommt nicht darauf an, die Welt zu verändern, sondern sie zu verschonen.“

Eine Internet-Debatte über Enzensbergers EU-Bashing beginnt hier:
http://gunnarsohn.wordpress.com/2010/02/03/wehrt-euch-gegen-die-eurokraten-kauft-gluhbirnen-in-bosnien/