L’Odyssée de Cartier: Filmstill
© Cartier 2012
Werbung, die sich ein Dandy gefallen lässt: L’Odyssée de Cartier ist ein ästhetisches Märchen für Erwachsene…
Apr. 16
Apr. 15
Nanao Hayasakas detailreiche Studie über die Lebensorte von Robert Musil: Buch-Cover
Zum 70. Todestag des österreichischen Schriftstellers Robert Musil (6. November 1880 – 15. April 1942) rezensieren wir eine umfangreiche Studie über die Wohnorte des Autoren des unvollendeten Der Mann ohne Eigenschaften.
Robert Musils (1880-1942) ungeheure Schrift Der Mann ohne Eigenschaften teilt das Schicksal anderer, vielleicht ähnlicher Romane, wie Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit oder Fernando Pessoas Buch der Unruhe: Sie gehören zum weltweiten so genannten Kanon der Literatur. Bücher, die man gelesen haben sollte. Romane, deren Titel beinahe jeder kennt; – und die keiner gelesen hat. (Bis auf Roger Willemsen.)
Robert Musils Roman-Versuch ist unvollendet geblieben. Er musste unvollendet bleiben, weil sein Autor in eine einzige Erzählung viel zu viel hereinpacken wollte: Eine stringente Rahmenhandlung, die Ansprüche, die das Leben an unterschiedliche Charaktere stellt… Musils Anspruch war kein geringerer, als eine in Romanform gegossene Philosophie über die Welt und das menschliche Leben zu verfassen. Deshalb schrieb er immer wieder um, ergänzte, verwarf, schrieb Teile komplett neu und konnte bis zu seinem Tod, mit den er nicht gerechnet hatte, nicht fertig werden.
Der Tokyoter Hochschullehrer Nanao Hayasaka beschäftigt sich seit etwa dreißig Jahren mit Robert Musil. Nun hat er ein unglaubliches Buch vorgelegt, dass dem Interessierten die Welt des Robert Musil näher bringen soll. Es handelt sich um keine klassische Biographie, die ja auch nicht nötig ist seit den grundlegenden Forschungen unter anderen von Karl Corino, der 1988 eine Bildbiographie vorlegte, und seine klassische Biographie dann 2003 folgen ließ. Bei Hayasakas 400-Seiten-Buch handelt es sich um eine Art Handbuch der Wohn- und Wirkungsstätten Musils. Es ist eine wirklich universelle Beschreibung der diversen Wohnungen Musils einschließlich der sozialen Heimat seiner Vorfahren.
Der Japaner beschränkte sich dabei nicht auf die Wohnverhältnisse, sondern bezog im Weiteren die jeweilige Lebenssituation des großen Romanciers mit ein. Und insbesondere hierbei handelt es sich um eine unglaublich umfangreiche und im Detail akribische Forschungsarbeit, die allerhöchste Anerkennung verdient. So beginnt der Wissenschaftler mit einer weitläufigen Darstellung der Lebenswelt des Großvaters väterlicherseits und dessen Ehefrau. Hayasak findet das Tagebuch von Aloisia Musil und kann so den Alltag der Großfamilie auf dem Plachelhof rekonstruieren (6. Nov. Heute erhielten wir die frohe Nachricht daß Alfreds Frau ihn mit einem Buberl beglückt; Gott gebe dem neuen Enkel Gedeihen.)
Durch diverse Gespräche mit Verwandten und Bekannten von Vermietern, ehemaligen Bekannten und Freunden Musils erschafft Hayasaka ein Handbuch der Lebensumstände Musils, wie es seinesgleichen sucht. In gewisser Hinsicht folgt der Biograph damit seinem Studienobjekt: War es Musils Anspruch, das bürgerliche Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts möglichst vollständig in Worte zu fassen und bis in die kleinsten Verästelungen von Seelenzuständen festzuhalten, so ist Hayasaka bemüht, jedweden Aufenthaltsort des von ihm bewunderten Schriftstellers möglichst vollständig zu rekonstruieren.
Er selbst schreibt in seiner Einleitung bescheiden, ein positivistisches Verfahren allein führe zu keinem Ergebnis. »Durch die minutiöse Betrachtung des Gegenstandes wird man zu einer bestimmten Hypothese hingeleitet, die durch Assoziation und Phantasie bestätigt wird und zu weiteren Recherche führt. Der Zusammenhang von Akribie, freier Assoziation und analytischen Entwurf ermöglicht eine fundierte Interpretation und somit substantielle Erkenntnisse.«
Hayasakas Forschungsleistung ist ein grandioser Meilenstein, der die Musilforschung nicht nur deutlich voranbringt, sondern über viele Jahre viele Ansatzpunkte zu weiterer Recherche bietet.
Apr. 14
Zum 100. Geburtstag erinnert der DANDY-CLUB an den französischen Photographen Robert Doisneau (14. April 1912 – 1. April 1994), der mit seinen Schwarz-Weiß-Photos die wohl berühmtesten Ikonographien von Paris schuf.
Das junge Paar, das vor dem Pariser Rathaus kurz anhält, um sich zu küssen, gilt als eine der bekanntesten Paris-Aufnahmen überhaupt. Sie entstand im Auftrag des US-Magazins Life, das eine Photostrecke von Verliebten in Paris bestellte. Will man heute wissen, dass das Bild gestellt war?!
Doisneau war zwischen 1934 und 1939 Werkphotograph bei Renault. Er gab diese Stellung auf, um selbstständig zu arbeiten.
Als Flaneur durch Paris ist er bekannt geworden, weil er mit seinem aufmerksamen Blick Bilder einfing, die das damalige, unwiederbringliche Paris dokumentierten und meist spontan entstanden.
Apr. 13
Wim Wnders, Street Corner in Butte , Montana, 2003
© Wenders Images
Nur einen Augenblick vorher
stand hier noch ein Mann mit einem Cowboyhut
und lehnte verloren
an der Straßenlaterne.
Wochen später traf ich in der Stadt einen Typen, der behauptete,
mit seinem Pick-up-Truck
eben diese Laterne gerammt zu haben.
Deswegen stünde sie seitdem schief …
Wim Wenders ist nicht nur einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Filmemacher. – Er ist darüber hinaus Maler, Schriftsteller, Schauspieler und Photograph. Der 1946 in Düsseldorf geborene Multi-Künstler reist neugierig in der Welt herum, um für seine Filme zu recherchieren. Dabei sucht er stets die unbekannten Orte, die Plätze, die in keinem Reiseführer stehen. Die Plätze, die keiner mehr sehen will. Wim Wenders will gerade die verlassenen Orte sehen. Er will dorthin, wo das Leben vorüber gezogen ist. Dort, wo Vergangenes sich materialisiert.
Als Künstler nimmt Wim Wenders wahr. Er spielt bewusst den Gegenpart zum Touristen, der nicht anwesend ist, sondern nur dagewesen sein will. Dem Touristen ist nicht das Er-Spüren des jeweilgen Ortes wichtig. Er will nur daheim seinen Bekannten den photographischen Beweis seines Dagewesenseins präsentieren können. Der moderne Fachbegriff dafür lautet: Handy-Upload.
Dieser schön gestaltete kleine Photoband hat eine Ausstellung von Photographien Wim Wenders‘ in London begleitet. Die Photos sind im Original großformatig. Sie stammen aus dem Zeitraum zwischen 1983 und heute. Angereichert werden die beeindruckenden Werke durch kurze Gedichte vom Photo-Künstler. Sie unterstreichen das Schräge des Ortes, seine Verlebtheit oder auch die Dubiosität, dass sich hier überhaupt Menschen aufhalten.
Es sind zum Teil skurrile Aufnahmen. Sie zeigen ein Riesenrad in Armenien auf einem völlig verlassenen riesigen Areal. Oder den Berliner Palast der Republik in der Abbruchphase, wo von diesem nur noch die Treppenhäuser stehen. Besonders interessiert sich Wenders für die Absurdität der heutigen Vergnügungssucht: Ob Disneyland oder Strandliegen eines Hotels auf Straßenbelag. Obwohl nur wenige Meter daneben der natürliche Sandstrand ist.
In Interviews erzählt Wenders, er habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen gar nichts daran fänden, sich an solchen Orten aufzuhalten oder sich in ihrer so genannten Freizeit von Animateuren beschäftigen zu lassen.
Aufgrund seines Formates mit siebzehn mal zwanzig Zentimetern und den bibliophilen Klapptafeln eignet sich der Band gut als Mitbringsel für Ästheten.
Wim Wenders, Open-Air Screen
© Wenders Images
Wim Wenders, Cemetery in the City, Tokyo 2008
© Wenders Images
Apr. 10
Magazine Cover Upon Paper #01
© Helder Suffenplan, Upon Paper
Mit Upon Paper startete das Traditionsunternehmen Hahnemühle FineArt im März 2012 in Berlin ein neuartiges Zeitschriften-Projekt, das auf drei Kanälen stattfindet:
Upon Paper magazine ist die gedruckte Zeitschrift, die bibliophil daherkommt. Auflage 5.000 Stück, Format 490 mal 690 mm, 60 bis 80 Seiten, verpackt in einer bedruckten Box.
Upon Paper space ist der Ausstellungsraum in der Mitte Berlins, in dem das jeweilige Thema des Heftes materiell inszeniert wird und einzelne Kunstwerke räumlich ausgestellt werden.
Upon Paper web ist der Internet-Auftritt www.uponpaper.com, der durch eigenständige Redaktionsarbeit und Social Network-Elemente ein Forum für die globale Creative Community werden soll.
Das Thema der ersten Ausgabe ist Los Angeles, das der zweiten im Herbst soll ‚Color‘ sein. Die Motivation der im Jahr 1584 gegründeten Hahnemühle FineArt ist, trotz neuer technischer Entwicklungen am Papier als sinnlichem Medium festzuhalten. Die erste Nummer entspricht hohen ästhetischen und inhaltlichen Ansprüchen. Das Unternehmen schreibt: »Das Projekt ist aus der engen Verbundenheit mit Kunst und Gestaltung entstanden und aus dem Wunsch, eine zeitgemäße und offene Plattform zum Austausch über jedwede Kunstform zu schaffen.«
James Reeve, Lightscape # 24 – Los Angeles, 2010, Photograph
© James Reeve
Jack Pierson, Road
Picture, 1991/2002 Iris print, Edition 5
© Jack Pierson
Photo: Alexander Hattwig, Berlin, Courtesy Aurel Scheibler Berlin
Apr. 07
Der exquisite Katalog zur hervorragenden Ausstellung
© Succession Marcel Duchamp, VG Bild-Kunst/courtesy Schirmer/Mosel
Marcel Duchamp (1887-1968) wusste zu provozieren. Nicht zufällig wurde er zum radikalen Erneuerer der modernen Kunst, zum Anreger Andy Warhols.
Bei jeder seiner Provokationen war die Re-Aktion der Adressaten Teil des Gesamtkunstwerks, und seine eigene Antwort auf die Intoleranz und das Unvermögen der anderen musste von ihm wohlberechnet mit einkalkuliert werden. Aber das war ein Lernprozess. 1912 stellte Marcel Duchamp dem Pariser Salon Indépendants sein Gemälde Akt eine Treppe herabsteigend, Nr. 2 zur Verfügung. Die Ablehnung der Jury war barsch. Und mit ihr hatte der 24-jährige Maler nicht gerechnet: Er habe mit dem Akt die Prinzipien des Kubismus verletzt. Und heute glaubt man es kaum: Ein Akt habe darüber hinaus nicht eine Treppe herabzusteigen, sondern zu liegen, begründeten die Kubisten ihre Zurückweisung des revolutionären Bildes. Duchamp reagierte prompt und holte das Bild persönlich wieder ab.
Dieses Ereignis gilt als unmittelbarer Auslöser von Duchamps anschließender Reise nach München, wo er sich zwischen dem 21. Juni und der ersten Oktoberwoche 1912 aufhielt. Er selbst beschrieb am Ende seines Lebens die Motivation für die Reise – wie stets stilisiert – so:
»Damals wäre ich irgendwo hingegangen. Wenn ich ausgerechnet nach München ging, so deshalb, weil ich in Paris einem Kuhmaler begegnet war – ich meine einen Deutschen, der Kühe malte, die besten Kühe natürlich, einem Bewunderer von Lovis Corinth und all den Leuten -, und als dieser Kuhmaler sagte: ‚Geh‘ nach München‘, stand ich auf und ging dorthin und lebte dort während Monaten in einem kleinen möblierten Zimmer. Es gab zwei Cafés, wo die Künstler hinzugehen pflegten, Kandinskys Buch war in allen Läden und man konnte Gemälde von Picasso sehen in der Galerie am Odeonsplatz. Ich sprach nie mit einer Menschenseele, aber ich hatte eine großartige Zeit.«
Marcel Duchamp, Akt eine Treppe herabsteigend Nr. 2
1912, Öl auf Leinwand
© Succession Marcel Duchamp, VG Bild-Kunst/ courtesy Schirmer/Mosel
Diese knapp drei Monate beeinflussten Duchamp nachhaltig. Verschiedene heute berühmte Werke wurden von ihm in dieser Zeit an der Isar entwickelt oder vorbereitet, so das Große Glas. Aber was beeinflusste Duchamp tatsächlich? Und: Verkehrte er wirklich mit niemandem, wie er kokettiert? Eine aufwendig vorbereitete Ausstellung in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, begleitet von einem fulminant-gelungenen Katalog aus dem Schirmer/Mosel-Verlag widmet sich zum hundertjährigen Jubiläum von Duchamps München-Aufenthalt diesen Fragen.
Die hochkarätige Schau ist reich an Premieren: Es ist nicht nur die erste Duchamp-Einzelausstellung in München, sondern zugleich die erstmalige Präsentation des Gemäldes Akt eine Treppe herabsteigend, Nr. 2 in Deutschland. Ausstellung und Begleitband stellen Bezüge her zu Personen, Vorläufern und Themenfeldern, die auf den jungen Künstler einwirkten, – die ihn anzogen. Im Jahre 1912 war München ein bedeutendes Zentrum für Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst. Bekannt ist, dass Duchamp immer wieder in die Alte Pinakothek ging. Unzählige Galerien, Museen und Kunstsammlungen mögen auf den neugierigen Franzosen gewirkt haben. Die Sezession zeigte ihre Internationale Kunstausstellung, wo Franz von Stucks Bildnis von Adam und Eva große Aufmerksamkeit auf sich zog.

Die Visitenkarte Marcel Duchamps, 1910 (Vorder- und Rückseite)
© Succession Marcel Duchamp, VG Bild-Kunst/ courtesy Schirmer/Mosel
Die Beiträge im Katalog vermitteln nun ein weitergehendes Bild davon, dass auch das Deutsche Museum und die Bayerische Gewerbeschau die Sicht des jungen Künstlers nachhaltig prägten. Neueste wissenschaftliche Forschungsergebnisse standen in Duchamps Fokus. So beschäftigt er sich in seinen Bildern aus der Münchner Zeit mit weiblicher Sexualpsychologie, der Institution der Ehe und der Psychologie des Junggesellendaseins.
Der zweisprachige Katalog ist der stilechte Begleiter der herausragenden Duchamp-Ausstellung: Neben der gelungenen graphischen Gestaltung sind die Text-Beiträge hervorzuheben, die die bisherige Forschung nicht nur rezitieren, sondern fortschreiben. Und sämtliche Autoren beweisen, dass wissenschaftliches Schreiben auch in einer spannenden Sprache geschehen kann. Aufgrund der zahlreichen Abbildungen und Querverweise liegt hier beinahe ein Marcel Duchamp-Handbuch vor.
Ausstellung und Katalogbuch sind Meilensteine in Sachen Marcel Duchamp.
DANDY-CLUB Empfehlung!
Städtische Galerie im Lenbachhaus |
|
| Luisenstraße 33 80333 München Telefon +49 89 233 32 00 0 Fax + 49 89 233 32 00 3/4 lenbachhaus(at)muenchen.de Telefonische Ansage +49 89 233 32 00 |
Apr. 06
Ida Gerhardi, Selbstbildnis, 1904
Öl auf Leinwand, 43 x 30 cm, Privatbesitz,
Photo: Steffen Schulte-Lippern
Die Künstlerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden wiederentdeckt. Die Stadt Lüdenscheid ehrt ihre Tochter Ida Gerhardi (1862-1927) mit der ersten umfassenden Ausstellung zu ihren Pariser Werken.
Die Malerin steht damit in einer illustren Reihe von Künstlerinnen, die ihr Leben konsequent der Kunst verschrieben hatten und einen eigenen Stil entwickelten. Sehenswerte Ausstellungen der jüngsten Vergangenheit widmeten sich Trude Fleischmann, Eva Besnyö oder Dodo. All diesen Frauen gemein war ein außerordentliches Talent und der ungestüme Wille, ihre Werke einem schwierigen Leben voller teils gesundheitlicher Komplikationen und gesellschaftlicher Umbrüche abzutrotzen.
1890 geht die 18-jährige Ida nach München, um dort die Damenakademie des Künstlerinnen-Vereins zu besuchen. Bereits im Jahr darauf zieht sie nach Paris. Hier nimmt sie ein Studium an der Académie Colarossi auf. Zu der europäischen Kulturmetropole soll sie dann ein Leben lang eine problematische Liebe verbinden. Immer wieder verlässt sie die Stadt – und kehrt doch für begrenzte Zeit immer wieder zurück. Auch nach Berlin entwickelt die couragierte junge Malerin vielfältige Bande: Im Jahr 1900 nimmt sie erstmals an der Ausstellung der Berliner Secession teil. Insbesondere in den folgenden Jahren erhält sie verschiedene Portrait-Aufträge. Diese sind für Ida Gerhardi, die sehr auf ihre künstlerische Unabhängigkeit bedacht ist, zwieschneidig: Einerseits kann sie sich über die Aufträge freuen. Sie sichern für eine gewisse Zeit ihre materielle Existenz und bringen meist Folgeaufträge aus dem vermögenden Bürgertum. Andererseits waren die Auftraggeber nicht immer zufrieden mit dem Ergebnis.
Für ihre weitere Entwicklung von Bedeutung war der Auftrag von Eduard Arnhold, einem reichen Berliner Unternehmer und Mäzen, die Olympia von Eduard Manet zu kopieren. Die 1908 fertiggestellte Kopie löste heftige Reaktionen aus und spaltete die Berliner Kunst-Landschaft in zwei Lager. Hatte sich der Streit in Frankreich um das Original gelegt, so fachte er – wenn auch nur für kurze Zeit – in Berlin noch einmal auf.
Die Städtische Galerie Lüdenscheid zeigt noch bis zum 15. Juli 2012 in Paris entstandene Arbeiten Ida Gerhardis zusammen mit anderen deutschen Malerinnen, die zur Jahrhundertwende in Paris ihr Glück versuchten. Als erste zu nennen ist Käthe Kollwitz, mit der die Lüdenscheiderin befreundet war, und die Künstlerinnen und Künstler im Umkreis des Café du Dôme.
Das begleitende Katalogbuch aus dem Hirmer Verlag dokumentiert in großzügiger Gestaltung die ausgestellten Werke. Ein Schwerpunkt sind die Beziehungen der Malerin zu ihren Künstlerfreundinnen und zu Förderern. So ergibt sich ein anschauliches Panorama einer Künstler-Szene zur Jahrhundertwende. Ein Dutzend Aufsätze vertieft das Verständnis einer engagierten Künstlerin, die als Frau und Malerin ihrer Zeit voraus war.
Ida Gerhardi, Tanzbild X (Tanz-Szene bei Bullier, Paris), 1905
Öl auf Pappe, 45,5 x 49 cm, Städtische Galerie Lüdenscheid,
Photo: Steffen Schulte-Lippern © Städtische Galerie Lüdenscheid
Ida Gerhardi, Apachenkneipe, um 1906
Öl auf Leinwand, 49 x 55 cm, Privatbesitz,
Photo: Steffen Schulte-Lippern
Apr. 05
August Sander, Junge Bauern (Young Farmers), 1914
© SK-Stiftung Kultur – August Sander Archiv/VG-Bild Kunst, Bonn
Die New Yorker Edwynn Houk Gallery präsentiert noch bis zum 12. Mai 2012 eine Ausstellung von mehr als 40 Bildern des Photographen August Sander. Anlass ist die Repräsentation der August Sander-Familien-Sammlung durch die Galerie.
Alle Photos stammen aus der Serie Die Bürger des zwanzigsten Jahrhunderts, einem ehrgeizig angelegten Projekt, in dem August Sander Menschen in der Weimarer Republik portraitieren wollte – quer durch alle sozialen Schichten, Regionen, Altersstufen.
Bauern, Studenten, Arbeiter, Geschäftsleute, Bankiers, Künstler, Kinder, Behinderte und Arbeitslose interessierten ihn gleichermaßen.
1934 beschlagnahmten die Nazis alle Kopien von Sanders Büchern und Drucken, die sie finden konnten und verbannten diese. Ihn daran zu hindern, weiter Portraits zu machen, ist ihnen nicht gelungen.
Till May 12, 2012
745 Fifth Avenue, 4th Floor
New York, NY 10151
Tel 212 750 7070
Fax 212 688 4848
Hours: Tues-Sat 11-6
info@houkgallery.com
Apr. 04
Affiches de l’exposition
© Affiche Réunion des musées nationaux – Grand Palais
Die erste Retrospektive Helmut Newtons (1920 – 2004) seit seinem Tod in Frankreich: Das gern von Karl Lagerfeld gebuchte Grand Palais zeigt noch bis zum 17. Juni 2012 eine große Werk-Ausstellung zu dem Photographen, der mitten in der Welt des materiellen Reichtums, von Maske und Fassade lebte – und diese sensibel portraitierte.
Die Ausstellung umfasst mehr als zweihundert Bilder. Es handelt sich beinahe ausschließlich um Original-, respektive Vintage-Abzüge, die unter Helmut Newtons Aufsicht hergestellt worden sind.
Die großen Themen von Helmut Newton sind die Zentren der Ausstellung: Mode, Akt, Portrait, Sex, Humor. Das Werk des Künstlers entstand an den Pfründen der westlichen Gesellschaft und deren Sicht auf den weiblichen Körper.
Affiches de l’exposition
© Affiche Réunion des musées nationaux – Grand Palais
Apr. 01
Das wohl meistgenutzte Emblem zum Dandytum:
Das Portrait Robert de Montesquious (1855–1921)
von Giovanni Boldini, 1897, Musée d’Orsay, Paris
Die Städtischen Bühnen Münster beschäftigen sich ab heute, 1. April 2012, mit dem Dandy. In einer dreimonatigen Reihe der Theatergespräche werden Kulturwissenschaftler aus verschiedenen Ländern bedeutende Vertreter dieses Sozialtypus vorstellen. Ensemblemitglieder der Städtischen Bühnen zitieren aus Memoiren, Briefen, Tagebüchern, Biographien, Zeitzeugenberichten und Modejournalen.
Der Eintritt kostet jeweils 8,- €, bei Buchung der gesamten Reihe 85,- €.
Das Programm ist wahrlich umfangreich und verspricht lehrreiche Stunden:
Sonntag, 1. April, 11.30 Uhr
Dr. Fernand Hörner,
Institut für Medienkulturwissenschaft, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg
Was ist der Dandy?, oder Über die Unfassbarkeit
Montag, 2. April, 20.00 Uhr
Prof. Dr. Günter Erbe, Institut für Soziologie,
Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Freie Universität Berlin,
Ilja Harjes, Städtische Bühnen Münster
Beau Brummell und Lord Byron
Dienstag, 10. April, 20.00 Uhr
Prof. Dr. Carola Hilmes,
Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt,
Regine Andratschke, Städtische Bühnen Münster
Oscar Wilde
im Anschluss: 22.00 Uhr
Marli Feldvoß, Frankfurt
Brian Gilbert und Oscar Wilde. Eine Einführung
„Wilde“, Regie: Brian Gilbert, 1997, Filmvorführung
Montag, 16. April, 20.00 Uhr
Prof. Dr. Karin Westerwelle,
Romanisches Seminar, Westfälische Wilhelms-Universität Münster,
Frank-Peter Dettmann, Städtische Bühnen Münster
Charles Baudelaire und Barbey d’Aurevilly
Montag, 23. April, 20.00 Uhr
Prof. Dr. Volker Roloff,
Romanistik, Universität Siegen,
Wolf-Dieter Kabler, Städtische Bühnen Münster
Robert de Montesquiou, Marcel Proust und Joris-Karl Huysmans
Montag, 30. April, 20.00 Uhr
Eckart Klessmann, Hamburg,
Stefanie Kirsten, Städtische Bühnen Münster
Fürst Hermann von Pückler-Muskau
Montag, 07. Mai, 20.00 Uhr
Dr. Dalia Klippenstein, Münster,
Kathrin-Marén Enders, Städtische Bühnen Münster
Sergei Djagilew
Montag, 14. Mai, 20.00 Uhr
Dr. Wolfram Setz, Hamburg,
Bernhard Glose, Städtische Bühnen Münster
Jacques d’Adelswärd-Fersen und Roger Peyrefitte
Montag, 21. Mai, 20.00 Uhr
Dr. Paola Barbon,
Romanisches Seminar, Ruhr-Universität Bochum,
Marek Sarnowski, Städtische Bühnen Münster
Curzio Malaparte
Dienstag, 29. Mai, 20.00 Uhr
Dr. Irene Chytraeus-Auerbach, Siena,
Christiane Hagedorn, Städtische Bühnen Münster
Gabriele d’Annunzio
Montag, 04. Juni, 20.00 Uhr
Dr. Annette Seemann,
Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek e.V., Weimar,
Johannes-Paul Kindler, Städtische Bühnen Münster
Harry Graf Kessler
Montag, 11. Juni, 20.00 Uhr
Prof. Dr. Albert Gier,
Institut für Romanistik, Otto-Friedrich-Universität Bamberg,
Carola von Seckendorff, Städtische Bühnen Münster
Jean Cocteau
Montag, 18. Juni, 20.00 Uhr
Prof. Dr. Gisela Dischner, Deutsches Seminar,
Abteilung Literaturwissenschaft, Leibniz Universität Hannover,
Carolin M. Wirth, Städtische Bühnen Münster
Søren Kierkegaard
Montag, 25. Juni, 20.00 Uhr
Prof. Dr. Günter Erbe, Institut für Soziologie,
Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Freie Universität Berlin,
Wolf Dieter Kabler, Städtische Bühnen Münster
Cecil Beaton und Eduard Herzog von Windsor
Montag, 2. Juli, 20.00 Uhr
Dr. Gerhard Kolberg, Museum Ludwig, Köln,
Matthias Caspari, Städtische Bühnen Münster
Salvador Dali
Dienstag, 3. Juli, 20.00 Uhr
Dr. Barbara Straumann, Englisches Seminar, Universität Zürich,
Benjamin Kradolfer, Städtische Bühnen Münster
Andy Warhol
Mittwoch, 4. Juli, 20.00 Uhr
Prof. Dr. Barbara Vinken, Ph.D.
Lehrstuhl für Romanische und Allgemeine Literaturwissenschaft,
Ludwig-Maximilians-Universität München
Von Dandy bis Dior. Die neue männliche Linie
Städtische Bühnen Münster/ Theatergespräche: Der Dandy