Sep
20

Anne Carson – Albertine – 59 Liebesübungen

Anne Carsons Aphorismen zu Marcel Proust sind das ultimative Geschenk für Proust-Leser
© Matthes & Seitz Berlin Verlag 2017

 

 

 

Anne Carson, Albertine – 59 Liebesübungen
+ Appendizes.
44 Seiten, Klappbroschur, 14 €, Matthes & Seitz Berlin Verlag 2017.

 

 

 

G. spricht Englisch. Doch ist G. dermaßen von Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit angetan, daß er alle sieben Bände in der französischen Originalfassung liest. Jeden Tag ein Stück. Sieben Jahre lang.

 

 

 

G. heißt eigentlich Geryon und ist eine Romanfigur der Kanadierin Anne Carson. In Rot. Ein Roman in Versen erzählte die Autorin von Geryons Kindheit und Jugend. Red Doc> setzte den Lebensbericht fort und beschreibt die mittleren Jahre des Proust-Fanatikers.

 

 

 

Nachdem sich Geryon durch den gewaltigen Jahrhundertroman gearbeitet hat, der je nach Ausgabe schon einmal deutlich über 5.000 Druckseiten haben kann, kommt nach der kurzen Freude, den Text bewältigt zu haben, – eine tiefe Depression: Nachdem Proust ihn täglich begleitet hat: Was nun tun? G. fällt in ein riesiges Loch der Leere.

 

 

 

Anne Carson beschreibt diese »Nach-Proust-Wüste« von G. in ihrer Fortsetzung Albertine so:

»Wer von Ihnen je Proust gelesen hat, weiß, wovon ich spreche, plötzlich tut sich eine Gletscherlandschaft vor Ihnen auf, weil Ihnen nichts mehr lesenswert erscheint, und Sie haben nur noch einen einzigen Wunsch, nämlich, dass dieser Proust noch einmal von vorn anfängt, aber natürlich kann er das nicht mehr, und so lesen Sie planlos alles über Proust, Kritisches, wie Biografisches, aber das ist nicht dasselbe, und so geben Sie es irgendwann wieder dran und stellen fest, dass Sie schon eine ganze Weile in einem Proust-Entzug stecken, und das Leben geht weiter, nur eben etwas grauer.«

 

 

 

Und so beschloß G., einen Essay über Proust zu schreiben, genauer über Proust und den Schlaf, dem er selbst so häufig nachgeht. Die interessanteste schlafende Figur in Prousts Roman-Labyrinth ist Albertine. So widmet er sich ihr…

 

 

 

Die 1950 geborene Anne Carson ist Klassische Philologin, Dichterin, Essayistin und Übersetzerin. Albertine setzt ihr freudvolles Spiel mit Proust intellektuell-frivol fort. Nicht nur für jeden Proust-Leser ist dies schmale Bändchen eine Bereicherung.

 

 

 

Aug
28

Barry Feinstein – Unseen McQueen

© Photogrph Judith Jamison/Barry Feinstein Photography, Inc.

 

 

 

 

Unseen Mcqueen: Barry Feinstein
Herausgegeben von Dagon James und Tony Nourmand
128 Seiten mit 100 Schwarz-Weiß-Abbildungen, gebunden, Reel Art Press, 19,95 €.

 

 

 

Die Freundschaft zwischen Steve McQueen und und Barry Feinstein ist ein Glücksfall, hat der US-Photograph doch unzählige hervorragende Aufnahmen des King of Cool geschaffen. Ein gelungenes Photobuch bringt nun 100 bislang unveröffentlichte Aufnahmen.

 

 

Der Ruf des Schauspielers Steve McQueen (1930-1980) ist noch heute legendär. Er galt als sehr verschlossen, hatte eine harte Kindheit hinter sich. Seinen wenigen Freunden allerdings galt er als Vertrauter. McQueen war kein Freund von vielen Worten.

 

 

Noch heute sind seine großen Filme hochgeschätzt: Bullitt, Le Mans oder Getaway haben Filmgeschichte geschrieben. Kaum einer verkörpert – bis heute – das coole Raubein so wie er.

 

 

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Aug
16

Maxime Ballesteros – Les Absents

© Maxime Ballesteros, First Date

 

 

 

Maxime Ballesteros, Les Absents
272 Seiten mit 217 Farbabbildungen,
Englisch, Französisch, Hatje Cantz Verlag 2017, 35 €.

 

 

 

Der Photograph Maxime Ballesteros ist bekannt geworden als Chronist des Berliner Szene-Lebens. Nun präsentiert eine Monographie Photos seines Werkes der vergangenen zehn Jahre.

 

 

Werk und Künstler sind sehr widersprüchlich. Der 1984 in Frankreich geborene Künstler beschreibt sich selbst als äußerst schüchtern. Seine Aufnahmen dagegen zeigen oft frivole Situationen, Exhibitionismus – ohne jedoch dabei pornographisch oder plakativ zu werden.

 

 

Ballesteros ist Zeuge und Chronist des Berliner Nachtlebens zugleich. Nie zeigt er allerdings Menschen, die dies nicht wollen. So sind von den sexy Körpern der schönen Frauen und trainierten Männer oft die Gesichter nicht zu sehen. Die Erotik ist bei ihm eher indirekt; der Betrachter kann sich eine Menge vorstellen. Was in der Nacht noch kommt. Was schon passiert sein mag. Vielleicht liegt der auch total daneben. Das macht den Reiz dieser Photos aus.

 

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Jul
26

Elliott Erwitt – Cuba

Elliott Erwitt, Fidel Castro, Havana 1964
© CUBA by Elliott Erwitt, published by teNeues, € 69,90, www.teneues.com
© 2017 Elliott Erwitt/Magnum Photos
All rights reserved

 

 

 

Elliott Erwitt – Cuba
224 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag,
teNeues Media 2017, 69,90 €.

 

 

Der berühmte US-amerikanische Photograph Elliott Erwitt verbrachte 1964 als Gast Fidel Castros eine Woche im nach-revolutionären Kuba. Seine Photos prägen heute das weltweite kollektive Bewußtsein über Fidel Castro und den Inselstaat. 2015/2016 reiste Erwitt erneut nach Kuba, um die heutige Lage zu dokumentieren. Entstanden ist ein herausragendes Photobuch.

 

 

1964 schickte die Zeitschrift Newsweek Elliott Erwitt nach Kuba, um zu photographieren, wie das Leben auf der Karibikinsel fünf Jahre nach der siegreichen Revolution durch Fidel Castro und seine Mitstreiter aussieht. Er hat sicher nicht gedacht, wie einflußreich seine Aufnahmen seitdem werden sollten. Der Begriff der Ikone ist in der Photographie überstrapaziert. Hier trifft er fraglos zu.

 

 

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Jul
19

50 Shades

English singer-songwriter David Bowie, circa 1974. (Photo by Anwar Hussein/Hulton Archive/Getty Images)

 

 

50 Shades.
herausgegeben von Tony Nourmand.
Englisch, gebunden, Reel Art Press/Getty Images, London, 24,95 €.

 

 

Das Schwarz-Weiß-Photo-Buch 50 Shades versammelt knapp 60 großformatige Aufnahmen von Prominenten mit Sonnenbrillen. Es sind Photos von Photographen der Agentur Getty Images, die uns zeigen, wie cool man mit einer Sonnenbrille wirken kann.

 

 

»Die Sonnenbrille ist mein mobiler Lidschatten. Durch sie sieht alles ein bißchen jünger und schöner aus«, sagte Stilikone Karl Lagerfeld über seine verdunkelnden Augengläser. Damit hat der Modemacher, Photograph und Büchersammler eine wichtige Funktion der Sonnenbrille auf den Punkt gebracht: Wir sehen uns die häßliche Welt ein wenig weicher, weniger deutlich.

 

 

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Jul
16

Hans Feurer

© Hans Feurer, Elle France, 1988

 

 

 

Hans Feurer gehört zu den renommiertesten Mode-Photographen. Die Galerie Camera Work zeigt etwa 25 teils großformatige Photos und begeht damit zugleich ihr 20-jähriges Bestehen.

 

Der 1939 in der Schweiz geborene Hans Feurer schuf vom Beginn seiner Laufbahn als Mode-Photograph einen eigenen Stil: Kleidung und Model verschmelzen zu einem Kunstwerk – oft eingebettet in eine exotische Landschaft.

 

Nach einem Kunststudium arbeitete er zunächst als Grafikdesigner und Illustrator. Nachdem er festgestellt hatte, daß die Photographen zu den schönsten Orten der Welt reisen konnten und dabei noch gutes Geld verdienten, beschloß er es ihnen gleich zu tun.

 

 

Hans Feurer

Ausstellung vom 15. Juli bis 14. Oktober 2017
CAMERA WORK, Kantstraße 149, 10623 Berlin.
www.camerawork.de
Öffnungszeiten: Di–Sa, 11–18 Uhr. Eintritt frei.

Jul
10

Jules Barbey d’Aurevilly – Die Gebannte

Jules Barbey d’Aurevilly photographiert von Nadar
Quelle: Wikipedia

 

 

Jules Barbey d’Aurevilly, Die Gebannte
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Gernot Krämer
Matthes & Seitz Berlin Verlag 2017, 312 Seiten, Leinen, 28 €.

 

 

Jules Barbey d’Aurevilly war ein bedeutender Autor, Reaktionär und Christ im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Der Matthes & Seitz Verlag macht sich seit vielen Jahren verdient um diesen großen Stilisten und Dandy. Nun erscheint dessen Roman Die Gebannte in einer Neuausgabe.

 

 

Jules Barbey d’Aurevilly ist dem breiten Publikum nicht bekannt. Obwohl Stilist von Gnaden, wird er von den Schatten seiner berühmteren Kollegen, allen voran Balzac, im Dunklen stehen gelassen. Der Verlag Matthes & Seitz Berlin bemüht sich seit Jahren, diesen großartigen Stilisten, Dandy und Reaktionär aus dem Schatten zu holen. Mit dem Roman Die Gebannte erscheint nun das sechste Buch von Barbey in einer schön gestalteten Neuausgabe. Zuletzt erschien 2014 Der Chevalier Des Touches. Im Jahr 2008, zum 200. Geburtstag Barbeys publizierte der Verlag den Roman Die alte Mätresse und die Aphorismensammlung Feinheit des Geistes rührt von Niedertracht. Sein Traktat Über das Dandytum und über Georg Brummell ist eine der wichtigsten theoretischen Schriften zum Dandytum überhaupt.

 

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Jul
01

Markus Lüpertz in America

Markus Lüpertz, Satyr + Nymphe II | Satyr + Nymph II 2014
© Markus Lüpertz/VG Bild-Kunst, Bonn
Photo: © Jörg von Bruchhausen, Berlin
Aus: Markus Lüpertz, Sieveking Verlag 2017

 

 

 

 

Ausstellungen

Markus Lüpertz – Threads of History
Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, DC
noch bis 10.
September 2017

Markus Lüpertz
The Phillips Collection, Washington, DC
noch bis 3. September 2017

Begleitbuch

Markus Lüpertz
260 Seiten mit 173 Abbildungen, Englisch, gebunden in Leinen mit Titelprägung, Druck auf Seidenmatt-Papier, Sieveking Verlag 2017, 49,90 € (D).

 

 

 

Markus Lüpertz ist einer der bedeutendsten lebenden Künstler Deutschlands. In den USA ist der Maler und Dandy noch weitgehend unbekannt. Das wollen nun zwei Ausstellungen in Washington und ein Begleitbuch ändern.

 

 

 

Die Ausstellungen. Gleich zwei Schauen in der US-Hauptstadt Washington D.C. sollen den Nachholbedarf der Amerikaner in bezug auf Markus Lüpertz, also known as Malerfürst stillen. Beide begannen Ende Mai 2017 und laufen bis September. Threads of History (Fäden der Geschichte) nannten die Kuratoren des Hirshhorn Museums die erste Retrospektive von Markus Lüpertz in den USA. Sie fokussiert die die frühen Lüpertz-Gemälde der 1960er und 70er Jahre. Es sind die nachempfundenen Stadtstrukturen Babylons und Motive von Markus Lüpertz‘ Heimat Deutschland, mit denen er sich in Opposition zu den später als 68er bezeichneten Malern auseinandersetzte. Motive wie Stahlhelm oder Soldatenrock thematisieren die kriegerische Vergangenheit seines Vaterlandes. Das Gemälde mit dem Titel Westwall mißt zwölf Meter. Die Phillips Collection in derselben Stadt zeigt damit korrespondierend beinahe 50 Werke von den 1960er Jahren über die Donald-Duck-Serien, die dythrambischen Bilder bis zu diesem Jahrtausend.

 

 

 

Markus Lüpertz, Segelschiff | Sailing Ship 1967
© Markus Lüpertz/VG Bild-Kunst, Bonn
Photo: © Lothar Schnepf, Cologne
Aus: Markus Lüpertz, Sieveking Verlag 2017

 

 

 

Der Künstler. Markus Lüpertz wird 1941 in Liberec/Böhmen geboren. Mit sieben Jahren kommt er mit seiner Familie nach Westdeutschland. Von 1956 bis 1963 studiert er an der Werkkunstschule Krefeld und an der Kunstakademie Düsseldorf. 1962 zieht Lüpertz nach Berlin-(West), wo er die Selbsthilfegalerie Großgörschen 35 mitgründet. Entgegen der zeitgeistigen Abstraktion beginnt Lüpertz, gegenständliche Inhalte darzustellen. Seine expressiven Bilder bezeichnet er 1966 in einem Manifest als dithyrambische Malerei. Dionysos gilt in der altgriechischen Mythologie als Gott der Fruchtbarkeit.

 

 

 

In den Jahren von 1969 bis 1977 entstehen die Deutschen Motive, stillebenartige Bildkompositionen, die symbolbehaftete Gegenstände der Vergangenheit wie Stahlhelme, Schaufeln oder Fahnen in monströser Größe präsentieren und somit auf eigene Art eine Auseinandersetzung mit der jüngsten Vergangenheit in Deutschland fordern. 1976 nimmt Lüpertz eine Professur an der Akademie in Karlsruhe an. Die zunehmende Abstraktion gibt er Anfang der 1980er Jahre zugunsten einer neuen Gegenständlichkeit auf. Lüpertz arbeitet in der Folgezeit mit sämtlichen Techniken der Druckgraphik. Er ist dabei auch Autor und Herausgeber einer artifiziellen Zeitschrift namens Frau und Hund. 1986 wird Markus Lüpertz an die Kunstakademie Düsseldorf berufen, die er von 1988 bis 2009 als Rektor leitet. Seinem Werk sind seit 1964 viele Einzelausstellungen gewidmet.

 

 

 

 

Lüpertz working in his studio on Akazienstrasse, Berlin, 1972–73
© Galerie Michael Werner
Aus: Markus Lüpertz, Sieveking Verlag 2017

 

 

 

Der Dandy. Markus Lüpertz ist Dandy im hier vertretenen Sinne eines hochgebildeten und reflektierten Gentleman in der Revolte. Sein dandyistischer Auftritt ist einerseits Abgrenzung vom herrschenden Mittelmaß. Andererseits Aufforderung, sich mit dem Geistigen dieses Künstlers zu befassen. In seinem hervorragenden Text im Begleitband zu den Ausstellungen stellt Peter Weibel den Ausnahmekünstler in eine Reihe mit Siegmar Polke, Baudelaire, Oscar Wilde, Walter Serner und Franz Blei. Zurecht stellt der Autor fest, daß der Dandy bestrebt ist, mittels der Kultivierung seines Äußeren, seines Witzes und Sarkasmus, sich als Kunstfigur zu erschaffen. »The dandy’s aim is to declare his existence unique. This radical existentiality is a responce that goes back to the courtly milieu, the age, oft he aristocratie.« Wer mehr erfahren möchte über Lüpertz‘ Sicht unseres Gemeinwesens, sollte sich das ein oder andere Interview auf Youtube ansehen.

 

 

 

Das Begleitbuch. Mit dem bibliophilen Künstlerbuch zeigt der noch recht junge Sieveking Verlag erneut, welch hoher Anspruch ihn treibt. Es ist mehr als ein Katalog, präsentiert es doch auf schwerem Mattpapier neben den ausgestellten Werken das vollständige Ausstellungsverzeichnis von Markus Lüpertz. Neben einem Grußwort des deutschen Botschafters in den USA führen mehrere Texte in Werk und Perzeption dieses außergewöhnlichen Œuvres ein. Dem Anlaß angemessen besitzt der gebundene Leinenband einen hochwertigen Schutzumschlag.  Prädikat: Sammelwürdig.

 

© Matthias Pierre Lubinsky 2017

 

 

Jun
27

Krachkultur 18 – Natur

Krachkultur Ausgabe 18 mit einem Cover von Yanko Tsvetkov
© Krachkultur/Yanko Tsvetkov

Krachkultur 18/2017 – Natur
Herausgegeben von Martin Brinkmann und Alexander Behrmann
189 Seiten, Ppb., 14 €.

 

 

 

Wenn der Literatur-Leser den Wald betritt, erinnert ihn der Geruch an ein Shampoo vom Penny Markt, schreiben die Herausgeber der coolen Literaturzeitschrift Krachkultur in ihrem Vorwort zur neuen Ausgabe zum Thema Natur. Die Nummer 18 ist wie stets anregend, niveauvoll, intelligent und überhaupt – krass schön.

 


 

Der erste Beiträger der Krachkultur 18 ist der US-amerikanische Schriftsteller, Lyriker und Trinker James Dickey (1923-1997).

 

 

Bekannt wurde Dickey in den USA zuerst als Lyriker. Leben konnte er aber davon geraume Zeit nicht. Daher schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch, deren finanzielle Ausbeute dann glücklicherweise durch Literatur-Stipendien und Preisgelder erheblich aufgebessert wurde. Seinen Durchbruch erzielte Dickey mit dem grandiosen Roman Flußfahrt (Deliverance), der mit Burt Reynolds und Jon Voight unter dem Titel Beim Sterben ist jeder der Erste verfilmt und zu einem riesigen Erfolg bei Kritikern und Publikum wurde. Erzählt wird die Kanufahrt von vier zivilisationsmüden Amerikanern, die sich zu einem Alptraum aus Bedrohung und Mord entwickelt.

 

 

Den famosen Naturgedichten von James Dickey folgt ein nicht minder furioser Bericht des Brooklyner Lyrikers Joshua Mehigan. Der erzählt von einem Telephonanruf, der ihn beim Bügeln erreicht. Es ist der erwähnte Dickey, der ihn anruft, sich jedoch als Apollo meldet und so nicht zu erkennen gibt. Dickey antwortet auf einen Brief, den ihn der überschwenglich begeisterte Mehigan schrieb. Mehigan war zu der Zeit noch Schüler und hatte dem Bewunderten einen überschwänglichen Brief nach seiner Lektüre der Aufsatzsammlung From Babel to Byzantium geschrieben.

 

 

Na ja, Dickey hatte wohl – wie meist – einen im Tee und wollte wissen, wer ihm da seine Bewunderung ausgedrückt hat. Mehr sei hier nicht verraten; das muß man selbst lesen.

 

 

Das Feuerwerk in dieser wiederum rundum gelungenen Ausgabe läßt kaum nach. Allein die Namen der Autoren sollten aufhorchen lassen. Ein gewisser Nachwuchsliterat namens Martin Mosebach ist ebenso mit dabei wie Heimito von Doderer.

 

 

Thomas Palzers Reflexionen über unsere Existenz IN DER NATUR ist ebenso sinn-voll, bewußtseins-erweiternd und erhellend (»Der Körper ist die Zeit, die wir überdauern, ist die Spanne, die zwischen Geburt und Tod liegt – und dazwischen liegt der Schmerz.«).

 

 

Hat man sich diese neue Krachkultur erarbeitet, mehr erwandert als erlesen, so wirkt das Vorwort der Herausgeber Martin Brinkmann und Alexander Behrmann fast ein wenig zu entschuldigend, zu selbstkleinmachend, wenn sie schreiben: »Alles was schützenswert ist, kann selbstverständlich Thema der Krachkultur werden. So auch die Natur.«

 


Keine Entschuldigung! Jungs und Mädels, ihr habt der Natur einen großen Dienst erwiesen.

© Matthias Pierre Lubinsky 2017

 

www.krachkultur.de

Jun
21

Robert Longo – Gang of Cosmos

Robert Longo, After Pollock
© Robert Longo, VG Bild-Kunst, Bonn 2017

 

 

 

Robert Longo, Gang of Cosmos
The abstract expressionist drawings
Englisch, 128 Seiten mit 68 Abbildungen.
Gedruckt auf Munken Lynx Rough 150 g und Lumi Silk 170 g. Leinen, 48 €.

 

 

Der US-amerikanische Künstler Robert Longo gilt als einer der bedeutendsten Graphiker der Gegenwart. In den vergangenen Jahren beschäftigte er sich mit berühmten Bildern des Abstrakten Expressionismus. Ein wohlfeiles Künstlerbuch dokumentiert nun seine Versionen einiger Gemälde.

 


Die Installation mit teils riesigen Kohlezeichnungen von Robert Longo war eines der absoluten Highlights des Gallery Weekends Berlin im Jahre 2012. Begleitet wurde diese ungeheure Schau von einem Buch, das gerade in zweiter Auflage vorliegt.

 

 

Robert Longos Meisterschaft liegt unter anderem darin, Photos so detailgetreu nachzuzeichnen, daß der Betrachter erst bei aller-nächstem Ansehen merkt, daß es sich bei dem Werk gar nicht um eine Photographie, sondern um eine Kopie desselben mittels Kohlestift handelt.

 

 

Der 1953 in Brooklyn/ New York geborene Künstler hat dabei eine so unwahrscheinliche Meisterschaft entwickelt, daß eine Reihe von Besuchern der damaligen Ausstellung nicht glauben mochte, daß sie nicht vor einem Photo stehen.

 

 

In den vergangenen Jahren nun hat sich der vom New Wave inspirierte Graphiker dem Abstrakten Expressionismus zugewandt. Newman, Kline oder Rothko heißen die Maler, auf deren Werke er sich in der Intensität einließ, daß er Kopien schuf. Nur mit schwarzer Kreide. Die Ausstellung dieser Werke in einer New Yorker Galerie im Jahr 2014 war ein ungeheurer Erfolg.

 

 

Das wohlfeile Künstlerbuch Robert Longo – Gang of Cosmos dokumentiert neben den in Kohle wiedergegebenen Gemälden auch Detailansichten, die die perfektionistische Technik von Longo verdeutlichen.

 

 

Das aufwendig gestaltete Künstlerbuch präsentiert im Riesenformat und im ansprechenden Leineneinband neben der damaligen Ausstellung der Galerie auch großformatige Ansichten von Longos Atelier.

 

 

Ein herausragendes Künstlerbuch, das dazu motiviert, sich die Kohlebilder einmal im Original anzuschauen. Denn kein Buch, so gut es auch immer gestaltet ist, kann den wahren Blick auf die riesigen Originale Robert Longos ersetzen.

 

© Matthias Pierre Lubinsky 2017

 




 

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