Jan
23

IconiCars Porsche 911


Zwei Kunstwerke in einem: Der Porsche 911, G-Modell photographiert von René Staud
Photo © Staud Studios GmbH, Leonberg, Germany. www.staudstudios.com







IconiCars Porsche 911
Mit Photos von René Staud
Text: Elmar Brümmer
160 Seiten, gebunden. teNeues 2019, 24,95 €.





Der Porsche 911 ist im Laufe der Jahrzehnte vom Auto zur Ikone mutiert. Kein Wunder also, dass teNeues diesem Sportwagen den ersten Band seiner neuen Reihe IconiCars widmet.




Zum Porsche 911 muss man nicht mehr viele Worte verlieren: Seit den 1960er Jahren ein Traum vieler Jungs, ein Kunststück deutscher Ingenieurs-Leistung, bei dem über 50 Jahre und über ein halbes Dutzend verschiedener Baureihen fast alles stimmt. Vom kultigen Design, über die Verarbeitung bis zum Motorsound – ein unverwechselbarer Sportwagen, der auf der ganzen Welt eine ungeheuer treue Fan-Gemeinde hat.



Robert Redford redet mit einer Frau in einem Porshe in einer Szene
im Film ‚The Downhill Racer‘, 1969. (Photo by Paramount/Getty Images)





Der Photo- und Textband IconiCars Porsche 911 bringt auch in der großen Menge von Büchern über dieses Auto noch viel überraschend Neues. Selbst eingeschworene Fans des Elfers – wie er von ihnen respektvoll genannt wird – sehen eine Vielzahl von Photos, die noch nicht veröffentlicht worden sind. Hier hatte der Photograph René Staud anscheinend die Freiheit, andere als die bekannten Aufnahmen auszuwählen. So überraschen viele Photos, die den 911 in ungewohnte Umgebung stellen. Über die Ästhetik der jeweiligen Jahrzehnte geben die Reproduktionen alter Werbemotive Auskunft, die die Staud-Photos wunderbar ergänzen.


Porsche 911 Carrera RSR
Photo © Staud Studios GmbH, Leonberg, Germany. www.staudstudios.com





Die Baureihen werden mit technischen Daten und Photos vorgestellt. Last but not least lesenswert  sind die diversen Anekdoten. So hat sich der berühmte Dirigent Herbert von Karajan 1974 einen speziellen Porsche Turbo anfertigen lassen. Der wog rund 200 Kilogramm weniger als das Serienmodell, hatte aber aufgrund eines größeren Turboladers noch einmal 100 PS mehr. Am Heck stand in Karajans üblichem Selbstbewußtsein statt turbo in derselben Schrift von Karajan.


© IconiCars Porsche 911, erschienen bei teNeues, € 24,95, www.teneues.com, Photo © Staud Studios GmbH, Leonberg, Germany. www.staudstudios.com

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© Matthias Pierre Lubinsky 2020


Jan
03

Choupette by Karl Lagerfeld

Eine pusthum erschienene Liebeserklärung an seine Katze
von Karl Lagerfeld





Choupette by Karl Lagerfeld
112 Seiten mit 53 Photographien von Karl Lagerfeld
Gebunden in Leinen, mit Leseband
L.S.D./Steidl Verlag 2018, 24 €.






Choupette by Karl Lagerfeld ist eine bibliophile Liebeserklärung des am 19. Februar 2019 verstorbenen Modemachers an seine Katze. Die weiße Birma wurde unter der Ägide von Lagerfeld zu einem der bestbezahlten Werbe-Models der Welt und zum internationalen Medienstar. Das stilvolle Photobuch enthält etwa 50 Aufnahmen, gemacht und ausgewählt von Herrchen.




Choupette gehörte ursprünglich Karl Lagerfelds Model und Muse Baptiste Giabiconi. Der bat seinen Mentor eines Tages, das Tier für einige Zeit in Obhut zu nehmen. Daraus entwickelte sich schnell einige innige Bindung – und Lagerfeld übernahm die weiße Birma-Katze.




Kalt Lagerfeld, der im Februar des vergangenen Jahres starb, war nicht nur der wohl berühmteste und einflussreichste Modeschöpfer der Nachkriegszeit, Photograph, Designer, Büchermacher und –sammler &C. &C. Der aus Hamburg stammende Deutsche war auch einer der brillantesten Marketing-Profis.




So konnte es nicht verwundern, dass er seine Katze für sein Marken-Konsortium einspannte und ihr eine adäquate Beschäftigung besorgte. Choupette bekam einen eigenen Facebook-Auftritt, einen Instagram- und natürlich einen Twitter-Kanal.




Karl Lagerfeld spitze die Vermarktung seiner Birma-Katze dandyesk zu, indem er sich im Jahr 2012 darüber beschwerte, die Katze sei berühmter als er. Der weiteren kollaborativen Medien-Karriere schadete dies nicht. Choupette posierte für den neuen Opel Corsa wie für japanische Kosmetika. Noch heute sind ganze Serien von Lagerfelds eigenen Marken mit dem Antlitz der Katze geschmückt.




Choupette by Karl Lagerfeld ist eine sehr persönliche Liebeserklärung. Das Photobuch enthält 53 Portraits der Katze, die von gegenseitiger Zuneigung zeugen.

© Matthias Pierre Lubinsky 2020

Dez
04

Philipp Tingler – Rate, wer zum Essen bleibt

Philipp Tinglers neuer Roman ist ein Bravourstück von Beobachtungsgabe





Philipp Tingler: Rate, wer zum essen bleibt
Roman. 208 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag und Leseband.
Kein & Aber 2019, 20 Euro.









Stellen Sie sich vor, Sie hätten wichtige Gäste eingeladen. Ihre Karriere stockt und heute kommt quasi Ihr Chef zum Essen. Kurz vorher klingelt es an der Tür – und jemand anderes hagelt herein. Und dieser Mensch soll alles durcheinander wirbeln.




Philipp Tinglers neuer Roman lässt sich kaum aus der Hand legen. Zu spannend, zu überdreht ist die Handlung. Franziska arbeitet an der Uni. Doch die Karriere stockt. Da eine für sie interessante Stelle frei geworden ist, denkt sie strategisch – und lädt den Dekan des Fachbereichs zu sich nach Hause ein. Leider kommt zuvor noch eine alte Schulfreundin ihres Mannes Felix vorbeigerauscht.




Und Conni Gold ist alles andere als pflegeleicht. Vor allem erschüttert sie in der Folge alle Anwesenden dadurch, dass sie stets ungefiltert ihre Meinung sagt. Ob dies jemand hören will oder nicht… Philipp Tingler erspinnt in seinem neuen Roman eine so haarsträubende wie realistische Geschichte, die man sich selbst nicht wünscht. Franziska hat alles für den Abend perfekt geplant. Doch dass noch jemand Uneingeladenes kommt, war nicht vorherzusehen.




Rate, wer zum Essen bleibt ist ein Dialog-Roman, der seine eigentliche Wirkung erst nach dem Lesen entfaltet. Denn die so voll unmögliche Conni Gold ist ja weder dumm noch hat sie einen schlechten Charakter. Sie ist halt ehrlich. Damit kommen wir zu Fragen des gesellschaftlichen Umgangs im Allgemeinen: Sind denn die übliche Oberflächlichkeit und Unehrlichkeit wirklich notwendig und angebracht?




Philipp Tingler wurde in Berlin-(West) geboren und lebt inzwischen in der Schweiz. Er ist Schriftsteller und Kritiker im Literaturclub des Schweizer Fernsehsenders SRF und beim SRF-Format Steiner & Tingler.




Rate, wer zum Essen bleibt ist ein schneller, frivoler Dialog-Roman, der vor Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis sprüht und dabei noch richtig Spaß macht.


Matthias Pierre Lubinsky

Nov
09

Hannes Kilian – Photographien 1937-1977

World Trade Center, New York 1977
© Hannes Kilian






„Hannes Kilian war“, schreibt Ralf Hanselle, „das Auge eines langen Jahrhunderts – eines, das oft so verrückt und atemberaubend war, wie die Zeichen, die es hinterlassen hat. Manchmal, da ist es Kilian gelungen, diese Verrücktheit auf einem einzigen Foto festzuhalten – mal wissentlich und wohl überlegt, mal eher zufällig und en passant. So ist es auch 1977 gewesen, als der 1909 in Ludwigshafen geborene Photograph im Schatten der zwei großen Türme des damals jungen World Trade Centers die geheimnisvolle Silhouette einer kleinen Kirche erblickte.

Auf einem aus Untersicht photographierten Schwarzweißbild fügt Kilian die drei Gebäude zu einer strukturbetonten Komposition zusammen: Neoromanische Rundbögen werfen ihre Schatten vor die damals höchsten Tempel der Postmoderne. Was im Entstehungsjahr 1977 noch ausgesehen haben mag, wie eine beiläufige Pointe der vielschichtigen Architekturgeschichte Manhattans, das entpuppte sich ein Vierteljahrhundert später als mulmiges Vorgefühl für 9/11: Die Insignien der alten Götter treffen auf die neuen Symbole eines religiös gewordenen Kapitalismus: Turm gegen Türmchen, Gott gegen Götze – wie ein erstes Prélude auf das längst lauernde nächste Jahrtausend …“







Hannes Kilian – Photographien 1937-1977
Eröffnung: Samstag, 9. November, 12-15 Uhr
in Anwesenheit von Gundel Kilian

Johanna Breede PHOTOKUNST

Fasanenstr. 69, 10719 Berlin
T +49 (0)30-889 13 590
photokunst@breede.de
www.johanna-breede.com
www.facebook.com/Johanna-Breede
Di-Fr 11-18 Uhr + n.V.




Okt
24

René Staud – Neo Classics

FERRARI 599 GTZ ZAGATO, SINCE 2015
Photo © 2019 Staud Studios GmbH, Leonberg, Germany.
www.staudstudios.com. All rights reserved.








Neo Classics sind Sportwagen, die besonders edel und hochwertig sind, und zum Zeitpunkt ihres Erscheinens den Stand des technisch Machbaren präsentieren. Hergestellt werden sie meist nur in kleinen Stückzahlen. Damit soll einerseits das Angebot bewusst klein gehalten werden, um die weltweite Begehrlichkeit auf dieses Produkt so hoch wie möglich zu halten. Andererseits gibt es eh nur eine sehr begrenzte Anzahl von Sammlern für solch extrem exklusive und teure Autos.




Die Neo Classics haben sich seit einigen Jahrzehnten für die Autohersteller zu einem probaten Mittel gemausert, ihr verwässertes Image aufzupolieren. Die Markenhersteller wie BMW, Mercedes oder Audi sehen sich gezwungen, wollen sie auf dem globalisierten Weltmarkt weiter erfolgreich sein, sämtliche Sparten von Autos anzubieten. Parallel müssen sie jedoch das genaue Gegenteil ihren Kunden suggerieren: Dass ihre Autos »premium« sind, also besonders hochwertig und exklusiv.


PORSCHE 918 SPYDER, 2013–2015
Photo © 2019 Staud Studios GmbH, Leonberg, Germany.
www.staudstudios.com. All rights reserved.






Zum Beleg von Exklusivität und Individualität eignet sich kaum ein Auto-Typ besser als die Neo Classics. Sie sind nur für eine winzige Zahl von Kunden erschwinglich, durch ihre Limitierung sieht man sie kaum oder gar nicht im Straßenbild. Von den Fans der Marke werden sie dagegen umso mehr bestaunt und dienen ihnen zur Identifikation mit der Marke.




Der bekannte Automobil-Photograph René Staud hat für sein Buch Neo Classics (Texte Jürgen Lewandowski) knapp drei Dutzend dieser Ausnahme-Sportwagen abgelichtet, die in ihrem Design an berühmte Vorbilder des Herstellers erinnern. Ferrari 288 GTO, Porsche 959, BMW Z 8 oder Ford GT 2017 sind vertreten sowie viele weitere moderne Klassiker dieser und anderer Marken.




In einem Interview mit Christian Messina Hembry, der mit seiner Firma Interessenten berät, die sich ein solches streng limitiertes Investmentfahrzeug anschaffen wollen, wird jedoch auch die Krux deutlich, die ein solches Traumauto mit sich bringt: Soll ich es nur stehen lassen und auf die Wertsteigerung warten oder will ich es auch fahren? Schließlich ist es ja zum Nutzen gebaut worden.


Das riesige Table Book ist erschienen bei teNeues



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Sep
19

Ernst Jünger – Gespräche im Weltstaat

Das Buch versammelt bedeutende Interviews mit Ernst Jünger





Ernst Jünger: Gespräche im Weltstaat
Interviews und Dialoge 1929-1997
Hrsg. von Rainer Barbey und Thomas Petraschka
575 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Klett-Cotta 2019, 45 €.





Der deutsche Jahrhundertautor Ernst Jünger (1895-1998) wollte eher durch seine veröffentlichten Erzählungen, Tagebücher und Essays wirken als durch Auftritte oder Interviews. Ein nun veröffentlichter Band faßt beinahe die Hälfte aller jemals gedruckten Gespräche mit dem großen Doyen der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts zusammen. Ein Ereignis nicht nur für bisherige Jünger-Leser!





Ernst Jünger schrieb in einem Zeitraum von etwa 75 Jahren etwa 80 Bücher. Er suchte nach den großen Zusammenhängen in der Geschichte und hoffte, Leser jenseits der flüchtigen Tagesereignisse zu erreichen. Stilistisch lag ihm eher das Tagebuch als der Roman. Die Strahlungen gelten heute als ein Standardwerk zum Zweiten Weltkrieg und als Lehrstück des aufrechten Ganges in düsteren Zeiten. Jünger flankierte sein umfangreiches Diarium und seine nicht immer leicht konsumierbaren Erzählungen mit einer großen Anzahl von schmaleren Essay-Bänden, die insbesondere nach dem Krieg zu einzelnen Fassetten der planetarischen Ordnung Stellung bezogen (Über die Linie, Der Waldgang, Der gordische Knoten).





Nach schlechten Erfahrungen mit entstellten und negativ gedrehten Interviews zog er sich zunehmend zurück und empfing nur noch einzelne, ausgewählte Besucher. Dennoch führte Jünger immer wieder im Anschluß veröffentlichte Gespräche. Diese hatten häufig in den Medien keinen großen Wiederhall, fanden dagegen bei intellektuell Interessierten über alle Jahrzehnte erhebliche Resonanz. Antworten von Gegnern und Befürwortern fanden weniger in den Massenmedien statt als in abgelegenen Zeitschriften.





Der Band Ernst Jünger – Gespräche im Weltstaat versammelt stattliche 43 solcher zuvor gedruckten Interviews. Die Herausgeber Rainer Barbey und Thomas Petraschka recherchierten insgesamt 105 mit dem Schriftsteller geführte und gedruckte Gespräche. Sie fanden zwischen 1929 und 1997 statt. Das 575 Seiten umfassende Buch sortiert sie chronologisch nach ihrem Veröffentlichungszeitpunkt. Ein großer Gewinn ist, daß das Buch bedeutende Interviews enthält, die bislang nicht in Deutsch publiziert worden sind. Dies ist umso erstaunlicher, als alle Gespräche in deutscher Sprache geführt worden sind.





Der Sammelband bringt auch Dialoge, die schon publiziert sind, was aber seinen Wert nicht mindert. So kann sich der Leser ein tiefgreifendes Bild vom Autoren machen und einen Überblick über seine Ansichten verschaffen. Die Herausgeber versuchten, wie sie in der Einführung mitteilen, mit ihrer Auswahl Redundanzen zu verhindern, da Jünger naturgemäß häufig dieselben Fragen gestellt worden sind. Süffisant ist, daß Jünger sich manchmal völlig widersprach. Die Herausgeber gehen darauf genauer ein und nennen als Beispiel, daß Jünger 1956 auf die Frage nach Autoren, die er sehr schätze, Rilke, Hofmannsthal und George nennt. Dreizehn Jahre später sagt er. »Weder Stefan George, noch Hofmannsthal, noch Rilke haben mich begeistert.« Ein dandyesker Streich?





Das stattliche Buch ist sowohl für Jünger-Kenner zu empfehlen, wie für Leser, die vom Autoren von In Stahlgewittern noch nicht eine Zeile gelesen haben. Denn erstaunlich ist, wie Jünger, der sonst bei politischen Stellungnahmen oder direkten Aussagen eher zurückhaltend war, in einigen Gesprächen recht deutlich wird. So eignet sich Gespräche im Weltstaat als Einstieg in das geistige und literarische Universum Jüngers ebenso wie für echte Jüngerianer, die sich schon durch ein Gros des Werkes gelesen haben. Auch sie werden durchaus noch Interessantes entdecken.





Dankenswerterweise haben die Herausgeber in einer Bibliographie sämtliche Interviews und Gespräche chronologisch gelistet. Eine ungeheure Fundgrube für jeden, der weiterforschen will. Der Lesbarkeit förderlich wäre es jedoch gewesen, wenn vor jedem Gespräch in einer kurzen Einleitung Person, Medium und eventuell Kontext erläutert worden wären. So ist man gezwungen, ständig in die Bibliographie zu blättern, will man das erfahren.





Dies ist aber nur ein kleiner Wehrmutstropfen eines ansonsten bedeutsamen Buches, bei dem ein umfangreicher Kommentar und ein Namensregister nicht fehlen. Es macht Lust, Ernst Jünger wieder zu lesen!



© Matthias Pierre Lubinsky 2019

Sep
16

Karl Lagerfeld – Visions





Das Ernst Barlach Museum in Wedel bei Hamburg zeigt in einer hochkarätigen Ausstellung rund 150 Photographien von Karl Lagerfeld. Karl Lagerfeld – Visions läuft noch bis zum 24. Februar 2020.




Der im Februar diesen Jahres verstorbene Karl Lagerfeld war nicht nur Modeschöpfer, Designer, Bücherfreak, Sammler, arbiter elegantiarum, – sondern auch hochtalentierter Photograph. Da der zu Lebzeiten einflussreichste Deutsche ein Perfektionist war, musste es dazu kommen, daß er die Aufnahmen für seine Mode-Kollektionen irgendwann selbst anfertigte: Nachdem Lagerfeld zum wiederholten Male mit den Photos für die Chanel-Pressemappe unzufrieden gewesen ist, schlug ihm der Art Director Eric Pfrunder vor, die Photos doch selbst zu machen. Seit diesem Zeitpunkt hat der anspruchsvolle Chef dann sämtliche Aufnahmen gemacht. Eric Pfrunder ist neben dem Verleger Gerhard Steidl Kurator der Ausstellung.





In Wedel werden 117 Selbstpotraits des großen Dandys und Selbstvermarkters Lagerfeld gezeigt. Bilder seiner Kampagnen geben Zeugnis von der kulturellen Verwurzelung des großen hanseatischen Kulturmenschen in Paris.





Ernst Barlach Museum
Mühlenstraße 1
22880 Wedel
Geöffnet täglich von 11.00 bis 20.00 Uhr.

Bis 24. Februar 2020

Karl Lagerfeld Visions im Ernst Barlach Museum Wedel

Aug
30

Stefan Rappo – Nude

Justine, Baie de Somme, France 2018
Photo © 2019 Stefan Rappo. All rights reserved.






Stefan Rappos neuer Photoband Nude ist ein hochkarätiges Bekenntnis zur Gattung der Aktphotographie. In seinem Vorwort wehrt sich der Photograph dagegen, die künstlerische Photographie des nackten weiblichen Körpers zu sexualisieren.







Stefan Rappo: Nude
208 Seiten mit etwa 200 Schwarz-Weiß- und Farb-Photographien
gebunden, teNeues Verlag 2019, 40 €.






Stefan Rappos gerade erschienenes Photobuch Nude gehört sicher zu den qualitativ besten des Genres der vergangenen Jahre. Dies ist kein Zufall, arbeitet Rappo doch seit Jahren mit Peter Lindbergh zusammen. Wer denkt, nun müsste doch in Sachen Akt-Photographie alles Denkbare dargestellt worden sein, wird durch Nude eines Besseren belehrt: Dem 1972 geborenen Schweizer Photographen gelingt eine ästhetisch überzeugende Verschmelzung seiner Models mit ihrer Umgebung. Die jungen Frauen wirken nicht wie platziert. Vielmehr gewinnt der Betrachter den Eindruck, sie gehörten genau an diesen Ort – zu dieser Zeit, bei diesem Licht.




Neben und gerade wegen der hohen Qualität der Photos ist das Buch ein Bekenntnis zur Kunstgattung der Aktphotographie. In seinem Vorwort schreibt der in Paris lebende Künstler, es sei »unglaublich schade, dass die Aktfotografie in unserer Gesellschaft mehr und mehr in ein schlechtes Licht gerückt wird. Auch die Frage nach der Qualität der Bilder stellt sich nicht mehr. Ein hervorragendes Beispiel sind Aktfotos von Prominenten.« Zu Recht wendet sich Rappo gegen die (willkürliche) und bedenkliche Zensur von jeglichen Aktphotos in Sozialen Netzwerken.




Zoe, Skyhouse Joshua Tree, California, USA 2018
Photo © 2019 Stefan Rappo. All rights reserved.






Im Alter von 30 Jahren wagte Stefan Rappo noch einmal einen beruflichen Neustart. Er kündigte seinen Job als Konstrukteur für Forstgeräte und zog nach Südfrankreich, um dort Photographie zu studieren. Nach seinem Studium ging er nach Paris, wo er als Photoassistent für Camilla Akrans, Bruno Aveillan und Peter Lindbergh arbeitete, mit dem er immer noch kooperiert.



Lauren, New York, USA 2016
Photo © 2019 Stefan Rappo. All rights reserved.






Stefan Rappos Nude darf in keiner Sammlung von Aktphoto-Büchern fehlen. Es ist eine zeitgemäße Hommage an die Schönheit des weiblichen Körpers und dabei eine Kampfansage an eine immer stärker um sich greifende Zensur.


Stefan Rappo Nude erschien bei teNeues.




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Aug
12

Hans Christian Andersen – Reise im Ballon

Andersens schöne Gedichte auf vorgegebene Reime zum ersten Mal in Deutsch





Hans Christian Andersen: Reise im Ballon
Übersetzt durch Peter Urban-Halle.
128 Seiten, gebunden, L.S.D. Verlag 2019, 14,80 €.




Hans Christian Andersen verfasste Dutzende von Bouts-rimés, Gedichte nach vorgegebenen Endreimen. Nach der Entdeckung von Karl Lagerfeld (ⴕ) erscheinen sie nun erstmals auf Deutsch.




Bouts-rimés, also Gedichte, die nach vorgegebenen Endreimen geschrieben wurden, waren in den gebildeten Kreisen Europas im 17., 18. und 19. Jahrhundert ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Insbesondere bei gesellschaftlichen Anlässen wurden Poeten oder andere belesene Adlige dazu aufgefordert, innerhalb kürzester Zeit auf vorgegebene Endreime intelligent und unterhaltsam zu reimen.



Hans Christian Andersen (1805-1875) ist noch heute der bekannteste Schriftsteller Dänemarks. Doch neben seinen berühmten Märchen verfasste er auch Dutzende Bouts-rimés, die bislang allerdings einer breiteren Öffentlichkeit verborgen blieben. Gern luden die dänischen Adligen Andersen ein, um sich von seinen Reimen nach ihren Vorgaben köstlich unterhalten zu lassen. Jedoch ging es den Gastgebern – anders als diese Aufgabe in Frankreich zelebriert wurde – nicht nur um Unterhaltung. So erwartete der Herzog von Augustenburg, der ein aktiver Förderer des Dänentums in Nordschleswig war, von Andersen, dass er die Gegend als dänisch beschreibt und in seinem Gedicht die Dänen dazu auffordert, sie zu besuchen.



Zu verdanken sind siebzig der knapp neunzig in Reise im Ballon gedruckten Gedichte dem Andersen-Enthusiasten Jørgen Skjerk, der sie im Rahmen einer zwanzigjährigen Durchforstung der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen fand. Ein weiteres kleines und feines bibliophiles Sahnestück des L.S.D. Verlags!



Als Kostprobe das Gedicht, das dem wohlfeilen Büchlein seinen Titel gab:


REISE IM BALLON

Er flog im Ballon mit seinem Hund,
Über die Stadt und bewaldeten Grund,
Im Schlossturm saß sein Schatz auf dem Quivive,
Sein Fallschirm sank zu ihr mit einem Brief,
Und oben im Korb klang es in seinem Ohr,
Flieg, Engel, flieg! Wie süß kam’s ihm vor.

Aug
05

J. M. W. Turner – Skizzenbuch Wolken

Die originalgetreue Reproduktion von Turners Skizzenbuch erscheint anlässlich der Ausstellung im Kunstmuseum Luzern









J.M.W. Turner: Wolken
Das Skizzenbuch „Skies“
Mit einer Einleitung von David Blayney Brown.
152 Seiten mit 144 farbigen Abbildungen,
gebunden in Leinen mit eingelassenem Frontbild,
Hirmer Verlag 2019, 29,90 €.





J. M. W. Turners Wolken – Das Skizzenbuch Skies ist die originalgetreue Reproduktion eines graphischen Notizbuches des bedeutenden englischen Malers. Es erscheint im Rahmen der grandiosen Ausstellung Turner – Das Meer und die Alpen, die noch bis zum 13. Oktober 2019 läuft.




Die außergewöhnliche Ausstellung Turner – Das Meer und die Alpen im Kunstmuseum Luzern wird von gleich drei bibliophilen und sehr gelungenen Büchern aus dem Münchner Hirmer Verlag begleitet. Für Kunstliebhaber, Büchersammler und Connaisseurs, die stets auf der Suche nach dem Besonderen sind, sind die beiden Skizzenbücher ein bibliophiler Hochgenuss. Neben dem hier bereits vorgestellten Luzerner Skizzenbuch gibt nun auch das Skizzenbuch SkiesWolken einen authentischen Einblick in das Schaffen eines der größten Maler der Moderne.




Die Reproduktion dieser Skizzenbücher ist aufschlussreich. Denn durch sie lässt sich nachvollziehen, wie Turner seine Sujets entwickelte, Motive sammelte und Gesehenes und Wahrgenommenes für sein weiteres Werk nutzbar machte.




Die genaue Entstehungszeit des Skizzenbuchs Skies ist nicht überliefert. Der Maler ordnete es mit dem Vermerk der Nummer 79 direkt hinter einem anderen ein, das er im Jahr 1816 gefüllt hatte. Indes scheint das tatsächliche Entstehungsjahr von sekundärer Bedeutung. David Blayney Brown erläutert in seiner der Reproduktion vorangestellten Einleitung, wie sich Techniken der Himmelsskizzierung aus diesen Entwürfen in späteren – teils bahnbrechenden – Bildern des Meisters wiederfinden.




So lässt diese äußerst gelungene Reproduktion den Interessierten 200 Jahre später nachverfolgen, wie der später weltberühmte Turner, der nicht nur von den Romantikern seiner Epoche hoch verehrt worden ist, seine sublime Wahrnehmung in subtile Gemälde transformieren konnte.




Das wunderschöne Buch enthält auf 152 Seiten 144 farbige Abbildungen. Das schwere beigefarbene Papier, die hochwertige Bindung und nicht zuletzt der Leineneinband mit eingelassenem Frontbild machen es nicht nur für Liebhaber der klassischen Malerei zu einem wohlfeilen Sammlerstück, das man an langen Winterabenden genussvoll zur Hand nehmen wird.




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