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Dez
22

Immanuel Kant – Köche ohne Zunge

Der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804)

 

 

Immanuel Kant, Köche ohne Zunge.
Notizen aus dem Nachlass, ausgewählt und mit einem Vorwort von Jens Kulemkampff, 100 Seiten, gebunden in Leinen, L.S.D. Verlag 2014, 14,80 Euro (D).

 

 

Jens Kulenkampff bringt ein Bändchen heraus mit Aphorismen von Immanuel Kant. Dass das ein Wagnis ist, schreibt er selbst in seinem Vorwort.


Der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) war ein systematischer Arbeiter und Autor. Sein selbst-definierter, hehrer Anspruch war kein geringerer, als eine Gesamt-Philosophie zu schaffen, die Felder wie die erst später so bezeichnete Erkenntnistheorie, die Ethik und Ästhetik-Lehre mit einschloss. Heute ist er vor allem bekannt als erster Aufklärer: »Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit«, definierte der Königsberger Professor.

 

Jens Kulenkampff sammelte Geistesblitze des Philosophen, die der meist an den Rand von Manuskripten schrieb oder auf einen seiner unzähligen Zettel notierte. Gewagt ist sein Unterfangen, weil diese Sätze – naturgemäß – aus ihrem Zusammenhang gerissen wurden. Der Leser dieser kleinen Zitaten-Sammlung kennt nicht den geistigen Ort, an dem sein Schöpfer die Sentenzen sah und schließlich formuliert hat. Dennoch sind die Aperçus lesenswert, erhellend. Es macht Spaß, sich auf sie einzulassen. Dafür benötigt man weder ein abgeschlossenes Philosophie-Studium, noch muss man genau wissen, in welchem philosophischen Überbau Kant denn das Thema gesehen hat. – Wohl eher im Gegenteil. Letztlich sind es doch Bücher wie das vorliegende, die dem normalen Leser die Berührungsängste vor der Philosophie nehmen.

 

Entstanden ist ein weiterer wohlfeiler kleiner Band in der intelligenten und schön gestalteten Buchreihe aus dem L.S.D. Verlag. Hier kommen erstklassige Buchgestaltung, Druck bei Steidl und Auswahl von Cheflektor Karl Lagerfeld zusammen. Punkt. Absatz.

 

Einige Kostproben aus dem Buch:

Aus dem Charakter müssen wir den Menschen beurteilen, nicht aus seinen Handlungen.

Sollte man nicht sagen: alle Schönheit in der Natur nur die Melodie, und in der intellektualen Welt ist der Takt?

Wenn wir einen wegen Mangel des Geschmacks beschuldigen, so sagen wir nicht, dass es ihm nicht schmecke, sondern, dass es anderen nicht schmecke.

Gedankenlosigkeit ist bloß der Mangel der Aufmerksamkeit auf sich selbst.

Ein Mann muss einige Geringschätzigkeit in Ansehung seines Putzes zeigen, es muss zu sehen sein, dass er den Hut getragen habe. Seine Manschetten müssen ihn nicht beunruhigen.