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Mai
11

Hilaire Bellocs Klein-Kinder-Bewahr-Anstalt

Hilaire Bellocs süffisante Kinderreime in der Nachdichtung
von Hans Magnus Enzensberger
© Steidl Verlag 2019

 

 

 

 

Hilaire Bellocs Klein-Kinder-Bewahr-Anstalt
Ausgewählt und nachgedichtet von Hans Magnus Enzensberger
64 Seiten, gebunden, Steidl Verlag 2019, 15 €.

 

 

 

 

Hilaire Belloc (1870-1953) schrieb makaber-böswillige und dabei leichtfüßige Kindergeschichten, die er ursprünglich für Erwachsene ersonnen hatte. Hans Magnus Enzensberger hat 15 der erbaulichen Geschichtchen ins Deutsche nachgesichtet.

 

 

 

Hilaire Belloc war eine derart vielbegabte Persönlichkeit, wie es sie heute in Zeiten des Fachidiotentums nicht mehr gibt. Der Schriftsteller publizierte etwa 150 Bücher zu den verschiedensten Themen. Noch heute genießt seine Wirtschafts-Studie Der Sklavenstaat (1912) hohes Ansehen. Hierin prophezeit der Autor, die Welt werde sich langfristig entscheiden müssen zwischen Sklaverei oder dem Schutz des Eigentums. Einen Mittelweg gebe es nicht.

 

 

 

Belloc war so intelligent wie skurril. (Typisch britisch eigentlich, könnte man sagen.) Er war strengster Katholik, vertrat dabei liberale Ansichten. Er war Nationalist und gleichzeitig glühender Europäer. Trotz seines Chauvinismus war er entschiedener Gegner des britischen Kolonialismus. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Hilaire Belloc war außerdem ein talentierter Redner, Mitglied des Parlaments und Journalist.

 

 

 

Seine bitterbösen Kindergeschichtchen beruhen auf seiner Verachtung der High Society so wie der viktorianischen Poesie, die er in wunderbar leicht-ironischer Weise verballhornt. Obwohl somit eigentlich gar nicht als Kinder-Geschichten konzipiert, wurden seine infantilistischen Reime schnell für Jahrzehnte zum Erziehungsmittel.

 

 

 

Als Clive mit Vaters Flinte spielte
und auf die kleine Schwester zielte
(er wollte ihr nur Saures geben) -,
da legt er an und schießt daneben.
Der Vater, wie’s der Zufall will,
hört Knall und Schwesterchens Gebrüll,
worauf er milde tadelnd spricht:
»Mein Sohn, im Zimmer schießt man nicht.«

 

 

 

Dies kleine, feine Büchlein ist ein wunderbares Mitbringsel nicht nur für gestresste Eltern.