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Sep
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Burt Glinn – The Beat Scene

Eine Schachpartie während einer Auszeit im Blackhawk, einem Nachtlokal an der Ecke Turk und Hyde Street,
wo bekannte Jazzmusiker oft spielen.
Für die Beatniks war Jazz wie Essen und Trinken.
Der Spieler, der hier spielt, ist Earl Bostic, Virtuose des lauten Tones Alto.
Copyright © Burt Glinn

 

 

 

 

 

 

Burt Glinn: The Beat Scene
160 Seiten mit 170 Photos.
Mit einem Essay von Jack Kerouac.
Englisch.
Reel Art Press 2018,
Gebunden mit Schutzumschlag, 39,95 €.

 

 

 

 

 

Der US-amerikanische Dokumentar-Photograph Burt Glinn bewegte sich in der Beat-Szene der 1960er Jahre. Der Londoner Verlag Reel Art Press (RAP) publiziert nun ein wunderbares Buch mit bislang größtenteils unveröffentlichten Aufnahmen von Allen Ginsberg, Jack Kerouac und anderen Beatniks. Das kultige Photobuch enthält darüber hinaus einen zum ersten Mal veröffentlichten Essay von Jack Kerouac über die Beat-Szene von New York.

 

 

 

Drei Wochen hämmerte Jack Kerouac 1951 auf seine Schreibmaschine ein. Ohne Zuhilfenahme gewisser Aufputschmittel wäre sein Buch-Manuskript wohl nicht fertig geworden. In Erwartung seines poetischen Ergusses hatte er eigens mehrere hundert Bogen Papier zusammengeklebt, um durch das Einlegenmüssen neuer Blätter nicht unterbrochen zu werden. Das ergab letztlich eine Rolle von 37 Metern.

 

 


Eine französische Tänzerin improvisiert zur Musik bei einer Party im Loft-Arpartment-Atelier
des Künstlers David Stone Martin.

Die Band spielt sowohl östliche wie auch westliche Instrumente.
Copyright © Burt Glinn

 

 

 

 

Da Kerouac sehr offen über den Drogen-Gebrauch bei den Beatniks, die frei gelebte Sexualität und so manch anderes schrieb, dauerte es bis 1957, als sein Buch veröffentlicht wurde. Doch es war letztlich gar nicht sein Buch. Der Verlag hatte umfassende Änderungen vorgenommen. Aus dem extrem rohen, ungeschliffenen Text, der weitgehend ohne Absätze und Satzzeichen auskam, wurde ein Roman redigiert, der die Mainstream-Leser nicht zu sehr schockieren sollte.

 

 

 

Dies ist die Szenerie, in der die nun von Reel Art Press veröffentlichten Photos des Magnum-Photographen Burt Glinn (1925-2008) entstanden. Keine Sorge – es sind keine Drogen- oder Sex-Exzesse zu sehen. Zu sehen ist dagegen ein authentisches Bild von der anfänglichen Beat-Scene in New York und San Franzisco zwischen 1957 und 1960. Man sieht Allen Ginsberg und Jack Kerouac, Dichter wie Gregory Corso und William Morris bei Lesungen, bei privaten Partys.

 

 

 

Der ungeheure Reiz der dokumentarischen Aufnahmen von Burt Glinn liegt in ihrer Zwanglosigkeit. Darin, dass sie offensichtlich nicht gestellt sind. Der Betrachter merkt, dass sich der Photograph in dieser revoltierenden Szene wie ein Fisch im Wasser bewegte. Nur weil er dazu gehörte, konnte er diese so privaten und beinahe intimen Momente einfangen.

 

 

 

Das historisch wertvolle Photobuch entstand, weil der Londoner Verlag RAP mit der Witwe von Burt, Elena Glinn, eine umfassende Retrospektive des Werkes vorbereitete. Das grandiose Photobuch zeigt nicht nur den Magnum-Photographen Burt Glinn als herausragenden Dokumentaristen. Es ist für jeden an dieser Zeit und an der Beat-Szene Interessierten ein wertvolles Zeugnis. Neben zahlreichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen enthält das Buch über 70 Farbphotos.