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Jun
29

Karl Lagerfeld – Villa Noailles

Blick von der Villa Noailles hinunter zum Meer
© Karl Lagerfeld 1995

 

 

 

Karl Lagerfeld, Villa Noailles, Hyères-Été 1995.
Text von Karl Lagerfeld, 64 Seiten mit 54 Schwarz-Weiß-Tritone-Photographien, gebunden in grobes Leinen, Steidl Verlag, Göttingen 2015, Euro 48 (D.).

 

 

Im Sommer 1995 photographierte Karl Lagerfeld die Villa Noailles. Zu diesem Zeitpunkt stand das Haus schon viele Jahre leer. Glücklicherweise hatte nur der Zahn der Zeit dem Gebäude einer strikten architektonischen Moderne zugesetzt. Bis auf einige wenige Kritzeleien an den Wänden gab es kaum sichtbare Zerstörungen.

 

 

In Auftrag gegeben wurde die Villa Noailles von Charles und Marie-Laure de Noailles, in der Zwischenkriegszeit in Paris bekannte Mäzene und Kunstinteressierte, die hier ihren Sommersitz geplant hatten. Beauftragt hatten sie 1923 den vom Bauhaus inspirierten Architekten Robert Mallet-Stevens, für den dies das erste größere Projekt war.

 

 

Der surrealistisch-inspirierte Photokünstler Man Ray drehte hier seinen ersten Film. Zu den heute berühmten Gästen des vermögenden Ehepaares gehörten ferner Buñuel, Alberto Giacometti, Salvador Dalí und Jean Cocteau. Namen, die beinahe hundert Jahre später die damalige Avantgarde der Kunst repräsentieren.

 

 

 

Die Uhr steht still im alten Schwimmbad
© Karl Lagerfeld 1995

 

 

 

Vor zwanzig Jahren fand Karl Lagerfeld das Haus teils ein wenig verwittert, aber insgesamt unbeschädigt vor. Er machte Schwarz-Weiß-Photographien, die in einem nun bei Sammlern hoch gehandelten Photobuch vom Steidl-Verlag veröffentlicht wurden. Dies Buch erscheint jetzt – zwei Jahrzehnte später – in einer revidierten Ausgabe neu.

 

 

Die herausragenden Photographien von Karl Lagerfeld haben in dieser Zeit genauso wenig von ihrer immanenten Zeitlosigkeit eingebüßt wie die Architektur der Villa Noailles. Die Photos sind jedes für sich allein ein ästhetischer Genuss, der dem Betrachter beinahe das Gefühl vermittelt, selbst an diesem sonnenbeschienenen Ort zu weilen.

 

 

Abgerundet wird das bibliophile Erlebnis durch die wie üblich hervorragende Druck-Qualität aus dem Hause Steidl: Kenner und Connaisseure schließen beim Öffnen der Folie die Augen – und genießen den Geruch des Sammlerstückes aus der Steidl-Druckerei in Göttingen.

 

 

 

Wie lange hat hier niemand mehr geseesen?
© Karl Lagerfeld 1995

 

 

 

Die nun erfolgte behutsame Bearbeitung der Neuausgabe durch Karl Lagerfeld selbst zeugt von der Substanz seiner Kunst, in der stets das Beste aus Mode, Architektur, Graphik und anderen Bereichen vor dem Vergessen bewahrt wird – und zu Neuem transformiert.