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Jun
08

Einblick in intimste Oasen

 Atemberaubende Einblicke in intime Oasen. Die Gärten von New York



Der DANDY-CLUB rezensiert ein wahrlich besonderers Buch:

Der Autorin und der Photographin wurde von etwa zwei Dutzend Privatleuten ein intimer Einblick in ihre atemberaubend-stillen Dachgärten in New York gewährt.

Veronika Hofer und Betsy Pinover Schiff: Die Gärten von New York. Hirmer Verlag, München 2010, 240 Seiten, Großformat, gebunden, durchgehend farbig, 58,- Euro.



Was ist wahrer Luxus? Als John D. Rockefeller Junior 1928 das riesige Areal an der 5th Avenue in New York kaufte, wollte er dort ein Kulturzentrum errichten. Die Metropolitan Opera sollte hier ihren Sitz bekommen. Doch der Börsencrash im Jahr darauf machte einen Strich durch die Rechnung. Rockefeller beschloss, einen abgespeckten Bürokomplex zu errichten, den er privat finanzierte. Rockefeller machte der Welt vor, wie man stilvoll spart. Die Häuser an der 5th Avenue sind nur sieben Stockwerke hoch. Heute fallen sie auch deshalb auf. Da sie von vielfach höheren Wolkenkratzern umgeben sind, kann man sie aus manchem Winkel gar nicht mehr sehen. Aber trotz ihrer geringen Höhe stellten die Gebäude für die Statiker eine besondere Herausforderung dar: Der Bauherr gab in Auftrag, auf den Dächern sollten Gärten entstehen mit einer Erdschicht von 60 Zentimetern Tiefe. Die Rockefeller Rooftops in Manhattan sind die einzigen Dachgärten New Yorks geblieben, die über eine so tiefe Erdschicht verfügen. Sie bilden quasi den Prototyp der in dem opulenten Photoband von Veronika Hofer (Text) und Betsy Pinover Schiff (Photos) »Die Gärten von New York« vorgestellten Dachgärten. Und sie bilden im Wortsinne den Gipfel des Luxus: Dort wo die Grundstückspreise im weltweiten Vergleich in schwindelerregende Höhen geschossen sind, ist es das Höchstmaß an denkbarem Luxus, auf einige (Dutzend) Etagen zu verzichten und sich stattdessen einen Dachgarten zu gönnen. Ein Reiz des ästhetisch anspruchsvollen großformatigen Buches ist, dass auch Privatleute ihre Dachrefugien der Autorin und der Photographin öffneten. So hatten beide die Chance zu tatsächlich intimen und nicht alltäglichen Beschreibungen und Photos. Richard D. Rudder behauptet, sein Garten sei einzigartig in New York. Betrachtet man die Bilder, so will man ihm das neidlos anerkennen. Die Adresse des Gartens, Central Park South in Manhattan, steht für die südliche Grenze des berühmten Parks. Der Blick, der über diesen Garten schweift, geht weiter über den gesamten Central Park; ein riesiges Meer von runden, kräftigen Baumkronen, die in Kilometer-Entfernung begrenzt werden durch die Skyline von Manhattan. Diese wirkt hier, auf der Terrasse über den 80 Quadratmetern künstlich angelegter Natur, beinahe wie eine Filmkulisse: unwirklich und entrückt. Mittlerweile haben die (Dach)begrünungen in New York eine gute, jahrzehntelange Tradition. Fingen in den 1970er Jahren die ersten New Yorker damit an, Brachflächen vor allem in Ghetto-Teilen, zu begrünen und damit aus ihnen wieder lebenswerte Orte zu machen, so wird heute die Begrünung New Yorks längst von allen politischen und gesellschaftlichen Seiten begrüßt und gefördert. So hat die Stadt New York bereits vor Jahren eine Verordnung erlassen, die eine Grünfläche auf dem zu bebauenden Grundstück mit der zulässigen Geschosszahl aufrechnet: Versiegelt der Bauherr nicht das gesamte Grundstück, sondern lässt eine Ecke für einen Garten frei, darf er höher bauen. Es ist diese atemberaubende Intimität der Photos, die die Besitzer und Schöpfer der Dachgärten zuließen, welche das Buch zu einem außergewöhnlichen machen. Der Text von Veronika Hofer ist die kongeniale Ergänzung zu den Aufnahmen. Die Photographien erhalten durch die Worte nochmals eine weitere Dimension: Man versteht, und aus der Teilhabe entsteht Anerkennung des dem Beton und dem Profitstreben Abgerungenen. DANDY-CLUB-Empfehlung!

2 Kommentare

  1. Anonymous sagt:

    schon bestellt!!!

    hammer

  2. Anonymous sagt:

    Ihre Besprechungen sind fulminant! Gratulation vom Bookstore

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