Deutschlands Geist-Dandy





Botho Strauß, Deutschlands Geist-Dandy, hat ein neues Buch vorgelegt: Vom Aufenthalt. Die Hamburger Wochenzeitung Die Zeit macht es sich mit dem Denker und Schriftsteller Strauß nicht leicht. Ihre Rezension ist eine Art Portrait des in die Uckermark Zurückgezogenen.


Respektvoll meint die Zeitung, Strauß‘ selbstgewählte Isolation entfalte eine „tückische Dialektik“: „Sie ist Bedingung des kühnen Gedankens, und zugleich entzieht sie ihm den Boden des Gegenübers.“
Ulrich Greiner resümiert: „Dieses alles in allem sehr traurige, sehr dunkle Buch wird nicht das letzte von Botho Strauß bleiben, aber es zeigt ihn weiter von uns entfernt denn je. Seine Stimme klingt wie verweht, er gleicht dem Mönch am Meer, jenem geheimnisvollen Mann auf Caspar David Friedrichs Gemälde (1810), der auf der vorgerückten Position eines öden Strandes steht. Er wendet uns den Rücken zu und schaut hinaus in die Tiefe des Himmels und der Wolken. Falls er etwas sähe, was wir nicht sehen: Er könnte es uns nicht mitteilen.
Die Frage, wer sich von wem entfernt hat, Botho Strauß sich von uns oder wir uns von ihm, ist schwer zu entscheiden, in jedem Fall ist das Ergebnis ein Grund zur Klage. Denn Botho Strauß steht für eine an die Romantik anknüpfende Tradition. Sie sieht in der Literatur ein Mittel poetischer Durchdringung und Erkenntnis der Welt, sie begreift Geschichte nicht als kausale Abfolge oder zielgerichtetes Fortschreiten, sondern als Gleichzeitigkeit alles je Gedachten. In geistigen Dingen gibt es kein Veralten, nur ein Vergessen. Und das Erzählen besteht im Sinne dieser Tradition nicht in der mimetischen Abbildung des Realen, sondern in dessen Verzauberung, in einem Gegenbild, das die Sprache beim Wort nimmt und ihrem Mitteilungscharakter nicht blind oder naiv vertraut (…)

Die lesenswerte umfangreiche Besprechung finden Sie hier:
http://www.zeit.de/2009/43/L-B-Strauss?page=1