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Jul
25

Richard Avedon – Wandbilder und Porträts

Richard Avedon, Samuel Beckett, Schriftsteller, Paris, Frankreich, 13. April 1979,
Sammlung Udo und Anette Brandhorst
© THE RICHARD AVEDON FOUNDATION

 

 

 

Richard Avedon – Wandbilder und Porträts.
Ausstellung im Museum Brandhorst, München noch bis 9. November 2014.
Katalog-Buch im Hirmer Verlag, 262 Seiten mit 125 Abbildungen in Duplex auf Photo-Papier und 4 Klapptafeln im Überformat, 59,- Euro.

 

 

Richard Avedon (1923-2004) ist einer der bekanntesten US-amerikanischen Mode-Photographen. Eine Ausstellung in München und ein sammelwürdiger Katalog zeigen, dass er noch viel mehr konnte.

 

Bereits Avedons Fashion-Aufnahmen zeigen, dass er mehr konnte – und mehr wollte, als nur das neueste Kleid, den neuesten Mantel abzulichten. Seine Photos – zuerst für große Zeitschriften wie Vogue oder Harper’s Bazar, später auch für große Modehäuser – zeugen von Phantasie und einem Blick für das Besondere. Ob ein Model mit dem Abendkleid lasziv an einen Billardtisch lehnt (1957) oder ein über eine Pfütze springendes Model mit einem Mantel von Cardin: Diese frühen Mode-Bilder haben neben der Präsentation des Kleidungsstücks einen ästhetischen Mehr-Wert.

 

 

Die Mode-Photographie bot Avedon ein Leben lang die finanzielle Basis, um sich anderen Sujets widmen zu können. Sujets, die ihn künstlerisch interessierten und herausforderten. Darin war Avedon kein Einzelfall. Auch andere Photographen sprachen offen vom Zwang, den Magazinen publizierbares Material vorzulegen, um das machen zu können, was sie tatsächlich interessierte: Irving Penn, William Klein, Diane Arbus und Robert Frank sind durch ihre Mode-Photos allgemein bekannt geworden und haben mit anderem Photo-Geschichte gemacht.

 

 

 

Richard Avedon, Der Missionsrat, Saigon, Südvietnam, 28. April 1971,
Sammlung Udo und Anette Brandhorst
© THE RICHARD AVEDON FOUNDATION

 

 

 

Ende der 1960er-Jahre befand sich Richard Avedon an einem Scheideweg. Seine Auftragsarbeiten befriedigten ihn immer weniger. Im April 1969 lud er Andy Warhol ein, für Portraits zu posieren. Die hierbei entstandenen Aufnahmen zeigen Warhol, wie er seine kaum verheilten Chirurgie-Schnitte präsentiert. Einige Zeit zuvor hatte Valerie Solanas versucht, Warhol zu erschießen. Der Kontakt zu Andy Warhols Factory animierte Avedon zu einer völlig neuen Kunstgattung, die ihm schon länger vorschwebte. Das Panoramabild Andy Warhol and members of The Factory vom 30. Oktober 1969 ist eines von insgesamt nur vier riesigen Werken, bei denen Avedon zwei Gruppen von US-Amerikanern darstellen wollte: Die Widerständler aus linken, avantgardistischen und exhibitionistischen Kreisen, wie sie sich in der Factory konzentrierten. Auf der anderen Seite schuf er auch ein Panoramabild mit führenden Militärs im Vietnam-Krieg und Politikern, um den Gegenpol der damaligen Auseinandersetzungen in den USA zu dokumentieren.

 

 

 

Richard Avedon, Bob Dylan, Sänger, New York City, 10. Februar 1965
Sammlung Udo und Anette Brandhorst
© THE RICHARD AVEDON FOUNDATION

 

 

 

Das Museum Brandhorst in München zeigt nun drei der vier zwischen 1969 und 1971 entstandenen Wandbilder. Sie messen zwischen 6,5 und 10 Metern in der Breite und bis 3 Meter in der Höhe. Richard Avedon- Wandbilder und Porträts präsentiert auch eine Reihe der herausragenden Portraits  unter anderen von Samuel Beckett, Marcel Duchamp, Marilyn Monroe und Jorge Luis Borges.

 

 

Begleitet wird die sensationelle Schau von einem adäquaten Katalog aus dem Hirmer Verlag. Er zeigt alle ausgestellten Werke auf Photopapier. Die Panoramabilder werden auf mehrseitigen Klapptafeln reproduziert. Das ästhetische, in schwarzes Leinen gebundene Buch wird ergänzt durch sechs Aufsätze, die Richard Avedons Panoramabilder und Portraits in den Kontext seine Motivation und seines gesellschaftlichen Engagements stellen. Deutlich wird so ein Richard Avedon, wie er den meisten wohl bislang wenig bekannt war: Voller Empathie für die unterdrückten und Eingesperrten. Mit einer darstellenden Hingabe für große Künstler, die zuvor schon häufig portraitiert worden waren.

 

 

 

Richard Avedon, Andy Warhol und Mitglieder der Factory:
Gerard Malanga, Dichter; Viva, Schauspielerin;
Paul Morrissey, Regisseur; Taylor Mead, Schauspieler;
Brigid Polk, Schauspielerin; Joe Dallesandro, Schauspieler;
Andy Warhol, Künstler,
Sammlung Udo und Anette Brandhorst
© THE RICHARD AVEDON FOUNDATION