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Aug
07

Krachkultur 15

Krachkultur 15: Schwerpunkt ist die neue weibliche US-Literatur
© Krachkultur 2013

 

 

Krachkultur Ausgabe 15/ 2013.
Herausgegeben von Martin Brinkmann. 157 Seiten, Paperback,  10 Euro.

 

»Goethe schrieb seine Farbenlehre in einer Phase seines Lebens, die ein Kritiker als ‚eine lange Zeitspanne, gekennzeichnet durch nichts von herausragender Bedeutung‘, bezeichnet. Goethe selbst beschreibt diese Zeit als eine, in ‚welcher eine ruhige Sammlung des Gemüts unmöglich war‘.«

 

Eine ruhige Sammlung des Gemüts erlaubt die neueste Ausgabe der Literaturzeitschrift Krachkultur nicht: Martin Brinkmann und Florian Reimann haben wieder über ein Dutzend junge Autoren aufgetan, die ihren eigenen Blick auf das Leben haben. Es sind Ausschnitte von Romanen, die demnächst erscheinen werden, Kurzgeschichten und Gedichte. Alle eint ein So-nicht-Leben-Wollen, das Grenzgängertum einer jungen Generation.

Schwerpunkt der neuen Ausgabe ist die junge weibliche US-Literatur: Da entsteht etwas Neues. Härter, direkter, und: sexistischer. Herausgeber Martin Brinkmann gibt mit seinem kurzen Essay der Krachkultur 15 den Rahmen: »Von wegen graue Schatten – Die neue Härte in der weiblichen US-Literatur« heißt sein Stück.

 

Maggie Nelson beschäftigt sich mit Goethes Farbenlehre im Rahmen ihrer Bluets – Gedanken zur Farbe Blau. Das Buch erschien in Amerika 2009, Auszüge nun erstmals in Deutsch in der neuen Krachkultur. Maggie Nelson hat die Farbe Blau in ihr Leben gelassen. Nun blaut es allüberall. »Bei einem Vorstellungsgespräch an einer Universität sitzen drei Männer mir gegenüber am Tisch. In meinem Lebenslauf heißt es, dass ich momentan an einem Buch über die Farbe Blau arbeite. Ich erzähle das schon seit Jahren, ohne ein Wort zu schreiben.«

 

Die Literaturzeitschrift im Paperback bringt seit 1993 ziemlich Gutes aus moderner Literatur. Immer ungewöhnlich und bislang unveröffentlicht, meist anregend und subversiv. Oscar Coop-Phane hielt es genau ein Jahr in Berlin aus, – und ging dann wieder zurück nach Paris. Krachkultur 15 bringt einen kurzen Auszug seines in diesem Jahr erscheinenden Romans Bonjour Berlin. Sein Protagonist taumelt durch das Berghain, einen der angesagtesten Clubs der Stadt, wird auf dem Klo zu Drogen eingeladen, – und dass er nicht schwul ist, macht hier nix.

»Bist du schwul?«
»Nein.«
»Ich schon, aber mach dir keine Sorgen, du bist nicht mein Typ (…)«

 

Prosa von authentischem Weltschmerz einer jungen Generation, die vom Leben mehr erwartet als die Befriedigung materieller Interessen. Von dieser Gesellschaft scheint sie jedenfalls nix mehr zu erhoffen. Wird sie eine neue Welt erbauen? Will sie es überhaupt?

 

Mariola Brillowska produziert in Hamburg Animationsfilme und anarchistische Theatershows, heißt es in ihrer Kurzvita in der Literaturzeitschrift. Ihre Geschichte ist wahrlich pornographisch-anarchisch: Der Brief an einen ehemaligen Freund/ Partner/ Geliebten, in dem sie ihre vergangenen Jahre schildert, seit er sie verlassen hat. Sie wurde zur Hure, entdeckte ihre Nymphomanie – und fühlte sich gut dabei…

 

Es gibt wieder jede Menge zu entdecken – abseits des Mainstreams. Doch was ist das eigentlich noch?

 

www.krachkultur.de