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Feb
17

Ernst Jünger – 15. Todestag

Ernst Jünger: 15 Jahre nach seinem Tod eine europäische Ikone
© DANDY-CLUB 2013

 

 

Am 17. Februar 1998 starb der Schriftsteller Ernst Jünger nur wenige Wochen vor seinem 103. Geburtstag.

Jüngers Dandyismus trat wohl kaum jemals wieder so deutlich zutage wie in seiner Pariser Zeit der Jahre zwischen 1941 und 1944. Obwohl als Besatzungsoffizier in Frankreich, bat er darum, von der Pflicht, Uniform tragen zu müssen, befreit zu werden, was ihm bewilligt wurde. Seine Lieblingsbeschäftigung war es, bei den Antiquaren am Seineufer zu stöbern und mit den Buchhändlern über bestimmte, besonders rare und bibliophile Bücher zu sinnieren.  „Während der Mittagspause bei Berès, dort in den Büchern gewühlt. Erstand die ‚Monographie Du Thé’ von J. G. Houssaye, Paris 1843, mit schönen Gravüren, leider am Einband etwas wurmstichig. Dann ‚La Ville et la République de Venise’ von St. Didier, Paris 1660 bei De Luyne. Der Einband sehr schön und unverwüstlich, ganz Pergament mit eingekniffenen Ecken und Pergamentbünden. Endlich Lautréamont: ‚Préface à un livre futur’, erschienen 1932, auch in der großen Bücherstadt Paris.“

Jünger sucht die Photographin Florence Henri auf, um sich porträtieren zu lassen (13. Juli 1942) oder verschwendet ausgiebig Gedanken an ein Ex Libris, das er sich anfertigen lassen möchte (12. Oktober 1941): „Oben ein Stern als Sinnbild des Unveränderlichen, Führenden, darunter ein Spruchband oder eine Wolke nach der Devise: ‚In Stürmen reife ich’. Jünger sieht sich in Paris wie auf einem Schiff, das in starkem Unwetter segelt.

Besonders instruktiv für Jüngers Anspruch, die nationalsozialistische Periode moralisch integer zu überstehen, ist die Eintragung vom 15. Oktober 1941, in der er von einem Besuch bei dem französischen Schriftsteller Sacha Guitry berichtet. Der Leutnant ist dort als Privatmann und vereinigt sich mit dem Gastgeber im Raum des Ästhetischen. „Mittags mit Speidel bei Sacha Guitry, in der Avenue Elysées Reclus. Vor dem Hause, auf städtischem Boden, steht die Büste des Vaters, des Schauspielers Lucien Guitry, und im Garten ein weiblicher Torso von Rodin, aufgewirbelt von höchster Lust.“ Ein Dandy besucht einen Dandy. „Zur Begrüßung überreichte Guitry mir eine Mappe mit je einem Briefe von Octave Mirbeau, Léon Bloy und Debussy – drei der Autoren, über die wir bei unserer ersten Begegnung gesprochen hatten. Und bat mich, diese Stücke in meine Sammlung einzureihen. Besonders das Blättchen von Bloy ist schön, mit persönlichen Bemerkungen und einer eigenen, monumentalen Schrift.“

 

Eine sehenswerte Dokumentation des ORF über Ernst Jünger: