Max von Oppenheims Vermächtnis

Max von Oppenheim in seinem Reisezelt,
Tell Halaf 1929
© Max Freiherr von Oppenheim-Stiftung, Köln




Er gilt heute als ein wenig zwielichtige Gestalt, – doch damit wird man ihm wohl kaum gerecht. Vielmehr kann man Max Freiherr von Oppenheim als einen der wenigen deutschen Dandies ansehen.

Max Freiherr von Oppenheim (1860 bis 1946) war Sohn der jüdischen Bankhaus-Dynastie Salomon-Oppenheim, studierte auf Wunsch seines Vaters Jura – und ging dann lieber für Ausgrabungen in den Nahen Osten…

Und jetzt widmen ihm die Staatlichen Museen zu Berlin eine sensationelle, eine völlig überraschende Ausstellung. Genauer gesagt werden auf der Berliner Museumsinsel neben einem halben Dutzend wieder zusammengesetzter Skulpturen tausende von Basaltbrocken ausgestellt, die bis 1943 unendlich wertvolle kunsthistorische Dokumente des Morgenlandes darstellten. Alliierte Phosphorbomben entfachten im Zweiten Weltkrieg einen fürchterlichen Brand in dem Museum in der Franklinstraße. Als die 900 Grad glühenden Bildwerke gelöscht wurden, zersprangen sie.

Max von Oppenheim hatte den sensationellen Fund gemacht durch seine Entdeckung einer verschütteten Festung in der syrischen Wüste. Der heute geheimnisumwitterte Ort wird in der Bibel Gozan genannt. Der deutsche Baron holte die 3.000 Jahre alten Skulpturen heraus und gründete in Berlin ein Privatmuseum. Ganze 13 Bahnwaggons waren nötig, um die riesigen und extrem schweren Monumente der Menschheitsgeschichte abzutransportieren.

Man kann ihn als Dandy ansehen, weil er aus seinem Leben etwas machte. Anstatt sich in Papas warmen Sessel zu setzen und Bankier zu werden, zog er es vor, im Leben etwas zu wagen. So ging er 1886 im damals noch mittelalterlichen Marokko in eine Moschee in Fès, was die Todesstrafe hätte bedeuten können. Oppenheim sammelte Bücher; – er schuf eine Bibliothek mit 43.000 Bänden.



Max Freiherr von Oppenheim neben der von ihm als „thronende
Göttin“
bezeichneten, einer 3000 Jahre alten Grabfigur.
Tell Halaf-Museum, Juli 1930
© Max Freiherr von Oppenheim-Stiftung, Köln




Er war interessiert und neugierig und bereiste das halbe Morgenland. Im Jahr 1896 ließ sich der Baron in Kairo nieder. Er fand eine hübsche Villa. Sein Vermögen erlaubte ausreichend Bedienstete. Da Oppenheim Arabisch sprach, gewann ihn der Kaiser für eine Mitarbeit am deutschen Generalkonsulat.

Einem Dandy gemäß, gab der Baron rauschende Tanzfeste und erfreute sich der morgendländlichen Festkultur. Auch die dortige Sitte, mehrere Frauen haben zu können, kam ihm entgegen. Der Spiegel schreibt: »Auf Diwanen empfing er britische Botschafter, polnische Prinzessinnen oder den US-Hotelkönig John Jacob Astor (der später beim Untergang der „Titanic“ ertrank). Als Agatha Christie den Orient bereiste, schwelten dort immer noch Legenden vom sagenhaften Reichtum ‚El Barons‘.«

Pergamonmuseum, Museumsinsel Berlin, bis 14. August 2011; Katalog 39,95 Euro.
Website der Ausstellung:
http://www.gerettete-goetter.de/


Die Zeit über einen Film: http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2009-09/Oppenheim

Der Spiegel zu Max Freiherr von Oppenheim und die aktuelle Ausstellung: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,741313,00.html