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Sep
07

Andy Warhol – The Early Sixties

Andy Warhol, Silver Liz, Juni/ Juli 1963
© Andy Warhol Foundation




Vier Jahre genügten, um die Kunst zu revolutionieren. Zwischen 1961 und 1964 hat Andy Warhol ein Konzept für seine Arbeit entwickelt, das die Kunst verändern sollte und ihn zum bedeutendsten Künstler der zweiten Hälfte des 20-sten Jahrhunderts machte. Andy Warhol schuf sich die Idee für seine Karriere, für sein Bild in der Öffentlichkeit und die Aura seines Werkes.

Das radikale Ersetzen der bisherigen individualistischen, gestisch bestimmten Bildsprache durch die von ihm verwandten massenbekannten, hochkapitalistischen und bereits vollständig benutzten Bilder stellte jedwede Kategorie von Kunstschaffen infrage. Die Ausstellung Andy Warhol – The Early Sixties. Gemälde und Zeichnungen 1961 – 1964 im Kunstmuseum Basel widmet sich der vielleicht bedeutendsten Periode der Kunst-Ikone: Neben 70 Gemälden und Zeichnungen ist auch Arbeitsmaterial aus seinem Atelier zu sehen. Das fulminante Katalog-Buch aus dem Hatje Cantz Verlag dokumentiert die ausgestellten Werke. Drei äußerst lohnenswerte Essays beleuchten diesen besonderen Umbruchsmoment in der modernen Kunstgeschichte.

Arthur Danto wählt in seinem Beitrag als Werkexempel Andy Warhols Before and After, um das Ausmaß der Veränderung zu illustrieren. Und diese Veränderung betraf längst nicht nur Warhols Kunst. Sie betraf sein gesamtes Schaffen, seine Ansichten, sein Leben und in deren Folge den gesamten Kunstbetrieb.

1961 entdeckte er in einer Zeitung die Anzeige eines Schönheitschirurgen. Mit zwei Schwarz-Weiß-Zeichnungen warb der für Nasenkorrekturen: links sah der amerikanische Zeitungsleser eine hässliche lange Hakennase, rechts die korrigierte kleine, süße Stupsnase – ähnlich zweier Scherenschnitte. Warhol vergrößerte das Bild mittels Projektor um ein Hundertfaches und malte es ab auf Leinwand.

Warhol war bis dahin ein äußerst erfolgreicher Werbegraphiker, dessen Arbeit ihm nicht nur Wohlstand brachte, sondern auch Anerkennung. Hauptsächlich zeichnete er für eine Schuhfirma High-Heels in kitschigen Bonbon-Farben. Ende der 50-er Jahre wollte er mehr. Warhol wollte mit aller Gewalt als Künstler berühmt werden.

Arthur Danto schreibt zu Before and After: »Der Grund dafür, dass Warhol zu der Kultfigur wurde, die er am Ende war, hängt teilweise damit zusammen, dass zunächst fast niemand eine Differenz zwischen den beiden Bildern erkannt hätte. Warhol hat nicht einfach eine banale Werbegrafik reproduziert. Er machte den Unterschied zwischen einer banalen Grafik und einem Kunstwerk mit einem Schlag unsichtbar und bedeutsam. Damit veränderte er jedoch weniger die Art, wie wir Kunst betrachten, als die herkömmliche Auffassung von Kunst überhaupt. Mit andern Worten, zwischen 1959 und 1961 wurde der Keim zu einer visuellen und letztlich auch kulturellen Revolution gelegt.«

Die bedeutende Ausstellung beweist, dass zu Andy Warhol noch längst nicht alles gesagt ist. In ihrer Idee und in ihrem Gesamtkonzept ist sie herausragend, weil sie eine Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte von Warhols Häutung, von der hochmotivierten Erfindung seines Bildkonzeptes, bei dem er das Bild nicht selbst erfindet, sich vielmehr vorhandener Bildvorlagen bedient. Die Steigerung des Gesellschaftsspiegels lag darin, dass er häufig noch nicht einmal die Vorlagen selbst fand. Er war angewiesen auf Ideen von anderen, die ihm sagten, warum nimmst Du nicht mal eine Suppendose. Warhol praktizierte dies offensiv, indem er Besucher unvermittelt nach Ideen für Vorlagen fragte.


Zwei Seiten des fulminanten Katalog-Buches von Hatje Cantz
© Hatje Cantz Verlag




Sebastian Egenhofer fragt in seinem Katalog-Beitrag nach »Subjektivität und Bedeutungsproduktion beim frühen Warhol«. Er sieht die Bedeutung von Warhols Frühwerk insbesondere in der Entäußerung der Bedeutung: Warhol habe den Sinn an die Oberfläche des Werkes verlagert.

Stefan Neuner untersucht Warhols Schaffen in den frühen 1960-er Jahren mittels der Komödientheorie dieser Zeit. Warhol habe die Kunst wie kein anderer Maler relativiert. Neuner sieht Warhol daher eher als Wegbereiter einer Kunst nach der Malerei.

Das Katalog-Buch wird an diese herausragende Ausstellung im Kunstmuseum Basel auch nach deren Ende erinnern und weitere Forschungen animieren.

http://www.kunstmuseumbasel.ch/de/home/
http://www.hatjecantz.de/controller.php?cmd=detail&titzif=00002650

Andy Warhol – The Early Sixties.
Ausstellung im Kunstmuseum Basel noch bis zum 23. Januar 2011.
Katalog zur Ausstellung:
Hatje Cantz Verlag 2010, 240 Seiten mit 170 Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag, 39,80 Euro.


1 Kommentar

  1. Weihnachtsgeschenke » Dandy Club sagt:

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