«

»

Mrz
01

Alexander Pechmann – Die Nebelkrähe

Dieses frühe Portrait-Photo einer später berühmten irischen Persönlichkeit
spielt in dem Roman eine Schlüsselrolle

 

 

 

 

Alexander Pechmann: Die Nebelkrähe
176 Seiten, gebunden, Steidl Verlag 2019, 18 €.

 

 

 

Im Jahre 1924 erschütterte eine Nachricht London: Hester Dowden veröffentlichte ein Buch, in dem sie minutiös darlegte, dass sich in mehreren spirituellen Sitzungen der 1900 gestorbene Oscar Wilde gemeldet habe. Alexander Pechmann spinnt aus diesem Stoff einen aufregenden Roman.

 

 

1924 erschien in London das Buch Psychic Messages from Oscar Wilde (Außersinnliche Botschaften von Oscar Wilde) von Hester Travers Smith, die vor ihrer Heirat Hester Dowden hieß und später wieder unter ihrem Familiennamen firmierte. Dieses Buch erlebte in kürzester Zeit viele Auflagen und bestimmte das Gespräch nicht nur in den literarischen Kreisen Londons.

 

 

Bei dem Buch handelt es sich eigentlich um Skripte: Den wesentlichen Inhalt machen Aufzeichnungen aus, die ein bei der Sitzung als Medium anwesender Mann machte, der unter leichter Anleitung von Hester Dowden Kontakt zur Seele Oscar Wildes aufgebaut haben soll. In einer deutschen Ausgabe umfassen die originalen Aussagen Oscar Wildes etwa 30 Buchseiten. Nach anfänglichen zweifeln, ob es sich bei dem Äußernden wirklich um den ehemals so berühmten Schriftsteller und Gesellschaftsschreck handelt, überwog bei den Beteiligten bald eine Art von Gewißheit. Direkt nach der ersten Sitzung verglich Hester Dowden die vom Medium aufgezeichnete Handschrift mit einem Faksimile Oscar Wildes und stellte bis in Details eine erstaunliche Ähnlichkeit fest. Auch Sprache und Duktus erinnern auffällig an den irischen Dichter, der ebenso wie die Spiritistin in Dublin geboren worden war.

 

 

Alexander Pechmann erzählt die Geschichte dieses erstaunlichen Empfangs von Nachrichten des Autors von Das Bildnis des Dorian Grey so, dass der Leser das Buch kaum aus der Hand legen kann. Das wird noch durch die Erzählperspektive verdichtet, wird die wahre Begebenheit doch von dem Medium geschildert. Und dieser junge Mann gerät anfangs eher durch Zufall denn aus gierigem Interesse in die spiritistischen Sitzungen…

 

 

Nach anfänglich zweifelnden Fragen und stockenden kurzen Antworten Oscar Wildes wird dieser gefragt, warum er hier sei. Er antwortet unvermittelt:
»Die Welt soll erfahren, dass Oscar Wilde nicht tot ist. Seine Gedanken leben in den Herzen derjenigen, die in einem barbarischen Zeitalter die Flötenmelodie der Schönheit auf den Hügeln vernehmen oder erkennen, wo ihr weißer Fuß den Morgentau von den Schlüsselblumen streift. Von der Erinnerung an die Schönheit der Welt bleibt nur ein süßer Schmerz. Ich war immer schon einer von denen, für die die sichtbare Welt real ist. Ich bete am Schrein des Sichtbaren…

 

 

Dieser spannende Roman bringt essenzielle Teile der von Hester Dowden überlieferten Aussagen zum ersten Mal in Deutsch. Über eine gelungene Unterhaltung hinaus lädt er jeden Leser ein, sich mit Dingen jenseits des alltäglich Wahrgenommenen zu befassen.

 

Hier geht’s zum Buch.