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Okt
29

Peter Schermuly – Catalogue raisonné

© Peter Schermuly, Großer Rückenakt

 

 

 

Peter Schermuly, Catalogue raisonné.
Herausgegeben von Martin Mosebach und Brigitte Schermuly,
360 Seiten mit 847 Abbildungen, gebunden in Leinen mit Schutzumschlag, Hirmer Verlag 2015, 98,- Euro (D).

 

 

Der Maler Peter Schermuly (1927-2007) schuf Bilder einer kunstvollen Realität. Er suchte, die Gegenständlichkeit der Dinge auf seinen Gemälden zu erfassen. Sein Stil und seine Ansichten waren im bundesdeutschen Kunstbetrieb nicht zeitgemäß, weshalb ihm größere Bekanntheit versagt wurde. Ein aufwendiger Catalogue raisonné könnte post mortem daran nun etwas ändern.

 


Peter Schermuly wurde 1927 in Frankfurt am Main geboren. Äußersten Wert legte er auf seine Herkunft; die Familie stammte aus dem Nassauer Land, hatte ihre Wurzeln aber in Lucca und der Schweiz. Die Großmutter war Lothringerin. Dies führte bei ihm zu einem anti-preußischen Affekt.

 

 

© Peter Schermuly, Atelierstilleben mit Figur

 

 

Früh war für ihn die Entscheidung klar, Maler werden zu wollen. Zu Gute kam ihm, dass in Wiesbaden, wo nach dem Krieg seine Mutter wohnte, die Amerikaner Bestände aus der Berliner Gemäldegalerie untergebracht hatten. So konnte sich Peter Schermuly  an Tizian und dem holländischen Genremaler Vermeer satt sehen. Sie stehen für das, was Schermuly für Malerei hielt.

 

 

Scheinbar wußte Schermuly schon früh, was Malerei für ihn bedeutet und welche Art von Gegenständlichkeit er darstellen wollte. Herausgeber Martin Mosebach schreibt in seinem kurzen Portrait, Schermuly, mit dem er viele Jahre befreundet war, habe keinen Widerspruch gesehen in  seiner Tätigkeit als abstrakter Künstler und seinem Verhältnis zur alten Kunst, die für ihn stets der Quell blieb.

 

 

© Peter Schermuly, Rote Vase mit Blättern

 

 

»Es war ihm unmöglich, sie als etwas Vergangenes zu begreifen, etwas Totes, das für die Lebenden keine Verbindlichkeit mehr zu stiften vermochte«, schreibt Mosebach. »Ein Kunstwerk führte in der Vorstellung Peter Schermulys ein von seinem Hersteller gelöstes, von ihm unabhängiges Dasein, und das hieß auch: daß es sich von der Zeit, in der es entstanden war, frei gemacht hatte, daß es der Kraftzufuhr durch den Zeitgeist nicht mehr bedurfte und ohne ihn die Reise durch die Jahrhunderte anzutreten vermochte.«

 

 

Schermuly blieb zu Lebzeiten der Erfolg verwehrt. Zu vielseitig ist sein Œuvre, zu sehr haben seine Gemälde die westdeutschen Erwartungen unerfüllt gelassen. Sich auf seine Bilder einzulassen erfordert Muße, Zeit, Aufmerksamkeit. In Russland war ihm dagegen ein gewisser Erfolg beschieden. Verschiedene Ausstellungen fanden in den 1990er Jahren statt und fanden ein beachtliches Medienecho.

 

 

Der nun erschienene Catalogue raisonné präsentiert das Gesamtwerk Peter Schermulys. Er und sein Œuvre haben das acht Jahre nach seinem Tod verdient. Der Schriftsteller Martin Mosebach bringt uns den Maler in zwei Texten näher. Stephen McKenna, ein in London lebender britischer Maler, schreibt einen Beitrag über die Begegnungen der beiden Maler mit ähnlichen Ansichten.

 

 

Das schwere Buch ist das ultimative Handbuch zu Peter Schermuly. Gedruckt auf GardaMatt 150g, gebunden in schwarzes Leinen, enthält es daneben Texte des Malers, eine Biographie und das vollständige Ausstellungsverzeichnis. Ein Buch, in seiner Gestaltung und Umfänglichkeit so kompromißlos wie Schermuly selbst.