«

»

Dez
21

DANDY-CLUB Buch des Jahres

Napoli, il quartiere di Santa Lucia e Castel dell’Ovo, 1890
© 2013. Foto Scala, Firenze/BPK, Bildagentur fuer Kunst, Kultur und Geschichte, Berlin

 

 

Für Kurzentschlossene das ultimative Weihnachtsgeschenk für echte Connaisseures und Dandys: Ein kompromissloses Ausnahme-Buch in Format, Gestaltung, Idee &C. &C. – Mit einigen handkolorierten Photogrphien!
Das DANDY-CLUB-Buch des Jahres:

 

Grand Tour. Mit Goethe durch das alte Italien.
Einführung von Andrea Amerio. Deutsch/ Englisch, gebunden in weiße Seide, 144 Seiten mit 64 großformatigen Abbildungen, teils handkoloriert. Hatje Cantz Verlag 2013, 34 mal 49 Zentimeter, 98 Euro.

 

Ladies and Gentlemen, wir präsentieren das Buch des Jahres!

 

Ja, obwohl noch nicht einmal der Juni vergangen ist, wagen wir uns vor. Wir haben die Freude, ein Buch vorzustellen, das aufgrund der Kompromisslosigkeit seiner Ästhetik für jeden Italien- und Bücher-Liebhaber ein Must-Have ist.

 

Der Kunstbuch-Verlag Hatje Cantz bringt mit Grand Tour ein Buch heraus, dessen Gestaltung an die Grenzen des Machbaren geht. Da ist zum einen das Format: Etwa 35 mal 49 Zentimeter. Dann der Einband: Der Riesenband, der jeder Staffelei zur Ehre gereicht, ist in weiße Seide eingeschlagen. Der sonst eher bescheidene Verlag teilt mit, es gebe in ganz Europa nur wenige Buchbindereien, »die so große Bögen maschinell überhaupt verarbeiten können«.

 

Johann Wolfgang von Goethe begab sich zwischen 1786 und 1788 auf die legendäre Grand Tour. Sie gehörte im 18. und noch im beginnenden 19. Jahrhundert zu Ausbildung und Erziehung junger Gentlemen, die über ihren eigenen Kulturkreis hinauswachsen sollten. Teils von den Vätern geschickt, teils auf eigene Faust, machten sich junge Dandys auf, das Land kultureller Sehnsucht und erwarteter Romantik zu erkunden. Laurence Sterne machte sich in seinem Tristram Shandy (1759-1767) – wie über so vieles andere – auch über die Grand Tour lustig:

 

»Daß sie werden wie ein Rad‘ ist, wie alle Gelehrten wissen, ein bitterer Spott auf den grand tour, wie auf den ruhelosen Geist, der dazu treibt, und der die Menschheit in den letzten Tagen umherjagen wird, wie David prophezeit hat. Der große Bischof Hall hält dies für eine der stärksten Verwünschungen Davids gegen die Feinde des Herrn und für ebenso gut, als wenn er gesagt hätte: ich wünsche ihnen nichts Besseres, als immer herumgerollt zu werden. So viel Bewegung, fährt er fort, so viel Unruhe (er war nämlich sehr korpulent), und dem analog: so viel Ruhe, so viel Seligkeit.
Ich (der ich mager bin) denke anders; ich meine, so viel Bewegung, so viel Leben und Freude, und still stehen oder langsam vorwärts kommen, ist nicht besser als Tod und Teufel.«

 

 

Roma, il Colosseo e l’Arco di Costantino, 1890
© 2013. Foto Scala, Firenze/BPK, Bildagentur fuer Kunst, Kultur und Geschichte, Berlin

 

 

Goethe reiste von Karlsbad über den Gardasee und Verona nach Venedig. Anschließend nach Bologna, Florenz, Rom, dann Neapel, Capri, Sizilien. Das unglaubliche Buch stellt besondere kurze Ausschnitte von Goethes Italienische Reise Aufnahmen verschiedener Photographen gegenüber. Der Connaisseur fragt sich unweigerlich: Hat er das so gesehen? Die Aufnahmen sind ja mindestens 70 Jahre jünger, als Goethes Blick die Orte erfasste. Allerdings begann der eigentliche Tourismus dann erst im 19. Jahrhundert. Er führte zu gewaltigen Veränderungen der historisch bedeutsamen Orte, die heute einen großen Preis an den Massenstrom der Touristen aus aller Welt zu zahlen haben.

 

Der Geheimrat schildert seine Eindrücke stilisiert. Man muss dabei wissen, dasr er den Text seiner Reisebeschreibung vor der Veröffentlichung überarbeitet hat, – also vermutlich auch von so mancher emotionalen Erregung geglättet. Seine Ankunft in Florenz schildert Goethe so:

 

»Den Dreiundzwanzigsten früh, unserer Uhr um zehne, kamen wir aus den Apenninen hervor und sahen Florenz liegen in einem weiten Tal, das unglaublich bebaut und ins Unendliche mit Villen und Häusern besät ist. […] Hier tut sich wieder eine ganz neue, mir unbekannte Welt auf. […] Der Stadt sieht man den Volksreichtum an, der sie erbaut hat. […] Überhaupt fällt es auf, was in Toskana gleich die öffentlichen Werke, Wege, Brücken für ein schönes, grandioses Ansehen haben. Es ist hier alles zugleich tüchtig und reinlich, Gebrauch und Nutzen mit Anmut sind beabsichtigt, überall läßt sich eine belebende Sorgfalt bemerken.«


Die Photographien des Riesenbandes stammen von verschiedenen, teils unbekannten Photographen. Der Clou: Einige sind im Stil ihrer Entstehungszeit handkoloriert.

 

 

 

Giorgio Sommer: una via di Napoli, 1865
© 2013. Foto Scala, Firenze/BPK, Bildagentur fuer Kunst, Kultur und Geschichte, Berlin