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Okt
14

Schwarze Romantik – Das Begleitbuch

 

Schwarze Romantik: Der gelungene Begleitband aus dem Hatje Cantz Verlag
© Hatje Cantz

 

 

Schwarze Romantik. Von Goya bis May Ernst.
Begleitband zur Ausstellung im Städel Museum Frankfurt am Main.
Hatje Cantz Verlag 2012, 304 Seiten, 360 Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag, 45 Euro.

 

Die Ausstellung  Schwarze Romantik – Von Goya bis Max Ernst im Frankfurter Städel Museum (noch bis zum 23. Januar 2013) versammelt über 200 Werke von 70 Künstlern: Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Photos und Filme. Die groß angelegte Schau und der begleitende Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag wollen einen neuen Blick auf diese Strömung freigeben und sie eher als Geisteshaltung denn Epoche sehen. Ihr Fortleben im Symbolismus und Surrealismus zeigt, wie stark ihr Einfluss noch lange blieb.

Der Begriff »Schwarze Romantik« wurde von dem italienischen Literaturwissenschaftler Mario Praz verwandt. Sein Buch Liebe, Tod und Teufel. Die schwarze Romantik von 1930 erschien in Deutsch mit diesem Titel erst 33 Jahre später. Praz wollte die romantische Literatur unter dem Aspekt ihres erotischen Empfindens untersuchen. So sind es nicht zufällig Praz‘ wichtigste Künstler, die sich im Städel und dem Katalog wiederfinden: Lord Byron, der Marquis de Sade und John Milton sind direkt oder indirekt Impulsgeber und Vorbilder der jungen Künstler gewesen.

Durch die Beiträge des bibliophilen Katalogbuches lässt sich nachvollziehen, aus welcher Situation die heute als Schwarze Romantik bezeichnete Bewegung entstand. Im 19. Jahrhundert sprach sich herum, wie blutig die Französische Revolution tatsächlich gewesen war. Willkürlich wurden Tausende geköpft, nur weil sie Adlige waren. Felix Krämer beschreibt die Zeit in seinem einführenden Text so:
»Wenngleich die junge Generation die Französische Revolution zunächst als Geburt eines neuen Zeitalters feierte, zeigten sich rasch die Schattenseiten dieser Epochenwende, in deren Folge das Licht der Aufklärung rapide an Strahlkraft verlor. Binnen weniger Jahre brach die alte Staatenordnung zusammen. Terror und Kriege brachten Leid und Zerfall gesellschaftlicher Ordnungen in weiten Teilen Europas.« So wetterte Charles Baudelaire gegen die Demokratie, die alles nivelliere, und der mit ihm befreundete Eugène Delacroix malte 1835 »Hamlet und Horatio auf dem Friedhof«. Trotz seiner als schwermütig bezeichneten Seelenmalerei ließ er sich nicht gern vom Kunstkritiker Baudelaire als Erster der Romantiker vereinnahmen: »Wenn man unter meiner Romantik den freien Ausdruck meiner persönlichen Eindrücke versteht, meine Abkehr von den immer wieder durchgepausten Typen in den Schulen und meine Abneigung gegenüber den akademischen Formeln, dann muss ich gestehen, dass ich Romantiker bin.«

Man merkt dem Katalog an, dass er von Hatje Cantz ist: Die Gestaltung ist höchst gelungen und harmoniert kongenial zur Ausstellung und den Werken. Der Einband in dunklem Fliederviolett mit geprägter Schrift lädt zu Beschäftigung mit der dunklen Seite der Kunst ein. Der großformatige Band beinhaltet alle ausgestellten Werke. Sogar der Film Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens von Friedrich-Wilhelm Murnau  aus dem Jahr 1922 ist mit mehreren ergreifenden Filmstills abgebildet. Zuweilen hätte den Texten weniger Wertung gutgetan. Hubertus Kohle schreibt über Alfred Kubins Todessprung von 1901/02, der die Scham der Frau zwischen den gespreizten Beinen einem Gebirge gleich zeigt, in das ein winzig dargestellter Mann hineinspringt: »Das Geschlecht der Frau als Abgrund zu empfinden, in das hinein sich der abenteuerlustige Mann unglücksselig versenkt: Dazu bedurfte es der überhitzten Fantasie eines aus strengen familiären Verhältnissen stammenden Österreichers, der im München der Jahrhundertwende auf eine freiheitliche und zugleich schwülstige Kunstszene traf, in welcher der Geschlechterkampf eine zentrale Rolle spielte.«

Dennoch ist der Ausstellungs-Band aufgrund seiner Qualität und Quantität der gezeigten Werke und behandelten Themen eine Art Handbuch zur Schwarzen Romantik.

DANDY-CLUB Empfehlung!

 

 

Caspar David Friedrich, Kügelgens Grab 1821/22
Privatbesitz