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Sep
15

Makellos

Die Magazin der Süddeutschen Zeitung interviewte Karl Lagerfeld und ’seinen Dorian Grey‘, Baptiste Giabiconi. Entgegen der Tradition des Magazins, Interviews frei zu erfinden, scheint es diesesmal tatsächlich stattgefunden zu haben.

Der Journalist beschreibt die dandyeske Atmosphäre, die Lagerfeld ihm für das Gespräch gönnt:

„Ramatuelle an der Côte d’Azur, oberhalb von St-Tropez, Lagerfelds Sommersitz. Es ist ein heißer Tag im August, Frederique, der Butler, schwarze Hose, weißes Jackett, schwarze Krawatte, deckt den Tisch auf der Terrasse: Er serviert geschälte Krabben, dazu in Scheiben geschnittene Zucchini und Tomaten. Zu trinken: gekühltes Wasser, eiskalte Pepsi light. Lagerfeld erscheint nach wenigen Minuten, von Kopf bis Fuß in Weiß. Nur seine Krawattennadel, in Form einer kleinen Koralle, leuchtet rosa. Er erkundigt sich nach der Anreise, beginnt mit Small Talk. Er ist ein geübter Gastgeber, der seinem Gast zum Essen Wein anbietet, obwohl er selbst keinen Schluck trinken würde. Ein nachsichtiger Gastgeber: Rauchen ist erlaubt, obwohl er selbst nicht raucht. Gute Bedingungen für ein Gespräch, zu dem kurz auch das Topmodel Baptiste Giabiconi, Lagerfelds Entdeckung, stoßen wird. „

Ein Auszug:

„SZ-Magazin: Herr Lagerfeld, wie fänden Sie es, wenn wir über das Weibliche im Mann sprechen?
Karl Lagerfeld: Amüsant. Fragen Sie!

SZ-M: Würden Sie sich als Mann bezeichnen?
KL: Ja, als was denn sonst? Ich bin ebenso ein Mann, wie Sie einer sind. Über sexuelle Orientierungen spreche ich nicht, aber die alte Idee von Männlichkeit ist überholt. Jeder Mann hat etwas Weibliches an und in sich.
SZ-M: Sie sprechen von Androgynie?
KL: Ich würde eher das französische Wort »l’ambiguïté« verwenden. (…)

SZ-M: Was empfindet ein Mann wie Sie beim Anblick eines jungen Models wie Baptiste Giabiconi?
KL: Das ist abstrakt, ein ästhetisches Gefühl. In etwa dasselbe, wie wenn Sie sich im Museum ein Gemälde anschauen. Baptiste hat etwas Einzigartiges, frei nach Jean Cocteau, ein übernatürliches Geschlecht der Schönheit.
SZ-M: Sie finden, er ist makellos?
KL: Schauen Sie ihn an!

Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen Ihnen beiden?
Das Wichtigste ist: Wir verstehen uns blind. Manchmal kann ich von ihm geforderte Posen instinktiv erraten. Wir haben aber auch schon Kurzfilme gedreht, um alle Möglichkeiten einer Pose zu entwickeln. (…)“

Das gesamte Interview finen Sie hier: