Am Hofe von Karl Lagerfeld

Der Karl Lagerfeld-Teddybär von Steiff. Photo Copyright Steiff. All rights reserved.



Na so schlimm war’s dann ja doch nicht. Kerner hat es überlebt. Die üblichen Blessuren schaden seinem Image sicher nicht.
Die Welt von heute amüsiert sich über die Sendung und sieht den „Gastgeber in einer Statistenrolle“. Die Tgeszeitung gibt der gestrigen Sendung den Titel: „Kerner und ich – wie ich den Moderator zur Marionette degradierte.“

Die Welt schreibt: „Es war eine denkwürdige Begegnung: Hier ein Johannes B. Kerner, den die Aussicht auf seinen Neustart als „Günther Jauch von Sat.1“ gelegentlich zu beflügeln scheint, aus seinen Gästen mehr herauszukitzeln als vorgestanztes PR-Deutsch. Dort der Modeschöpfer, der seine Rolle als wunderlicher, aber genialer Entertainer so weit perfektioniert hat, dass er sie notfalls auch noch im Schlaf weiterspielen könnte.
Beide beherrschen die Kunst, mit viel Worten nichts zu sagen. Doch während Kerner daran scheitert, setzt Lagerfeld diese Fähigkeit erfolgreich als Waffe ein, um jede Frage abzuwehren, die den Mythos Lagerfeld gefährden könnte. Wie teuer der billigste Anzug sei, den er trage? „Der Höhepunkt des Luxus ist, nicht nach Geld zu gucken.“

http://www.welt.de/fernsehen/article3896630/Wie-Lagerfeld-Kerner-zur-Marionette-degradiert.html

Hier noch der Link zur Aufzeichnung der Sendung:



Who is Heidi Klum?

Noch vor der Ausstrahlung der neuesten Variante ‚Karl Lagerfeld in der Johannes B. Kerner-Show‘ sorgt die Sendung für mediale Aufmerksamkeit. Die Journalisten nehmen als Aufhänger, dass der deutsche Dandy die Model-Moderatorin Heidi Klum nicht kennt. Au weia. Und Guido Westerwelle kennt er auch nich. Sagt er jedenfalls. Aber der sehe wenigstens nicht unsympathisch aus, sagt Lagerfeld.

Sendetermin: Heute, Dienstag, 9. Juni 2009, 22.45 Uhr im ZDF.

Bereits die bisherigen Besuche Lagerfelds beim Sportmoderator waren kultisch… Auch dieser wird nicht nachstehen.
Bei einer vorhergehenden Kerner-Sendung trug Karl Lagerfeld eine Brille mit der Aufschrift „fuck you“, was den öffentlich-rechtlichen Moderator aus der Fassung brachte. Kostprobe des Stelldicheins:
Kerner: „Finden Sie sich sexy?“
KL: „Nein. Das ist auch nicht in meiner Preislage.“



Der Spiegel rezensiert LÜGE

Nun hat auch Spiegel online den Band mit sämtlihen Erzählungen des russischen Décadent Viktor Hofmann rezensiert:

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,627408,00.html

„Als sich der russische Schriftsteller Victor Hofmann 1911 in Paris das Leben nahm, war er erst 27 Jahre alt. Seine wiederentdeckten Erzählungen zeigen einen beeindruckend modernen Autor“, schreibt Claudia Voigt in ihrer lesenswerten Buchvorstellung.

„Das alles liest sich erstaunlich modern. Und doch war Hofmann, der als Sohn eines österreichischen Vaters und einer halbdeutschen Mutter in Russland geboren wurde, vor allem ein Kind seiner Zeit, des Fin de Siècle. Seine Sprache zeugt von seiner Faszination für die Macht der Psyche, seine Sätze sind atmosphärisch aufgeladen von bildhaften, düsteren Adjektiven. Der Übersetzer Alexander Nitzberg hat dafür im deutschen einen sehr eigenen Ton gefunden“, urteilt die Autorin von Spiegel-online.

Photo: Lilienfeld Verlag



1778 Beau Brummell geboren

Heute vor 231 Jahren wurde der Urdandy George Bryan Brummell geboren. Also am 7. Juni 1778. Aus diesem Grunde erinnern wir an den Vorfahren sovieler eigenständiger und selbstbewahrender Persönlichkeiten, die den dandysme lebten.
Für den heutigen Tag empfehlen wir als Lektüre – ob nachmittags im Café oder abends bei einem Glas Rotwein – die süffisante und kluge Studie von Jules Amedée Barbey d’Aurevilly Vom Dandytum und von George Brummell. Kongeniale Neuübersetzung und zum erstenmal vollständig in deutsch bei Matthes & Seitz Berlin.



Pückler-Ausstellung in Weimar



Die Klassik Stiftung Weimar eröffnet am kommenden Sonntag eine Ausstellung über Fürst Hermann von Pückler-Muskau:
Dandy, europäischer Gartenkünstler, Weltreisender
Sonntag, 07. Juni bis 31. August 2009.

Ausstellungseröffnung: Sonntag, 07. Juni 2009 um 11.00 Uhr.
Ort: Orangerie Belvedere.
Eintritt frei.



Flaneur- Kongress

In Frankfurt am Main findet am kommenden Freitag und Samstag ein sogenannter Flaneur-Kongress statt. Veranstalter ist das Schauspiel Frankfurt.

Oroginaltext:

„Flaneur – Der Kongress
KUNST, THEORIEN UND GESPRÄCHE IM GEHEN, SITZEN UND LIEGEN

Kuratorin: Claudia Plöchinger; Dramaturgie: Nadine Vollmer; Ausstattung: Jo Schramm, Birgit Kellner
5. JUNI: BEGINN 16.00 UHR SAMSTAG 6. JUNI: BEGINN 14.00 UHRIM SCHAUSPIELFRANKFURT, AUF DEM WILLY-BRANDT-PLATZ UND IM URBANEN LABYRINTH FRANKFURTS (TREFFPUNKT AUF DEM WILLY-BRANDT-PLATZ)

Der Flaneur protestiert. Gegen Eile und Effizienz. Gegen Arbeit und kapitalistische Verwertungslogik. Gegen Zeitökonomie. Er steht für Müßiggang, Nicht-Verwertbarkeit, Entzug und Risiko. Für Sich-Zeit-nehmen, Ziellosigkeit und für den Blick auf das Schöne. Der Flaneur ist eine Sehnsuchtsfigur. Und die Sehnsucht nach ihm befördert uns in ein Feld zwischen Beschleunigung und Entschleunigung, Gehen und Verweilen, Müssen und Nicht-Müssen, distanziertem Beobachten und teilnehmendem Denken und Handeln. Genau in diesem Zwischenraum werden wir uns zwei Tage lang gemeinsam mit Künstlern und Theoretikern auf die Suche nach dem Flaneur und den Taktiken seiner Alltagspraxis begeben.

Auf dem Willy-Brandt-Platz und im urbanen Labyrinth Frankfurts werden wir uns bewegen und innehalten, den Blick umher schweifen lassen, das Tempo verändern, die Perspektive wechseln, Gespräche führen und uns die Picknickkörbe teilen: It’s ok to hang around!?

TICKETPREISE: € 20 / erm. € 15 (inkl. Picknick-Set)€ 28 / erm. € 23 (inkl. Picknick-Set und Vorstellung)“

http://www.schauspielfrankfurt.de/spielplan/stueckinhalt.asp?InhaltID=7513


A Rebours Originalausgabe

Photo: Orban & Streu



Das Frankfurter Antiquariat Orban & Streu offeriert eine frühe Originalausgabe von Joris-Karl Huysmans Dandy-Bibel A Rebours (Gegen den Strich). – Leider allerdings zu sagenhaftem Preis…

Hier die Beschreibung des Antiquariats:

Paris, Bibliotheque-Charpentier (Imprimerie Crete), 1892. 4. Auflage, Sprache: Französisch
Kurzinfo:
Quatrieme Mille (4. Tausend), 8°, 294 S. (in französischer Sprache), Halbleder-Einband der Zeit mit goldener Rückenbeschriftung und -verzierung, Exemplar aus einer Frankfurter Lehrerbibliothek (Liebig-Realschule) mit einem Rundstempel und einem Ziffernvermerk auf Titels. sowie einem durchgestrichenen Ziffernvermerk auf Vorsatzseite, Einband und Einbandkanten stellenweise beschabt, oberes Kapital bestossen, minimal schief, Reste eines alten Rückenschildes auf Buchrücken, eine Seite mit zwei dezenten Randanstreichung, eine Seite oben angelockert, sonst altersgemäß gutes Ex. (büre).

Antiquariat Orban & Streu GbR
Herr Thomas Orban & Ines Streu
Eckenheimer Landstraße
3660318 Frankfurt/Main
Deutschland
0049 (0) 69 / 94 41 55 70
E-Mail: info@orbanundstreu.de



Französische Jünger-Bio

Bei Editions du Roche erschien eine neue Biographie über Ernst Jünger:

Dominique Venner, Ernst Jünger. En Librairie le Vendredi.

176 Seiten. ISBN 978 2 268 06815 2.

(Dank an Tobias Wimbauer: www.waldgaenger.de.)


Die geölte Dandy-Matte

Kein Grund zu schmollen, Nick!



In der morgigen Druckausgabe bespricht die Wiener Zeitung Der Standard die ersten 4 Alben von Nick Cave, die jetzt neu aufgelegt wurden.
Schrott und Bibel

Die ersten vier Nick-Cave-Soloalben wurden soeben neu aufgelegt
Karl Fluch beschreitet den Kreuzweg zurück zu den Anfängen des Ausnahmekünstlers.

Manche Dinge verräumt die Erinnerung in Richtung Verklärung. Das zeitigt vage Gefühle. Manches kann sehr konkret bleiben, anderes liegt nur noch als dünne Witterung in der Luft. Konfrontiert man diese also aus Fakten und Privatmythen bestehenden Erinnerungen mit ihren Auslösern, kann es ein gutes wie böses Erwachen geben. Derlei Gedanken kommen einem beim konzentrierten Wiederhören der ersten vier Alben, die Nick Cave mit den Bad Seeds aufgenommen hat. Diese wurden soeben im De-luxe-Kostüm neu aufgelegt. Mick Harvey, drei Jahrzehnte das musikalische Mastermind, die rationale Konstante an Nick Caves Seite, hat die Alben From Her To Eternity (1984), The Firstborn Is Dead (1985), Kicking Against The Pricks (1986) und Your Funeral … My Trial (1986) neu gemastert. Dazu reicht das Label Mute, der Stall der bösen Samen seit ihrem ersten Aufkeimen, zu jedem Album eine DVD, die Interviews mit tatsächlichen oder den Australier auch nur emotional begleitenden Cave-Menschen zeigt…

Einem fröhlichen Sammelsurium aus Secondhand-Wahrheiten, Angelesenem, Kino sowie einer schattseitigen, von einem Heroin- abusus zusätzlich beeinflussten Fantasie.

Dieses Zehrgebiet unterhalb einer Frisur, die sich innerhalb weniger Jahre vom Vogelnest nach einem Blitzschlag zur geölten Dandy-Matte verflachen sollte, wurde mit brutaler Wucht an die Öffentlichkeit gehoben.“

Vielleicht hat sich die Zeitung einfach am Thema verhoben….-?


Portrait des Dandys als alter Mann


Die heutige Neue Züricher Zeitung rezensiert den Hugo von Hofmannsthal-Roman von Walter Kappacher (Walter Kappacher: Der Fliegenpalast. Roman. Residenz-Verlag, St. Pölten 2009. 171 S., Fr. 31.50.)

Resultat:
„‚Der Fliegenpalast‘ ist ein Roman von unauffälliger Schönheit, der vor allem von der wehmütigen Einsicht in die Nichtwiederholbarkeit erzählt. Diese muss in der Person Hugo von Hofmannsthals der Vertreter einer Generation lernen, die sich einst in schlürfender Nietzsche-Lektüre an der ewigen Wiederkehr des Gleichen berauscht hatte. „

Walter Kappacher erhält übrigens den Georg-Büchner-Preis 2009 verliehen. Der Preis gilt als die wichtigste deutsche Literatur-Auszeichnung und ist mit 40.000 Euro dotiert. Das hat die Jury der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung am Ende ihrer Frühjahrstagung in Berlin entschieden. Ihre Begründung: Kappacher habe über Jahrzehnte hinweg „ein höchst beachtliches, lange viel zu wenig beachtetes Œuvre geschaffen“, seine „leise, musikalische Prosa, voll melancholischer Unerbittlichkeit, klärt uns über uns selbst auf“.
Die Verleihung wird stattfinden am 31. Oktober 2009 in Darmstadt.

http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur_und_kunst/portraet_des_dandys_als_alter_mann_1.2629611.html