Krachkultur 22 – Arbeit

Die Gestalung ist genauso gut wie der Inhalt: Krachkultur 22






#1 Vorrede. In diesen Diktatur-Zeiten ein Literatur-Magazin zum Thema Arbeit? Der Rezensent war skeptisch, was ihn da erwartet. Einerseits und andererseits. Andererseits wird sich auch die Arbeitswelt aufgrund der permanent sich ändernden Lockdowns und des Versagens der Politik radikal verändern.




#2 Kommen wir gleich zur Sache. Die von Martin Brinkmann und Alexander Behrmann herausgegebene 22. Nummer dieses kultig-niveauvollen Literatur-Magazins ist wieder Klasse! Wir wollen gar nicht einzelne Beiträge besonders loben, das wäre zu subjektiv. Subjektiv also hier einige Beispiele, für Texte, die uns sehr gefallen haben.

Etwas Älteren sollte Jörg Fauser (1944-1987) noch ein Begriff sein. Der Schriftsteller und Journalist hat sich sein Leben lang mit prekärer Arbeit durchschlagen müssen, da seine Texte ihn nicht ernährten. Die journalistischen und literarischen Arbeiten kreisten allesamt um das Thema der Arbeit. Seiner im Speziellen und abstrahiert auf gesellschaftlicher Ebene. Die neue Krachkultur veröffentlicht erstmals einige Briefe von Fauser. Hingewiesen sei auf die verdienstvolle Werkausgabe, die seit Frühjahr 2019 im Diogenes Verlag erscheint. Matthias Penzel und Stephan Porombka steuern einen sehr einfühlsamen Text über Fauser bei. Er verklärt den auf der Autobahn überfahrenen Autoren nicht, sondern sucht eine Analyse vom Verhältnis des Autoren mit und zu seiner Arbeit. Ausführlich dokumentiert wird, wie Fauser neben seiner Autorschaft über viele Jahre bemüht war, seine Texte verkauft zu bekommen, um nicht mehr am Flughafen Gepäck schleppen zu müssen.




Garielle Lutz steuert fünf Kurzgeschichten „der überlsten Sorte“ bei – wie die Überschrift lautet. Die in Pennsylvania lebende Bibliothekarin hat wahrlich ein krasses Schreib-Talent! Eigentlich sollte man denken, im Jahre 2021 sei die Sprache ein wenig ausgelutscht. Alles gesagt, formuliert &C. &C. Garielle Lutz beweist das Gegenteil. Und das hat uns erstaunt. Mit großer Bewunderung empfiehlt der DANDY-CLUB deshalb auch das für die nächste Zeit annoncierte Buch mit Übersetzungen, das bei Weissbooks erscheinen soll. Vom Übersetzer Christophe Fricker ist eine kurze Einführung zu der in Deutschland bislang gänzlich unbekannten Autorin den Kurzgeschichten vorangestellt.




#3 Kaufempfehlung. Genug der Beispiele. Wir sind begeistert von der neuen Ausgabe der Krachkultur. Chapeau an die Herausgeber, dass es Ihnen nun über 22 Nummern gelingt, ein derart hohes Niveau zu halten.  – Wer sich für Literatur interessiert – und nicht nur avantgardistische, wird unsere Begeisterung teilen.

© Matthias Pierre Lubinsky 2021

http://www.krachkultur.de