Die Tunisreise 1914

August Macke, Markt in Tunis I, 1914
Privatsammlung, courtesy Thole Rotermund Kunsthandel, Hamburg

 

 

Die Tunisreise 1914.
Paul Klee, August Macke, Louis Moilliet

Ausstellung im Zentrum Paul Klee, Bern bis 22. Juni 2014 

Katalog im Hatje Cantz Verlag, 336 Seiten mit 287 Abbildungen, gebunden, 29,80 Euro.

 

Sie gilt als eine der folgenreichsten Reisen der Kunstgeschichte: Vor genau 100 Jahren reisten die drei Maler-Freunde Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet zusammen nach Tunesien. Eine Ausstellung in Bern und ein Katalog-Buch widmen sich diesem Ereignis.

 


»Die Farbe hat mich« notierte Klee in sein Tagebuch. Ausführlich dokumentierte der Maler in seinem Diarium sein Erweckungserlebnis durch die Sonne und die Farben, das er in Nordafrika erlebte. Diese Aussagen waren es vor allem, die den Mythos der Reise in Kreisen der Kunsthistoriker begründeten. Die Ausstellung und der begleitende Katalog rücken nun allerdings einiges zurecht. So unter anderem, dass Klee sein Tagebuch – wie viele andere – stilisierte, will sagen, dass das, was er später veröffentlichte, von ihm aus eigenen Aufzeichnungen und Briefen kompiliert worden ist. Verwoben hat er es geschickt mit nachträglichen kunsthistorischen Reflexionen.

 

 

Paul Klee, Hammamet, 1914, 33
Privatbesitz

 

 

Die Ausstellung des Zentrums Paul Klee in Bern (noch bis 22. Juni 2014) zeigt 75 Werke von Paul Klee, 57 von August Macke und 20 von Louis Moilliet. Die drei Künstler-Freunde waren in Tunesien nicht gleichermaßen produktiv. Während Klee während des nur zweiwöchigen Aufenthalts 43 Werke schuf, Macke gar 33 Aquarelle und 79 Zeichnungen, fertigte Louis Moilliet drei Aquarelle und elf Zeichnungen – jedenfalls soweit heute bekannt ist.

 

In einem Brief an seine Frau vom 10. April 1914 schilderte August Macke seine Euphorie während dieser zwei Wochen:

»ich habe heute schon sicher 50 Skizzen gemacht. Gestern 25. Es geht wie der Teufel, und ich bin in einer Arbeitsfreude, wie ich sie nie gekannt habe. Die afrikanische Landschaft ist noch viel schöner wie die Provence.«


Wie viele Werke direkt vor Ort entstanden, sagt jedoch nichts über die Wirkung im jeweiligen Œuvre. Die Intensität der Farben, das grellere Licht und die Mentalität der Menschen schlugen sich nieder noch viele Jahre später in den Bildern der drei Künstler. Die Schau in Bern räumt jedoch mit der übertriebenen Mystifizierung auf, Klee, habe erst in Tunesien zu dem scheinbar orientalischen Stil mit starker Abstraktion von Landschaft und Häusern verbunden mit tiefen und intensiven Naturfarben gefunden. Anschaulich wird dargestellt, dass Klee bereits vor der Reise im Jahr 1914 Bilder schuf, die orientalisch wirken: Das Gemälde Die Stadt mit den drei Kuppeln ist in dunklen Rottönen gehalten und zeigt wahrscheinlich eine Ansicht von Klees Heimatstadt Bern. Es entstand unmittelbar vor der Reise, kann also nicht vom Tunesien-Aufenthalt inspiriert sein.

 

Das die Jubiläums-Ausstellung begleitende Buch aus dem Hatje Cantz-Verlag schließt eine Lücke im Buch-Markt. Denn die bisherigen Standardwerke zu dieser Reise, unter anderen der Katalog zur Ausstellung im Westfälischen Landesmuseum im Jahre 1982/83, sind wissenschaftlich teilweise überholt und lange nicht mehr lieferbar.

 

Paul Klee und August Macke mit Fremdenführer vor der Barbier-Moschee,
Kairuan April 1914
Photograph Louis Moilliet

 

 

Auf über 300 Seiten auf 150-Gramm-Samt-Papier präsentiert das wohlfeile Buch sämtliche ausgestellten Bilder ganzseitig. Ergänzt wird das neue Standardwerk durch Photos der Reise und mehrere profunde Aufsätze. Sie geben 100 Jahre später einen Eindruck von der damaligen Faszination Nordafrikas bei mitteleuropäischen Künstlern.