Wim Wenders – Places, strange and quiet – in den Hamburger Deichtorhallen

Wim Wnders, Street Corner in Butte , Montana, 2003
© Wenders Images

 


Wim Wenders, Places, strange and quiet.

Ausstellung:
14. April − 5. August 2012 in der Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg.

Katalog-Buch:
Gestaltet von Matt Watkins. 124 Seiten, 37 farbige Abbildungen und acht Klapptafeln, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2011, 24,80 Euro.

Fernsehbeitrag:
Arte, 16. April 2012, 23.50 Uhr Metropolis: Seltsame Orte. Wim Wenders fotografiert.



Nur einen Augenblick vorher
stand hier noch ein Mann mit einem Cowboyhut
und lehnte verloren
an der Straßenlaterne.
Wochen später traf ich in der Stadt einen Typen, der behauptete,
mit seinem Pick-up-Truck
eben diese Laterne gerammt zu haben.
Deswegen stünde sie seitdem schief …

 

Wim Wenders ist nicht nur einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Filmemacher. – Er ist darüber hinaus Maler, Schriftsteller, Schauspieler und Photograph. Der 1946 in Düsseldorf geborene Multi-Künstler reist neugierig in der Welt herum, um für seine Filme zu recherchieren. Dabei sucht er stets die unbekannten Orte, die Plätze, die in keinem Reiseführer stehen. Die Plätze, die keiner mehr sehen will. Wim Wenders will gerade die verlassenen Orte sehen. Er will dorthin, wo das Leben vorüber gezogen ist. Dort, wo Vergangenes sich materialisiert.

Als Künstler nimmt Wim Wenders wahr. Er spielt bewusst den Gegenpart zum Touristen, der nicht anwesend ist, sondern nur dagewesen sein will. Dem Touristen ist nicht das Er-Spüren des jeweilgen Ortes wichtig. Er will nur daheim seinen Bekannten den photographischen Beweis seines Dagewesenseins präsentieren können. Der moderne Fachbegriff dafür lautet: Handy-Upload.

Dieser schön gestaltete kleine Photoband hat eine Ausstellung von Photographien Wim Wenders‘ in London begleitet. Die Photos sind im Original großformatig. Sie stammen aus dem Zeitraum zwischen 1983 und heute. Angereichert werden die beeindruckenden Werke durch kurze Gedichte vom Photo-Künstler. Sie unterstreichen das Schräge des Ortes, seine Verlebtheit oder auch die Dubiosität, dass sich hier überhaupt Menschen aufhalten.

Es sind zum Teil skurrile Aufnahmen. Sie zeigen ein Riesenrad in Armenien auf einem völlig verlassenen riesigen Areal. Oder den Berliner Palast der Republik in der Abbruchphase, wo von diesem nur noch die Treppenhäuser stehen. Besonders interessiert sich Wenders für die Absurdität der heutigen Vergnügungssucht: Ob Disneyland oder Strandliegen eines Hotels auf Straßenbelag. Obwohl nur wenige Meter daneben der natürliche Sandstrand ist.

In Interviews erzählt Wenders, er habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen gar nichts daran fänden, sich an solchen Orten aufzuhalten oder sich in ihrer so genannten Freizeit von Animateuren beschäftigen zu lassen.

Aufgrund seines Formates mit siebzehn mal zwanzig Zentimetern und den bibliophilen Klapptafeln eignet sich der Band gut als Mitbringsel für Ästheten.

 

 

Wim Wenders, Open-Air Screen
© Wenders Images

 

 

Wim Wenders, Cemetery in the City, Tokyo 2008
© Wenders Images