Léon Bloy – Sueur de Sang

Léon Bloy (1846-1917) im Jahr 1887

 



Der DANDY-CLUB stellt eine deutsche Erstübersetzung von Léon Bloy vor:
Léon Bloy, Blutschweiß (Sueur de Sang), aus dem Französischen, kommentiert und eingeleitet von Alexander Pschera. Mit Illustrationen von Heidi Sill. 294 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Euro 29,90.


Kein Leser kann Léon Bloy (1846-1917) vorwerfen, er sei nicht gewarnt worden.

In seiner Vorrede zu »Blutschweiß«Sueur de Sang«) stellt der französische Erz-Katholik klar, was sein Anliegen mit der Sammlung von Kurzgeschichten aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870/ 71 ist:

»Frankreich ist derart das erste unter den Völkern, dass alle anderen, wer immer sie auch seien, sich glücklich schätzen dürfen, wenn es ihnen erlaubt ist, mit Frankreichs Hunden das Brot zu teilen.

Wenn Frankreich glücklich ist, ist der Rest der Welt ausreichend glücklich, selbst wenn er dieses Glück mit Knechtschaft oder Auslöschung erkaufen muss.

Aber wenn Frankreich leidet, dann ist es Gott, der leidet, dann ist es der schreckliche Gott, der für die ganze Welt agonisiert, indem er BLUT SCHWITZT.

Léon Bloy ist in Deutschland kaum bekannt. Die meisten Bücher sind nach wie vor nur mehr antiquarisch erhältlich. Alexander Pschera, der Sueur de Sang wunderbar und empfindsam ins Deutsche übertragen hat, hat sich in den vergangenen Jahren um den französischen Ausnahme-Schriftsteller und -Denker verdient gemacht. Neben einer Reihe von profunden Aufsätzen in verschiedenen Zeitschriften veröffentlichte er 2006 eine Studie über Bloy mit dem Titel: »Pilger des Absoluten«. Der 1964 geborene Pschera sieht in dem Choleriker mit katholisch-spirituellem Habitus eine mögliche Schlüsselfigur des Renouveau catholique. Besonders aufschlussreich sind in der kleinen Biographie die Nähen zwischen Bloy und einem anderen Aufräumer, der zur selben Zeit in Deutschland lebte: Friedrich Nietzsche.

Heißt es bei Nietzsche ‚Gott ist tot‘, so spricht sein französischer Bruder im Geiste von der Abwesenheit Gottes. So sieht Léon Bloy das brutale Gemetzel in diesem ungeheuren Krieg als Zeichen eines bevorstehenden Unterganges der Welt. Die Menschen hätten auch nichts anderes verdient. Ungläubige sind sie alle. Nicht wert, von Gott geschaffen worden zu sein, geschweige denn, von ihm geliebt zu werden.

Dies Buch, diese dreißig Kurzgeschichten, müssen bewusst gelesen werden. Oder gar nicht. Man versteht nichts, liest man lediglich die geschriebenen Worte, die Sätze. Die Erzählungen sind voller Ironie, – die den brüllenden Hass Bloys auf die Deutschen in ein anderes Licht stellt. Wahrlich ist dieser Hass von himmlischer Dimension. Und allein dieses Faktum hat etwas für sich. Wie erfrischend! Hier wird nicht mehr relativiert, nicht mehr in Schutz genommen oder abgewogen. Bloy erzählt süffisant, wie drei Franzosen viermal so viele Deutsche in einem von ihnen besetzten Haus ermorden. Sie schneiden ihnen die Kehle durch und servieren ihrem Vorgesetzten zwölf preußische Helme mit jeweils zwei Ohren darin.

Der Wahrheitsgehalt dieser dreißig kurzen Erzählungen kann nicht mehr überprüft werden. Vermutlich sind sie in ihrer Erzähldramaturgie mehr oder weniger erfunden. Dennoch war Léon Bloy im Krieg dabei und wird die geschilderten Situationen so oder so ähnlich erlebt haben. Bloy legt den Wert der Geschichten auf eine dahinter stehende Aussage: Es geht ihm um die Sichtbarmachung des göttlichen Plans. Dies spiegelt der Autor auch in seiner Sprache wider: Sie bildet einen Bogen aus himmlischer Verdammnis und grotesker Zuspitzung. Was meint Bloy noch ernst? Wenn er den deutschen Reichskanzler Bismarck zuerst als »gewöhnlichen Kurpfuscher« und als Lügner bezeichnet und sich dann nicht scheut, ihn als »mörderische Kakerlake« zu betiteln, – dann entbehrt dies nicht einer gewissen komischen Qualität.

Hervorzuheben bei der ersten deutschen Übersetzung von Sueur de Sang ist nicht nur die profunde Übertragung von Alexander Pschera. Auch seine Anmerkungen haben Substanz und sind eine wertvolle Unterstützung bei der Lektüre.

Noch vieles wäre erwähnenswert. So dass Léon Bloy eine Zeit lang der Sekretär von Barbey d’Aurevilly war, dass Huysmans seinen Protegierten Bloy mit einer kurzen Erwähnung in seiner Bibel des dandysme »Gegen den Strich« geadelt hat oder dass Carl Schmitt seinen Gesprächspartner Ernst Jünger während des Zweiten Weltkriegs auf Bloy aufmerksam gemacht hat. Bloy ist konsequenterweise  zum Katholizismus konvertiert. Er steht damit in einer illustren Reihe: Genannt seien nur Oscar Wilde, Ernst Jünger und Markus Lüpertz.