Paul Klee – Leben und Werk

Photographien aus dem Leben Paul Klees. Doppelseite aus der Werk-Biographie
© Hatje Cantz/ Zentrum Paul Klee 2012

 

 

Paul Klee – Leben und Werk.
Hrsg. vom Zentrum Paul Klee Bern. Hatje Cantz Verlag 2012, 343 Seiten, ca. 500 Abbildungen. 49,80 Euro.

 

»Wir leben heute nicht in einer Zeit, in der die Kunst die Helferin des Lebens ist«, schrieb Herwarth Walden im Vorwort des Katalogs zum Ersten deutschen Herbstsalon, Berlin 1913. »Echte Kunst« sei »die Gleichung, die abstrakt gesinnte Geister aus dem Leben ziehen, wunschlos, zwecklos und ohne Hader. In anderen Zeiten ist die Kunst die Hefe, die den Teig der Welt durchsäuert,- solche Zeiten sind heute fern. Bis sie erfüllt sind, muß sich der Künstler in gleicher Ferne vom offiziellen Leben halten.«


Diese pessimistische Einschätzung ist nun genau 100 Jahre alt. Sie mag uns heute an das, was gesellschaftlich geschieht, gemahnen. Und daran, welches Verhältnis Kunst dazu hat. Paul Klee (1879-1940) war einer der Teilnehmer des Berliner Herbstsalons. Und obwohl er heute als einer der bedeutendsten Künstler der Moderne gilt, war sein Verhältnis zu bedeutenden avantgardistischen Strömungen wie dem Kubismus durchaus ambivalent. Eine umfassende Monographie Paul Klee – Leben und Werk gewährt nun zum ersten Mal in diesem Umfang einen Einblick in die Biographie dieses außergewöhnlichen Mannes und sein Œuvre. Paul Klees Auseinandersetzung mit dem Kubismus sollte für ihn selbst wegweisend werden und für die moderne Kunst folgenreich. Kandinsky und Robert Delaunay waren radikale Erneuer und angetreten, um abgestumpfte Sehgewohnheiten zu zerstören. Klee beeindruckte die Kühnheit, mit der die Kubisten über die lediglich äußerliche Erscheinung des Sichtbaren hinaus nun zu einer Analyse der inneren Struktur vordrangen. In einem Brief aus Paris an den Künstlerkollegen Alfred Kubin erklärte Klee, dass er »die neuesten Bestrebungen […] schätzen lernte«. Dennoch habe für ihn »die Ausarbeitung des Persönlichen« Vorrang.

 

 

Paul Klee in seinem Atelier in Weimar, 1923
Photo: Felix Klee

 

 

Wie kaum eine Publikation zuvor, lässt die opulente Werk-Biographie das Entstehen von Klees Werk innerhalb seines Lebens anschaulich werden. Dazu tragen nicht nur die profunden Texte von einem halben Dutzend Klee-Kennern bei. Man bekommt einen Eindruck, wie der 1879 geborene Schweizer durch politische Ereignisse beeinflusst wurde. Die so genannte Machtergreifung Hitlers kommentierte er mit der ihm eigenen ironischen Distanz: »Vorläufig drückt ein unangenehmes Gefühl auf den Magen, als ob dem neuen Jahr des geeinigten nationalen Deutschland eine allzu zackelfugige Schaumweinorgie zum Anbruch verholfen hätte.« Gelungen ist auch die Gewichtung der inhaltlichen Schwerpunkte, die die Lektüre des schweren Folio-Bandes trotz ihres wissenschaftlichen Niveaus spannend sein lässt. Was weiter gefällt: Einige Themen wie »Die Tagebücher« oder »Ölpausen« sind in Kästen aus dem übrigen Text herausgehoben und lassen sich so bei erneuter Lektüre schnell finden.

 

Dies Handbuch zu Paul Klee präsentiert neben einem Groß der 366 Werke, die Klee in seinem eigenen Œuvrekatalog kurz vor seinem Tod 1940 aufgelistet hat, auch vielfältige Photos von Ateliers, Wohnungen und Ausstellungen, die den Text anschaulich vertiefen.

 

Peter Fischer, der Direktor des Paul Klee Zentrums in Bern, betont als Herausgeber dieses Meilensteins zu Klee in seinem Vorwort: »Dass sich ein solch erweiterter Kontext nun erstmals öffnet, wurde dank der Schenkung des umfangreichen Klee-Familienarchivs durch Alexander Klee an das Zentrum Paul Klee möglich.« Ein besonderes Verdienst des 350-seitigen Buches ist die gelungene Verbindung der biographischen Aspekte von Paul Klee mit den werkgenetischen, wie der Begriff in der heutigen Kunstgeschichte lautet.

 

Aktuelles Standardwerk zu Paul Klee. Cover der Werk-Biographie