Erich von Stroheim
(1885 - 1957)
Erich Oswald Stroheim wurde am 22. September 1885 in Wien geboren. Er war Regisseur, Schauspieler und Schriftsteller österreichischer Herkunft. Da er oft in der Rolle des arroganten und skrupellosen Bösewichts zu sehen war, warb die Filmindustrie mit ihm mit dem Slogan „Der Mann, den man gerne hasst“ („The Man You Love to Hate“).
1909 verließ er seine Heimat und wanderte in die USA aus. Hier schlug er sich mehrere Jahre durch, bis er 1914 als Stuntman mit der Filmbranche zu tun bekam. In David Wark Griffiths wegweisendem Film The Birth of a Nation zog er sich bei einem Sprung vom Dach eines Hauses einen Rippenbruch zu. Dadurch wurde Griffith auf Stroheim aufmerksam und gab ihm fortan bedeutendere Aufgaben.
Stroheim trieb das Schauspiel auch außerhalb des Films weiter. So gab er sich in Amerika aus als Abkömmling eines alten Adelsgeschlechts und behauptete, sein voller Name sei Graf Erich Oswald Hans Carl Maria Stroheim von Nordenwall. Um diesem Bild von sich Nachdruck zu verleihen, erzählte er, er sei der Sohn eines Grafen und einer deutschen Baroness und habe selbst als Kavallerie-Offizier und Leibwache seiner Majestät gedient. Da er sich tatsächlich stark für das Militär interessierte, kannte er sich in den Vorschriften und Diensträngen gut aus. So wurde Stroheim 1914 für den Film Alt-Heidelberg von John Emerson als technischer Berater engagiert und übernahm eine Nebenrolle.
Stroheim genoss die Rolle als Bösewicht so sehr, dass er sogar außerhalb von Drehs die Film-Uniform getragen haben soll. Seine Entscheidung für dieses Rollenbild war durch den Kriegseintritt der USA in Ersten Weltkrieg gegen das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn finanziell erfolgreich. Allerdings wurde der Hass auf den deutschen Offizier in den Filmen teilweise so stark übertrieben, dass viele in Deutschland ihm das lange übelnahmen. So versuchte er in einer Filmszene, als deutscher Offizier eine Krankenschwester zu vergewaltigen, in einer anderen warf er ein Baby aus dem Fenster.
In den 1920-er Jahren gehörte Stroheim zu den führenden Filmregisseuren in Hollywood. Seit dieser Zeit arbeitete er parallel als Regisseur und Schauspieler. Stroheims Manien führten allerdings immer wieder dazu, dass er die Regie entzogen bekam, die Filme nicht fertig wurden oder mindestens manchmal am Set das blanke Chaos herrschte. Sein Regiestil war in Hollywood schnell als extrem exzentrisch verschrien. Die bekanntesten Geschichtchen sind die, dass er einmal bei Dreharbeiten zu einem Stummfilm einen Wutanfall bekommen haben soll, weil eine Türklingel nicht funktionierte. Wikipedia weiß davon zu berichten, Stroheim habe eine aufwendige Kostüm-Szene wiederholen lassen, weil ein Kellner im Hintergrund keine weißen Handschuhe trug. Besonders hat man sich die Mäuler zerrissen über Stroheims Orgien-Szenen, für die er angeblich eine ganze Reihe von Prostituierten habe engagieren lassen.
Mitten in den Dreharbeiten zu Merry-Go-Round (1923) wurde Stroheim vom Studiochef Irving Thalberg entlassen, weil er sich erneut nicht an die Vorgaben des Studios gehalten hatte. Stroheim hatte Militäruniformen in Wien bestellt, da sich seiner Meinung nach nur auf diese Weise die notwendige Authentizität darstellen ließe. Komparsen, die als Soldaten auftraten, ließ er tagelang tatsächlich exerzieren, weil er vorher mit ihren Bewegungen nicht zufrieden war.
Stroheims Ruf als Regisseur war nach diversen Verlusten der Regie vollkommen ruiniert. So war er gezwungen, wieder vor der Kamera zu agieren. Außerdem nahm er Tätigkeiten als technischer Berater und Hilfsdramaturg an.
Ab 1936 fand Stroheim auch als Darsteller in Hollywood kaum noch Engagements. Da kam ihm ein Angebot aus Frankreich gerade recht. Regisseur Renoir, der ein großer Bewunderer Stroheims war, baute dessen ursprünglich kleine Rolle im Lauf der Dreharbeiten immer weiter aus. Die Besetzung Frankreichs durch die Nationalsozialisten zwang Stroheim jedoch wieder, die Kriegsjahre in den USA zu verbringen. Seine finanzielle Situation war nun angespannt, sodass er sich für eine Theater-Tournee engagieren ließ. Ein großer Erfolg wurde 1943 Stroheims Rolle als Feldmarschall Rommel in Billy Wilders Five Graves to Cairo. Auch in dieser Rolle soll er allergrößten Wert auf Authentizität gelegt haben: So soll er verlangt haben, dass in dem Fotoapparat, den er als Rommel um den Hals trägt, ein Film eingelegt war – obwohl dieser während der Handlung noch nicht einmal benutzt wurde.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte von Stroheim nach Europa zurück und war als Schauspieler wieder sehr gefragt. Kurz vor seinem Tod wurde er von der französischen Regierung mit einem der höchsten Orden der Republik ausgezeichnet, dem Kreuz der Ehrenlegion.
Erich von Stroheim starb am 12. Mai 1957 auf Schloss Maurepas bei Paris, wohin er sich mit seiner Lebenspartnerin Denise Vernac zurückgezogen hatte.










