Alfred d'Orsey
(1801 - 1852)
Die Zeichnung von Daniel McLise, die 1834 im Fraser’s Magazine erschien, ist heute Emblem für einen echten Dandy. Sie zeigt den Grafen d’Orsey beim Promenieren im Hyde Park.
Alfred Guillaume Gabriel Grimaud wurde am 4. September 1801 geboren. Er war der zweite Sohn des bonapartistischen Generals Jean-François-Louis-Marie-Albert Grimaud, Comte d'Orsay (1772–1843) und seiner Ehefrau Eleonore Freiin von Franquemont (1771–1833), einer illegitimen Tochter des Herzogs Carl Eugen von Württemberg mit der italienischen Abenteuerin Anna Eleonora Franchi.
Der Graf galt als außergewöhnlich schön, was er durch seine Pflege und Garderobe noch unterstrich. Im Jahr 1815 ging er mit seinem Vater ins englische Exil, um wenige Monate später wieder zurück zu kehren. 1821 trat er in die französische Armee der restaurierten Bourbonen Monarchie bei, was seiner eigenen bonapartistischen Einstellung widersprach.
Ein Jahr darauf nahm er an der aufwendigen Krönung Georg IV., des ehemaligen engen Freundes des Ur-Dandys George Bryan Brummell, in der Westminster Abbey teil. Sie diente ihm als willkommene Bühne, das Ideal seines Vorgängers Brummell zu erneuern. Die Londoner selbsternannten Dandys waren nur noch blasierte Gestalten, die stilistisch unsicher, teils sogar ungepflegt und einfallslos erschienen. Der französische Graf machte es genauso geschickt wie Brummell: Er trug zwar ihre Kleidung, - ließ sich jedoch nicht vereinnahmen. Gewandt in einen englischen Frack, fehlte ihm die Steifheit und Dünkelhaftigkeit seiner Zuschauer. Er hingegen konnte glänzen mit französischer Raffinesse, weltgewandter Ungezwungenheit und der ihm eigenen Liebenswürdigkeit. So wurde er zum legitimen Nachfolger Brummells, der wenige Jahre zuvor im Exil verstorben war.
Später diente d’Orsey in der Garde du Corps des Königs Ludwig XVIII. Während seiner Stationszeit in Valence machte er die Bekanntschaft mit den englischen Aristrokraten Charles John Gardiner, 1. Earl of Blessington und seiner zweiten Ehefrau, der Schriftstellerin Marguerite, Countess of Blessington. Vom Grafen eingeladen, begleitete er das Paar auf deren Grand Tour durch Italien. Im Frühjahr 1823 traf er den berühmten Dichter Lord Byron in Genua.
Biographen beschrieben ihn bereits in diesem Alter als perfekten Dandy. Was ihn von vielen englischen Dandys unterschied, waren vor allem der Wunsch zu gefallen und Züge des französischen Kavaliers. So viel es ihm nicht schwer, zum Liebling der Upper Class zu avancieren. Insbesondere die Damen bewunderten ihn hinter vorgehaltener Hand.
Dies wusste der geschickte Selbstdarsteller zu steigern durch pointiert eingesetzte Regelüberschreitungen. Chateaubriand, der zu dieser Zeit französischer Botschafter in London war sagte: »Nichts hatte in England soviel Erfolg wie die Unverschämtheit, die d’Orsey, der Bruder der Duchesse de Guiche, bezeugte. Er galoppierte durch den Hydepark, warf zum Spiel die Barrieren um, dutzte ohne weiteres die Dandys: er hatte Erfolg ohnegleichen.«
1827 heiratete Orsey zum zweiten Mal: die erst 15-jährige Lady Harriet Gardiner. Die Ehe galt als nicht glücklich und existierte bald nur auf dem Papier. Zwei Jahre später starb sein Gönner und Schwiegervater.
Im Londoner Stadthaus Gore House in der Kensington Road führten Alfred d'Orsay und Lady Blessington einen Literarischen und Künstlerischen Salon, der einen legendären Ruf genoss. Hier begegneten sich Intellektuelle, Künstler und Fashionables. Zu den Teilnehmern gehörten so illustre Persönlichkeiten wie die bedeutenden Schriftsteller Charles Dickens und Thomas Lawrence, Alfred de Vigny, Alphonse de Lamartine, Prinz Charles-Louis-Napoléon Bonaparte, Edward Bulwer-Lytton und der spätere Premierminister Benjamin Disraeli. Ausdrücklich unerwünscht waren die Gegner von Lord Byron.
Anfang 1838 trennte sich Lady Harriet auch formell von ihrem Ehemann und bezahlte seinen Gläubigern die ausstehenden Schulden - im Tausch gegen sein Verzicht auf alle Ansprüche auf das Familienanwesen Blessington Estate. Nachdem Lady Blessingtons Einkünfte aus ihrem Buchverkauf dramatisch zurückgingen und ihr Erbe wegen des extraordinairen Lebensstils aufgebraucht war, musste das Paar England verlassen.
Lady Blessington und der Graf zogen 1849 nach Paris, wo sie wenige Wochen nach ihrer Ankunft starb. Als d’Orsey am 4. August 1852 starb, hinterließ er einen Schuldenberg von damals ungeheuren 100.000 £.





